"Kein ,Nein', wenn's ans Helfen geht"

Mit einer Urkunde und einem Geschenk hat Bürgermeister Marc Nitschke (von links) Christa Steinhilb, Maria Haumayer und Georg Schobersteiner geehrt. Foto vom Dorp
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Mit einer Urkunde und einem Geschenk hat Bürgermeister Marc Nitschke (von links) Christa Steinhilb, Maria Haumayer und Georg Schobersteiner geehrt. Foto vom Dorp

Übersee - Rund 140 Überseer Bürger, die sich beruflich und vor allem ehrenamtlich für den Ort einsetzen, kamen auf Einladung von Bürgermeister Marc Nitschke zur großen Feier der Gemeinde in den Gasthof "Hinterwirt". "Diese bereits fünfte Feier ihrer Art soll alle für unsere Dorfgemeinschaft wichtigen Personen zusammenführen und gleichzeitig ein Dank sein für deren unbezahlbares Engagement", sagte Nitschke.

Viele wichtige Projekte seien heuer und in den letzten Jahren verwirklicht worden, meinte er und verwies auf rund 20 Millionen Euro, die in Straßenbau, Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen in Übersee investiert worden seien. Doch entscheidender als Zahlen und Projekte stufte er das Engagement und den sozialen Zusammenhalt der Bürger ein. "Und hier sind wir besonders gut aufgestellt."

In ihrer Eigenschaft als Jugend- und Familienbeauftragte berichtete Erika Stefanutti nicht nur von den segensreichen Einrichtungen der Gemeinde, wie der Aktion Dorfsommerkinder, "Sansibar", Spielenachmittag, Mittagsbetreuung für über 60 Kinder sowie Jugendtreff, Neubürgerempfang, Helferkreis, Ferienprogramm, "Krisenwohnung" und den vielfältigsten Nachbarschaftshilfen, sondern auch den vielen ehrenamtlichen Arbeitsstunden der Jugendleiter in den Vereinen.

Laut Stefanutti sei die markanteste Veränderung im ausklingenden Jahr die Zunahme häuslicher Gewalt gewesen. Für die betroffenen Personen sei deshalb im Büro des Familienstützpunkts ein neutraler Ort der Beratung mit einer Polizistin der Polizeiinspektion Grassau eingerichtet worden. Auch der Alkoholkonsum in den Familien mit all seinen negativen Auswirkungen sei ein immer wieder aktuelles Thema.

Ein Großteil ihrer Arbeit bestehe laut Stefanutti darin, den Bürgern zuzuhören, sie zu trösten und zu ermutigen und sie bei Bedarf an die entsprechenden Fachstellen zu verweisen.

Der vielbeachtete Erfolg der Sozialarbeit in Übersee liege nach ihren Worten in der dichten Vernetzung von Gemeinde, Kirchen, VdK, Vereinen, Geschäftsleuten und Bürgern. "Alle sind bemüht, bestmögliche Lebensbedingungen vom Neugeborenen bis zu den Senioren im Ort zu schaffen."

Als Vertreterin der seit einigen Jahren in Übersee ehrenamtlich arbeitenden Familienhelferinnen berichtete Uschi Geiger von den erfolgreichen Projekten der Kleiderkammer und der "Wunschbaum"-Aktion zu Weihnachten. Bewährt habe sich auch das Zelt der "Auszeit-Oase" auf dem Reggae- Fest: "Hier können sich überforderte Jugendliche ausruhen und werden mütterlich umsorgt."

Im Rahmen ihrer Arbeit für den "Familienstützpunkt Übersee", den sie zusammen mit Stefanutti leitet, informierte Geiger über ihre wichtige Lotsenfunktion in allen Sozialfragen für das gesamte Achental. Zum Thema "Familienbildung" habe man heuer die beiden neuen Projekte "Nähberatung" und "Elternfrühstück" mit großer Resonanz gestartet. "Nie sagt in Übersee jemand ,Nein', wenn‘s ans Helfen geht", lautete Geigers Resümee über ihre Mitbürger in Sachen Spenden- und Hilfsbereitschaft.

Die ebenfalls ehrenamtlich tätige Behindertenbeauftragte Josefine Steinbichl berichtete über die Teilnahme an mehreren überörtlichen Projekten und Weiterbildungsmaßnahmen sowie über den Behindertentag in der Überseer Schule. Besonders am Herzen liege ihr der persönliche Kontakt und die individuellen Hilfsmaßnahmen für die 487 Behinderten im Ort.

Vielfältig ist auch die Palette der Hilfsmaßnahmen von Leo Segin als Senioren-Beauftragtem. Er ist Ansprechpartner, wenn beispielsweise ein Zähler falsch abgelesen wurde, Telefon-Mobbing betrieben wird oder sich ein Versicherungsvertreter ankündigt. Unter dem Motto "Der Weg ist das Ziel" habe man in kleinen Schritten zum Thema "Barrierefreiheit" kontinuierlich kleine Fortschritte für die Senioren erzielt.

Im Hinblick auf die Kommunalwahlen im März bat Nitschke abschließend alle Verantwortungsträger um einen fairen und respektvollen Umgang miteinander.

Um die schwierigen Herausforderungen der Zukunft in den sozialen und ökologischen Bereichen sowie in Wirtschaft, Gewerbe und Tourismus bestehen zu können, seien bei aller Toleranz für Kritik vor allem "Zusammenhalt und Zuversicht" in der Gemeinde unabdingbar.

Mit einem Seitenblick auf die Unstimmigkeiten nach dem abgelehnten Bürgerbegehren meinte der Bürgermeister: "Ein Ermöglichen und gemeinsames Anpacken bringen uns weiter, nicht aber ein Verhindern und ewige Streitereien."

Zum Abschluss ehrte Nitschke drei Überseer Bürger für herausragende Leistungen. Maria Haumayer pflegt seit über 18 Jahren ihre mit 17 Jahren an Multipler Sklerose erkrankte Tochter rund um die Uhr. Vor Kurzem hatte sie dafür den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland erhalten.

Christa Steinhilb besucht seit über zehn Jahren einmal pro Woche die fünf bis zwölf Überseer Patienten, darunter auch Schwerstkranke, im Traunsteiner Krankenhaus. Sie nimmt sich Zeit, hört zu und tröstet.

Georg Schobersteiner, das touristische Urgestein von Übersee, war über 36 Jahren Leiter der Tourist-Information. Zum Jahresende geht er in den Ruhestand. vd

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