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2G-Plus-Regel

Kein Skibetrieb auf der Winklmoosalm? Drakonische Regeln in Bayern bedrohen Skisaison

Aus ganz Oberbayern kommen Tagesausflügler zum Skifahren auf die Winklmoosalm. Ob das heuer auch der Fall sein wird, ist unklar.
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Aus ganz Oberbayern kommen Tagesausflügler zum Skifahren auf die Winklmoosalm. Ob das heuer auch der Fall sein wird, ist unklar.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Die Schneebedingungen sind fantastisch, aber derzeit hat kein Pistenskifahrer auf der Reit im Winkler Winklmoosalm was davon. Vielleicht sogar den ganzen Winter: Denn nicht nur der lokale Lockdown gefährdet die Skisaison.

Reit im Winkl – Eigentlich könnte die Freude über den vielen Neuschnee groß sein. Doch bei Susanne Meier, stellvertretende Leiterin der Touristinfo Reit im Winkl, klingt es auch ein bisschen resigniert: „Der Schnee ist heuer nicht das Problem.“ Denn im Hinblick auf die Wintersaison sei wegen Corona mal wieder einiges unklar. „Wir hängen in der Luft“, sagt Meier. Sie meint damit, dass unklar sei, wie lange die jetzigen Regeln mit 2G-Plus in den Skigebieten und der lokale Lockdown gelten werden.

Immerhin halten sich die Stornierungen von Winterurlaub in Reit im Winkl noch in Grenzen, berichtet Meier. Was sich häufe, seien die Nachfragen. Im Winter kommen die meisten Touristen zum Langlaufen oder Skifahren nach Reit im Winkl. Die Gemeinde bereitet sich trotz aller Unwägbarkeiten vor, die Loipen sollen baldmöglichst gespurt werden, sagt Meier.

Über ein halber Meter Neuschnee

Beim Skifahren sieht die Situation anders aus. War Schnee in vielen Vorjahren im Dezember äußerst rar, so liegt jetzt ein guter halber Meter auf der Winklmoosalm. Eigentlich beste Bedingungen für den Start in die Saison. Geplant war dieser für den 4. Dezember 2021, doch dann schlug die vierte Welle zu.

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Groß ist das Unverständnis bei Hans Höflinger, der das Skigebiet Winklmoos gemeinsam mit seinem Bruder Josef betreibt. Denn auch wenn der Landkreis am Freitag, 3. Dezember 2021, den dritten Tag unter dem Inzidenzwert tausend gewesen sei und der Lockdown, sollte sich dieser Trend noch zwei Tage fortsetzen, bereits am Montag, 6. Dezember 2021, beendet sein könnte, ist die Perspektive für Höflinger nicht berauschend. „Dann können wir zwar die Lifte betreiben, aber eben nur mit 2G-Plus und bloß 25 Prozent Auslastung“, sagt Höflinger. Wirtschaftlich sei das nicht mehr. Für ihn stehe fest, dass er unter diesen Voraussetzungen nicht öffnen wird – im Zweifel auch nicht in den Weihnachtsferien.

Andere Regeln in Österreich

Besonders ärgerlich: In Österreich gilt auf Skipisten und in Liften 2G – ohne Test. Die Winklmooslifte sind von diesen unterschiedlichen Bedingungen direkt betroffen, weil sie mit dem Skigebiet Steinplatte in Tirol räumlich verbunden sind. Während ein paar Meter weiter die Tiroler sorglos wedeln können, müssen sie dies auf Reit im Winkler Grund und Boden unter weitaus strengeren Regeln tun. Höflinger fragt sich, ob die Skifahrer sich das wirklich antun wollen oder ein paar Kilometer weiter nach Tirol fahren und dort ihre Ruhe haben.

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Schwierig findet die Rahmenbedingungen auch Andreas Brandtner, der die Lifte auf der Waidringer Steinplatte sowie die Gondelbahn von Seegatterl auf die Winklmoosalm betreibt. Der Sinn von 2G-Plus erschließt sich ihm nicht, aber er hoffe auf ein Einlenken der bayerischen Regierung. „Wir sind aber so aufgestellt, dass wir recht flexibel reagieren können“, sagt Brandtner.

Das Interesse am Skifahren ist auf jeden Fall bei vielen Menschen in der Region da. Derzeit verkaufen Höflingers Mitarbeiter an der Kasse in Seegatterl Saisonkarten. Auf den ersten Blick überraschend, da noch in den Sternen steht, wann und ob die Lifte fahren. Doch der Hintergrund ist bitter: „Wir verkaufen zwar, aber wir machen kein Geschäft.“ Höflinger erklärt, dass die Saisonkarten eben nicht nur in Winklmoos gelten, sondern auch in nahen österreichischen Skigebieten, deren Öffnung Stand heute sicher ist.

Kurzarbeit nicht möglich

Finanziell sei schon der vergangene Winter ein Desaster gewesen. Nun sei aber fatal, dass die Höflingers vermutlich keine Kurzarbeit für ihre 25 Mitarbeiter beantragen können. „Wir dürfen ja öffnen“, sagt Höflinger. Aber eben mit 2G-Plus. Je nachdem wie sich die Pandemie entwickelt, ist die Zukunft des Skigebiets in Gefahr: „Einen dritten Winter mit Ausfällen verkraften wir nicht mehr.“

Hoffnungen ruhen auf Seilbahn-Verband

Mit dem Planen tut sich auch Stefan Heigenhauser, Inhaber der Hausberg-Skischule schwer. Je nach Saison beschäftigt er zwischen 20 und 30 Mitarbeiter in Büro, Skischule und -verleih. „2G Plus ist Wahnsinn“, sagt Heigenhauser. Auch er fürchtet, dass viele Urlauber und Ausflügler nach Tirol und Salzburg ausweichen.

Seine Hoffnungen und die vieler Reit im Winkler liegen auf einem Gespräch des Verbands Deutscher Seilbahnen mit der bayerischen Regierung, die nach Informationen der OVB-Heimatzeitungen am späten Nachmittag am Freitag, 3. Dezember 2021, stattgefunden haben sollen. Schon Ende November hatte sich der Verband über die derzeitige Regelung beklagt. „Das ist ein Lockdown durch die Hintertür“, so der stellvertretende Vorstand Peter Lorenz. Ob und wie sich die Gespräche des Verbands auf die Skisaion auswirken, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest. Wir werden den Artikel laufend aktualisieren.

Das sagt der Traunsteiner Landrat zur Situation der Liftbetreiber:

„Genau das ist das Problem bei diesen Auflagen. Diese sind zwar unangenehm, machen einen Betrieb jedoch wieder möglich. Solange nicht jeder geimpft ist, ist es leider Gottes die einzige Möglichkeit“, sagt Landrat Siegfried Walch (CSU) im Hinblick auf die schwierige Lage der Seilbahnen im Chiemgau. „Genau deswegen würde es auch Sinn machen, dass eine allgemeine Impfpflicht eingeführt wird.“ Walch hatte im März für Lockdown-Öffnungen auf Basis des Impffortschritts geworben und dazu ein eigenes Konzept erarbeitet. Noch im Juli hatte er bezweifelt, dass es so viele „echte“ Impfgegner gebe. Schon damals sagte Walch jedoch, dass es irgendwann nicht mehr vertretbar sei, dass sich ein Großteil Bevölkerung wegen einer Minderheit, die sich nicht impfen lassen wolle, einschränken müsse. Zudem sagte er beim Hotspot-Termin mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor einer Woche in Rosenheim, dass er eine Impfpflicht befürworte, obwohl dies sein liberales Herz ein wenig schmerze. Walch weiß abgesehen von seiner Rolle als Landrat, wovon er spricht: Im Frühjahr war er selbst an Corona erkrankt, allerdings mit einem leichten Verlauf.  

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