Warten auf Besucher

Keine Besucher, wenig Schiffe: Stille Tage im Schloss Herrenchiemsee

Die Kutschpferde auf Herrenchiemsee haben im Moment nicht viel Arbeit, da geht es ihnen ähnlich wie Konstantin Buchner, Chef der dortigen Schloss- und Gartenverwaltung (links). Mit Pferdewirt Christian Hofstetter trifft er sich dennoch regelmäßig zur morgendlichen Besprechung. Diesmal mit dabei: Wallach Eskil und Stute Estrella.
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Die Kutschpferde auf Herrenchiemsee haben im Moment nicht viel Arbeit, da geht es ihnen ähnlich wie Konstantin Buchner, Chef der dortigen Schloss- und Gartenverwaltung (links). Mit Pferdewirt Christian Hofstetter trifft er sich dennoch regelmäßig zur morgendlichen Besprechung. Diesmal mit dabei: Wallach Eskil und Stute Estrella.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Das Schloss Herrenchiemsee ist geputzt, jetzt fehlen nur noch die Gäste – doch Inselchef Konstantin Buchner und sein Team aus derzeit nur zehn Mitarbeitern wissen nicht, wann wieder Besucher kommen dürfen. Die Chiemseeschiffe bringen nur wenige Spaziergänger übers Wasser. So bleibt viel Zeit. Für was eigentlich?

Herreninsel – Die Lüster glänzen, die Böden sind gewienert, der Eingangsbereich sauber und gepflegt – so, als wäre man bereit, jeden Moment Besucher auf Schloss Herrenchiemsee zu empfangen, um sie in die Welt von Märchenkönig Ludwig II. zu entführen. Aber niemand kommt. „Inselchef“ Konstantin Buchner hat momentan viel Zeit, aus seinem Bürofenster auf die Kampenwand zu schauen. Und darüber nachzudenken, ob man an alle Maßnahmen gedacht hat, falls es am Tag X wieder heißen darf: „Willkommen auf Schloss Herrenchiemsee“.

Zehn Mitarbeiter sind noch auf der Insel

Auch im Alten Schloss hat Buchner ein Lieblingsfenster. Es gibt den Blick frei auf die Fraueninsel – wo es sonst an zwei Winterwochenenden voll wäre von Ausflüglern, die den Christkindlmarkt besuchen: „Von ihnen würden viele einen Abstecher auf die Herreninsel machen“, seufzt der Leiter der Schloss- und Gartenverwaltung Herrenchiemsee. Nicht so im zweiten Lockdown, den Buchner und seine zu Spitzenzeiten 75 Mitarbeiter nun verkraften müssen. Bis auf zehn Angestellte, die im Moment noch jeden Tag ihren Dienst auf der Insel verrichten, bauten alle gerade die Überstunden vom Sommer ab oder seien im Weihnachtsurlaub: „In Kurzarbeit ist bei uns niemand.“

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Die zehn Kräfte würden täglich gebraucht: Pflanzen müssten gepflegt, die Kutschpferde versorgt und die Elektrik ständig am Laufen gehalten werden, zählt Buchner einige Beispiele für nötige Arbeiten auf. Auch die beiden Verwaltungsmitarbeiter hätten noch gut zu tun: „Der Haushalt muss zu Ende gebracht werden.“ Aber ansonsten: „Es ist schon sehr ruhig auf der Insel“. Denn die großen Reinigungsarbeiten, „die man nicht mal eben an einem Wochenende durchführen kann“, seien nun alle zu Ende gebracht. Die große Geschäftigkeit aus dem ersten Lockdown sei vorbei.

Durch die Innenräume wandeln

Dafür könne er sich nun die Zeit nehmen, immer mal wieder in aller Stille durch die Innenräume des Schlosses zu streifen. „Ich erkunde auch mehr und mehr den Wald drumherum, beobachte viel, gehe kleine Wege ab, die ich bisher noch gar nicht beachtet habe“, erzählt Buchner, der erst Mitte 2019 die Stelle auf der Insel angetreten hat. Er schaue auch mal dem einen oder anderen Fachmann über die Schulter und lerne dazu: „Da ist es ein Vorteil, dass ich auf der Insel wohne.“ Alles in allem aber, sei diese Zeit „kein Zuckerschlecken“.

Schließlich wisse niemand, wie und wann es weiter gehe mit dem Kulturleben im Land: „Wir wissen auch nicht, welche Szenarien auf uns zukommen“, gibt Buchner zu bedenken, und dass seine Leute in der Lage sein müssten, kurzfristig auf neue Anordnungen zu reagieren: „Bisher hat das Personal das sehr gut mitgetragen, obwohl die Fülle an Informationen enorm ist.“

Austausch mit anderen „Schlossherren“

Überdies sei er selbst in regem Kontakt mit den anderen Schlossverwaltern: „Wir tauschen uns untereinander aus, wie andere die Regeln umsetzen und wie die jeweilige Stimmung vor Ort ist. Das finde ich sehr wichtig und hilfreich.“ Am Ende verbinde alle die selbe Leidensgeschichte. Auch diejenige vom ausbleibenden Umsatz. „Ganz ehrlich: Die Rechnung für dieses Jahr habe ich noch nicht gemacht“, sagt Buchner, „aber klar ist: 75 Prozent der Gäste fehlen.“

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Eine Schicksalsgemeinschaft mit Herrenchiemsee bildet auch die Chiemsee-Schifffahrt. Ohne die Feßler-Schiffe kommt kein Spaziergänger auf die Insel, was derzeit übrigens erlaubt ist. Die Chiemsee-Dampfer seien beides, sowohl öffentliches Transportmittel für die Insulaner, als auch Touristenfähren.

Die Münchner bittet er, daheim zu bleiben

Ein Vor- und Nachteil in dieser Zeit zugleich, sagt Geschäftsführer Michael Feßler: „Wir dürfen offiziell Ausflügler übern See fahren, wollen aber nicht forcieren, dass das zu viele machen“, beschreibt er sein derzeitiges Dilemma.

Schließlich seien bei jeder Fahrt Personal und Insulaner dem Infektionsrisiko ausgesetzt. Fahrten habe man auf die Inseltour begrenzt, alle zwei Stunden fährt eines der größeren Schiffe: „Um genügend Abstand möglich zu machen.“ Im Moment laufe ohnehin vieles ganz konträr zu sonst. Den Münchnern, die jetzt vermehrt bei ihm anrufen und sich nach dem Fahrplan erkundigen, sagt Feßler demnach: „Bleibt´s liaba dahoam, bitte.“

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