Keine Hunde nur zum Gassi gehen

"Es war ein tolles Wochenende": Kilyan Klotsch mit seinen Alaskan Malamutes auf der Strecke.  Foto Bittner
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"Es war ein tolles Wochenende": Kilyan Klotsch mit seinen Alaskan Malamutes auf der Strecke. Foto Bittner

Sie haben ihren eigenen Willen, legen mitunter Sturheit an den Tag und machen nur Dinge gerne, in denen sie einen Sinn erkennen: Huskies, Schlittenhunde, auch Alaskan Malamutes, die kräftigen Tiere aus der Arktis. "Gassi gehen ist eine Qual für sie", weiß Andrea Rothmayer aus Neureichenau im Bayerischen Wald.

Sie ist mit Partner Kilyan Klotsch und einigen erst 18 Monate alten weiblichen und männlichen Alaskan Malamutes zum ersten Mal in Inzell.

Inzell - Das Rennen mutiert zum aufregenden Debüt für Leithund Lauri Petterson, Page Pepper, Magic, Inari & Co. Alles geht gut, die rund 30 Kilometer zieht das Sechs-Hunde-Gespann routiniert wie "alte Hasen" durch.

Die Schlittenhunde und ihre Musher sind schlechtes Wetter gewöhnt, die Tiere lieben Schnee und Eis und Minustemperaturen. "Und sie wollen laufen", sagt Kilyan Klotsch, der mit seinem Team aus dem Kreis Freyung-Grafenau angereist ist. "Wenn sie merken, dass es langsam losgeht, werden sie brutal nervös und sind voller Adrenalin", erzählt der Besitzer des Husky-Hofs Dreisessel, auf dem elf Alaskan Malamutes und drei Western-Pferde ein feines Leben führen. Einige Hunde sind seit kurzem 18 Monate alt und dürfen jetzt zusammen mit Smojeden und Grönlandhunden in einer Klasse starten und erste Erfahrungen sammeln. Die rasanten Siberian und Alaskan Huskies sowie die schnellsten aller Schlittenhunde, die Hounds, treten in seperaten Kategorien wie Sprint oder offenen Klassen an.

Männliche Alaskan Malamutes werden bis zu 65 Zentimeter hoch und 40 Kilogramm schwer. Die vier in Inzell debütierenden Tiere von Andrea Rothmayer und Kilyan Klotsch sind lange nicht ausgewachsen: "Das dauert noch ein gutes Jahr." Gemeinsam mit zwei erfahreneren Huskies bilden sie eine feine Crew, freilich noch ausbaufähig. "Wenn man so viel trainiert wie wir, möchte man sich natürlich auch mit anderen messen und schauen, wo man steht und ob sich die Arbeit gelohnt hat", sagt Klotsch, der vor einigen Jahren mit "Jack" seinen ersten Vierbeiner aus dem Tierheim holte. Mit gut 14 Jahren ist der Husky-Rüde Anfang Januar gestorben.

Die extrem kinderlieben Alaskan Malamutes bezeichnet er als "Lokomotiven des Nordens", die vom Inuit-Stamm der Malimiut gezüchtet wurden. Über Jahrhunderte lebten Alaskan Malamutes als enge Gefährten der Inuit in der arktischen Tundra, bis "Weiße" die größten aller Schlittenhunde für sich entdeckten. Diese lassen sich auf wolfsnahe arktische Tiere zurückführen. Ihre Vorfahren lebten als Zug- und Packtiere mit den Eskimos in den Landstrichen rund um den Kotzebue-Sund im nordwestlichen Teil Alaskas.

"Weil diese indigenen Völker nie viel zu essen hatten, mussten sich auch die Hunde an wenig Nahrung gewöhnen". Klotschs genügsame Tiere kommen mit nur 300 Gramm pro Hund und Tag aus - es gibt Angus-Rind und Trockenfutter, "das mögen sie am liebsten".

Alles begann auf dem späteren Huskyhof "Dreisessel" also mit einem Hund: "Das war ein großer Fehler", lacht Kilyan Klotsch heute. Denn "Jack" stellte erst einmal das Haus auf den Kopf, fraß DVD's und Teppiche und grub den Garten um. Erst als ein zweiter Husky zu den Hundeliebhabern kam, wurde Jack ruhiger und legte ein "besseres Benehmen" an den Tag. Es wurden immer mehr Tiere, ein Rennteam entstand.

Ein Hund kostet aktuell 1000 bis 1300 Euro und entgegen der landläufigen Meinung, dass sich Schlittenhunde ihre Kräfte bei den Rennen nicht einteilen können, stets gleich nach dem Start volle Pulle powern - "das stimmt" - und am Ende nicht mehr können - "stimmt nicht", sagt Andrea Rothmayer. "Erfahrene Tiere können sehr wohl gut mit ihrer Kondition haushalten."

"Es wurden immer mehr Tiere und ein Rennteam entstand"

Mittlerweile bieten Andrea Rothmayer und Kilyan Klotsch neben einem reichhaltigen Programm - unter anderem mit behinderten Menschen, obwohl ihre Tiere keine Therapiehunde sind - auch Workshops an, bei denen jeder Interessierte innerhalb kürzester Zeit das Führen eines Hundegespanns lernen kann. Die Befehle halten sich beiden Mushern ohnehin in Grenzen: "Go" für los oder auf geht's, "haw" für links, "chee" für rechts, für langsamer "easy" oder "stopp" für stehenbleiben. Und wenn sie Artgenossen am Rande der Strecke einfach nur passieren sollen, ohne eine kleine Pause einzulegen, verstehen sie auf einmal deutsch: "Vorbei" hallte es auch am großen Schlittenhunde-Wochenende im Chiemgau immer wieder durchs Inzeller Tal.

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