Keine Altersgrenzen für Schützinger

Regisseur und Darsteller Klaus Bierdimpfl (als TSV-Chef und Gemeinderat), Sabine Drubba (als Alexandra Klein, Vorsitzende der katholischen Frauen Grabenstätt), die Vorsitzende des Theatervereins Manuela Keil (als Ex-Presseberichterstatterin), Christian Bergmann (als Dritter Bürgermeister Franz Wiesholler) und Christoph Urian (als Bürgermeister Georg Schützinger, von links) hielten den Originalen den Spiegel vor. Foto müller
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Regisseur und Darsteller Klaus Bierdimpfl (als TSV-Chef und Gemeinderat), Sabine Drubba (als Alexandra Klein, Vorsitzende der katholischen Frauen Grabenstätt), die Vorsitzende des Theatervereins Manuela Keil (als Ex-Presseberichterstatterin), Christian Bergmann (als Dritter Bürgermeister Franz Wiesholler) und Christoph Urian (als Bürgermeister Georg Schützinger, von links) hielten den Originalen den Spiegel vor. Foto müller

Das neue "McDonalds"-Restaurant an der Autobahnausfahrt war beim Grabenstätter Starkbierfest nicht nur Thema der Predigt von Gustl Lex alias "Bruder Guardian" (wir berichteten), sondern bildete auch die Kulisse für die anschließende Aufführung des Theatervereins.

Grabenstätt - Christoph Urian schlüpfte in die Rolle des allgegenwärtigen Bürgermeisters Georg Schützinger und schien ihm im Laufe der Vorstellung mimisch, gestisch und sprachlich immer ähnlicher zu werden. Eingangs traf er auf den Dritten Bürgermeister Franz "Xare" Wiesholler, gespielt von Christian Bergmann, der ihm seine zugeschriebenen Landratsambitionen mit aller Macht auszureden versuchte: "Ich glaube, jetzt beißt es aus bei dir. Du und Landrat. Du bist ja jetzt schon nicht mehr der Jüngste".

Dies ließ das Gemeindeoberhaupt nicht auf sich sitzen, er gedenke eine Anhebung der Altersgrenze zu erreichen, so "Schützinger", und wenn "ich dann noch fünf Perioden Bürgermeister und drei Perioden Landrat bin, dann bin ich um die 80" und dann nehme er sich mit der Ex-Presseberichterstatterin Manuela Keil, gespielt von eben dieser, ein Zimmer im Marienstift.

Lautes Gelächter schallte auch durch den Saal, als Regisseur Klaus Bierdimpfl auf den Spuren des umtriebigen TSV-Vorsitzenden und Gemeinderats Roman Metzner wandelte und diesen in seinem Gestus fast noch zu übertreffen schien: "Sucht ihr den Post- und Innenminister, Gemeinderat Rudi Aigner, ich habe nämlich heute noch keine Post bekommen und das Internet funktioniert auch wieder nicht. Dabei wollte mir der Wiesholler doch mailen, ob wieder eine Baumspende für die Halle eingegangen ist", wandte er sich an die beiden Bürgermeister, die beide wenig begeistert waren, bei McDonalds "ertappt" worden zu sein. "Bald wird es heißen: Da wo kein Wald ist, da ist Grabenstätt", schwante "Schützinger" Böses.

Mit Stolz verwies er auf "den Seehofer-Plan, Bayern bis 2030 schuldenfrei zu machen", denn der Ministerpräsident habe sich die grundsolide Grabenstätter Finanzpolitik zum Vorbild genommen.

Dass er oft verspätet zu den Gemeinderatssitzungen komme, entschuldigte das Metzner-Double mit seinen zahlreichen Verpflichtungen, darunter "die Überwachung der körperlichen Ertüchtigung der Bürger beim Bau der Mehrzweckhalle". In diesem Moment betrat "Obertrachtler" Sepp Fleischmann, gespielt von Michael Hartl, die Bühne und wurde von Metzner umgehend zu Maurerarbeiten an der Halle verpflichtet.

Bastian Brandl alias Gemeindepfarrer Pater Augustin verschluckte sich beim Spazierengehen an einer Leberkassemmel, und nicht, wie von seinen "Schäflein" vermutet, an einem "Burger": "Ich habe als Pfarrer eine Vorbildfunktion, deswegen esse ich keine ,Burger'".

Neben den Dialogen, die abwechselnd derb, geistreich und ironisch-hintergründig ausfielen, konnten sich die Besucher auch von den Gesangskünsten der grandiosen Darsteller überzeugen. Zur Melodie von "Everybody loves somebody" stimmte Urian alias Bürgermeister Schützinger mit dem Chor das Lied "Ich brauch Stimmen" an.

Der eifrigen SPD-Gemeinderätin Anita Kohlbeck und ihrem Mann Paul war indes das Stück "Jetzt haben wir den Paulimann" auf die Melodie von "Das bisschen Haushalt" gewidmet. Thomas Urian begleitete gekonnt mit seiner Ziach. Der "Tausendsassa Schützinger" durfte sogar noch ein zweites Lied intonieren und sich zur Belustigung der Bürger selbst beweihräuchern: "Welch' ein Gedanke, dass ihr mich einmal verlieren könnt, dass hier ein anderer einmal brillieren könnt, das wär so traurig, weil ich für euch die Erfüllung bin, das wär so fürchterlich ohne mich." mmü

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