Schwere Sturmschäden: Keine Gnade für den Gnadenhof Chiemgau

Große Schäden hat der Verein Gnadenhof Chiemgau zu beklagen. re
  • vonMartin Tofern
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Das Unwetter über dem Chiemsee Ende Juni hat auch den Gnadenhof Sondermoning schwer getroffen. Große Teil der Zäune um Pferdekoppeln und Rehgehege wurden durch umgestürzte Bäume massiv geschädigt.

Sondermoning/Chieming – Starke Böen hatten die Bäume entweder entwurzelt oder abgebrochen. Obendrein hat der extrem starke Regen viele Weideflächen und die Auslaufflächen für Pferde unter Wasser gesetzt.

Helfer haben sich frei genommen

„Gott sei Dank sind unsere Tiere, bis auf nasse Füße, unversehrt geblieben und vier unserer Pferde müssen nur einen vorübergehenden Wohnraumverlust verschmerzen bis das Wasser in den Unterständen abgetrocknet ist“schreibt Sophie Pütz, 1. Vorsitzende, auf der Internetseite des Vereins Gnadenhof Chiemgau. „Am Montag nach dem Unwetter haben sich viele Helfer frei genommen, um uns bei den Aufräumarbeiten zu unterstützen“, erzählt Pütz im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. „Wir haben zum Glück viele Helfer“, sagt sie nicht ohne Stolz. Die meisten seien Freunde des Gnadenhofs, die vor allem am Wochenende vorbeikämen, um kräftig mit anzupacken. Auch eine Familie aus München scheue den weiten Weg nicht und reise regelmäßig aus München an.

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„Bei uns ist es halt sehr familiär, die Leute fühlen sich hier einfach wohl“, erklärt Pütz. Ein anderer regelmäßiger Helfer bringe täglich Heu und Stroh für die Tiere. Er fasse dann immer mit an, wenn Hilfe gebraucht wird. Zurzeit reparieren die Unterstützer zerbrochene Zäune und erneuern die Strom führenden Drähte, etwa rund um das Ziegengehege.

"Da muss ein Baumkraxler kommen"

Doch gut eine Woche nach dem großen Sturm braucht Putz einen Profi, der die angebrochenen Äste von den Bäumen holt. „Da muss ein Baumkraxler kommen“, sagt Putz, denn für die anderen Helfer sei so ein Einsatz mit Kettensägen und Hoflader viel zu gefährlich. Sie hofft, dass der Baumkraxler die Arbeit bewältigt. Wenn ein ganzes Team mit schweren Maschinen anrücken müsste, hätten die mit Sicherheit Probleme, über die engen Wege voranzukommen. Außerdem würde der Lärm der Maschinen die Tiere verstören.

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Auf dem Hof beherbergt Tierfreundin Putz an die 100 Tiere, vom Pferd bis zu Gänsen und Hühnern. Allein 31 Pferde zählen zu den Bewohnern des Gnadenhofs. Das sind hauptsächlich Tiere, die beschlagnahmt wurden“, sagt Putz. Die meisten würden von der Polizei gebracht, manche auch von Jägern, die auf ihren Streifzüge verletztes oder krankes Wild entdecken. Manche Pferde litten etwa an der Hufrehe, eine Entzündung der Lederhaut an den Hufen. Die Tiere könnten damit nicht mehr richtig gehen. Wieder andere seien lungenkrank und litten ihr Leben lang an Atemnot.

Verein braucht dringend Geld

Den Gnadenhof betreibt Sophie Putz seit bald 30 Jahren, aber ihre Liebe zu aussortierten Tieren hat sie schon viel früher entdeckt. „Ich wollte schon als Kind ein Pony, das keiner haben will“, erzählt sie. „Im Alter von zehn Jahren habe ich dann ein Pony bekommen, dass immer alle angeworfen hat.“

Auch mit dem nächsten Pony sei es nicht viel besser gegangen, aber ihrer Liebe zu Tieren, die ausgesetzt oder vernachlässigt worden sind, hat das offensichtlich keinen Abbruch getan. Trotz der Hilfe der ehrenamtlichen Helfer reicht das Geld des Vereins nicht aus. Darüber hinaus haben die Tierfreunde den Neubau eines Stallgebäudes geplant. Das sollte eigentlich bis zum Herbst fertig sein. „Die Genehmigungsverfahren dauern leider wegen Corona etwas länger“, erklärt Putz. Für Reparaturen und den Neubau hofft sie auf Spenden an den Verein.

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