AUS DEM MARKTGEMEINDERAT

Kein Stellplatz für Wohnmobile

An dieser Stelle am Brunnhauswegwar der Wohnmobil-Stellplatz geplant. Doch der Gemeinderat lehnte das Vorhaben einstimmig ab. tb

Am Grassauer Brunnhausweg, nahe des Museums im Klaushäusl, wird doch kein Stellplatz für Wohnmobile mit Fahrrad- und E-Bike Verleih gebaut. Der Marktgemeinderat lehnte das Vorhaben ab; zu schwer wogen die negativen Stellungnahmen des Landratsamtes.

Grassau – Der Antragsteller wollte neben seiner bereits bestehenden Heidelbeerplantage am Rande des Naturschutzgebietes Kendlmühlfilzen eine Anlage für acht bis zehn Wohnmobile bauen. Zudem sollten eine Sanitäranlage und eine Betriebsleiterwohnung mit rund 100 Quadratmetern in das vorhandene Stadelgebäude eingerichtet werden.

Wie Bürgermeister Rudi Jantke berichtete, beurteilt der Chiemgau Tourismus Verband das Vorhaben positiv. Auch die Regierung von Oberbayern sieht das Flurstück außerhalb der FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitat).

Ein vom Antragssteller in Auftrag gegebenes Gutachten erklärt, dass durch die Nutzung mit Wohnmobil-Stellplätzen eine Beeinflussung des nahen Naturschutzgebietes auszuschließen sei. Das staatliche Bauamt, so Jantke weiter, halte bei der geplanten Größe der Anlage eine Umgestaltung der B 305 mit Abzweigung zum Brunnhausweg nicht für notwendig. Im Falle einer Erweiterung könnte eine Linksabbiegerspur gefordert werden.

Negativ hingegen ist die Stellungnahme der unteren Naturschutzbehörde. Bei einer Ortsbesichtigung im August, so erinnerte der Rathaus-Chef, wurden die erheblichen Bedenken bereits geäußert. Ins Feld geführt wurden damals die Auswirkungen auf das Landschaftsbild durch die unruhige Komposition aus Parkplätzen, Fahrradverleih und Camping. Zudem erstrecke sich das „Wiesenbrütergebiet Kendlmühlfilzen“ auf das betreffende Grundstück. Durch die Kurzzeit-Stellplätze sei mit erhöhten An- und Abreiseverkehr zu rechnen. Zudem stehe die Errichtung einer Betriebsleiterwohnung im Missverhältnis zu den geringfügig gewerblichen Nutzungsmöglichkeiten.

Bedarf ist da, aber Standort passt nicht

Wie der Bürgermeister be tonte, habe man zwar Bedarf an einem Campingplatz oderWohnmobil-Stellplätzen, aber wegen des gewählten Standortes habe man Bedenken. Der Antragsteller, so Jantke weiter, habe sich sehr bemüht, ein gutes Konzept auszuarbeiten. Dennoch habe er nach wie vor seine Bedenken, und auch die Aussagen des Landratsamtes seien sehr eindeutig.

Tom Hagl (CSU) fragte nach, ob in den Aussagen des Landratsamtes eine konkrete Absage enthalten sei. Laut Jantke hat die untere Naturschutzbehörde mitgeteilt, dass bei einer Zustimmung durch die Gemeinde die obere Naturschutzbehörde eingeschaltet wird. Für Dr. Winfried Drost (UGL) ist das Vorhaben aus wirtschaftlicher Sicht fragwürdig. Seiner Ansicht nach würden die Einnahmen aus zehn Stellplätzen die Kosten für einen Betriebsleiter bereits übersteigen. Somit befürchte er einen Folgeantrag auf Vergrößerung der Anlage. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass der Antragsteller später eine Erweiterung wünscht. Das staatliche Bauamt würde aber in diesem Fall eine Linksabbiegespur fordern. Zur Wirtschaftlichkeit fügte Jantke an, dass auch ein Radverleih zum Konzept gehört.

Werner Haslinger (CSU) vermutet, dass das Landratsamt den Antrag ablehnen wird. Eine Zustimmung des Marktgemeinderats würde das Verfahren nur hinausziehen. Doris Noichl (CSU) fragte nach, wer die Kosten für die Linksabbiegespur tragen müsste. Dazu meinte Jantke, dass dies wohl der Antragssteller übernehmen müsste.

Mit diesem sensiblen Bereich sollte behutsam umgegangen werden, fügte Manfred Huber (AE) hinzu. Nach der ablehnenden Begutachtung hält er es für besser, das Vorhaben aufzugeben – so wünschenswert ein Campingplatz auch wäre. Man müsse den Antragsteller davor schützen, für etwas, das nicht aussichtsreich ist, Geld auszugeben, meinte Olaf Gruß (SPD). Aufgrund der sensiblen Lage und der unmittelbaren Nähe zum Naturschutzgebiet lehnte der Rat einhellig die Bauvoranfrage ab.

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