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Sorge ums Trinkwasser in Bergen

Adelholzeners Expansionspläne: Bürgerinitiative fordert Aufklärung durch unabhängiges Gutachten

Adelholzener Alpenquellen in Siegsdorf Sarina Kraft Unser Bergener Wasser
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Der Sitz der Adelholzener Alpenquellen in Siegsdorf (links). Sarina Kraft, Sprecherin der Bürgerinitiative „Unser Bergener Wasser“, stellte die Forderungen im Bergener Gemeinderat vor.
  • VonTamara Eder
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Adelholzener will auch künftig Tiefengrundwasser für die gewerbliche Nutzung entnehmen. Hunderte Bürger sehen das kritisch und fordern Aufklärung.

Bergen – „Wir vertreten die Interessen von knapp 600 Bergener Bürgern“, betonte Sarina Kraft, Sprecherin der Bürgerinitiative „Unser Bergener Wasser“, auf der sehr gut besuchten Gemeinderatssitzung. Die Bürgerinitiative fordert ein unabhängiges hydrogeologisches Gutachten, um die Auswirkungen der Tiefengrundwasserentnahme durch die Adelholzener Alpenquellen klar einordnen zu können.

Experte kann derzeit keine Auskunft geben

Zunächst aber informierte Bürgermeister Stefan Schneider die Versammelten, dass die Gemeinde bereits Kontakt mit dem hydrogeologischen Experten Professor Dr. Florian Einsiedl aufgenommen habe. Ihm, Schneider, wäre es recht gewesen, wenn die Gemeinderäte ihre Fragen direkt an den Professor hätten richten können, doch das müsse nun erst einmal vertagt werden. Denn der Hydrogeologe könne keine Aussagen treffen, bevor das wasserrechtliche Verfahren nicht durch sei. Dieses müsse erst abgewartet werden.

„Wir sind ein parteiunabhängiger Zusammenschluss von Bergener und Siegsdorfer Bürgern“, stellte Sarina Kraft die Bürgerinitiative vor. Gründungsgrund der Bürgerinitiative sei, dass die Genehmigung zur Entnahme von Tiefengrundwasser der Adelholzener Alpenquellen im Jahr 2025 auslaufe und in diesem Jahr neu beantragt werden muss. Laut Kraft möchte die Alpenquelle zudem die Förderung erhöhen. Derzeit entnimmt die Firma aus fünf Brunnen insgesamt 1,59 Millionen Kubikmeter Wasser.

„Wir fordern eine ordentliche Überprüfung der wasserrechtlichen Genehmigung durch einen unabhängigen Hydrogeologen“, so Kraft. Sinnvoll wäre es zudem, wenn dieses Gutachten vom Landratsamt beauftragt werden würde und die Wasserbehörde den Antrag überprüfe. Umweltverträglich sei die Wasserentnahme nach Auffassung der Bürgerinitiative nur, wenn mehr Tiefenwasser gebildet als entnommen werde.

Gutachten ohne politische oder privatwirtschaftliche Interessen

Kraft informierte, dass das Landratsamt 2010 – als die Erhöhung der Entnahmemenge beantragt wurde – zwar eine Plausibilitätsprüfung, aber kein komplettes Gutachten verlangt hatte. Laut Sarina Kraft habe die Gemeinde die Möglichkeit, eine Stellungnahme zum Verfahren abzugeben. In dieser könnte die Gemeinde eine unabhängige Begutachtung fordern, die nicht politisch motiviert sei oder privatwirtschaftliche Interessen verfolge.

Man wisse, so Kraft, dass die Abflussmenge der Weißachen zurückgehe und sich ein Trend abzeichne, der überprüft werden müsse. Dieser Rückgang passiere trotz steigender Niederschlagsmengen. Sie folgerte, dass die Quelle weniger Wasser schütte. Das bayerische Landesamt für Umwelt (LFU) habe festgestellt, dass das Grundwasser im Landkreis Traunstein dramatisch zurückgeht und seit 2001 keine Erholung mehr zu sehen ist. „Wir wissen auch, dass sich dieser Trend fortsetzen wird und bis zum Jahr 2100 mit weiteren signifikanten Rückgängen von Tiefenwasser zu rechnen ist“, betonte die Sprecherin der Bürgerinitiative.

Weniger Grundwasser bei mehr Verbrauch

Dies würde selbst dann so bleiben, wenn der Klimawandel gelänge. Zudem sei der Temperaturanstieg in den Alpen doppelt so hoch wie in anderen Regionen. Die Reifenbergalm würde deshalb wohl auch ganzjährig ohne Schnee bleiben. Die langsame Versickerung von Schnee sei aber für die Bildung von Grundwasser wichtig. Folglich werde auch deshalb die Neubildung von Grundwasser nachlassen. Erschwerend käme hinzu, dass mit einem Anstieg des Wasserverbrauchs zu rechnen sei. Die höchstgelegene Quelle lasse ein Absenken des Quellhorizonts von zehn Metern in 20 Jahren vermuten.

Anton Rechenmacher (CSU/BBU) fragte nach, ob nun die Grundwasserneubildung oder das Tiefengrundwasser zurückgehe. Laut Kraft gehe das Oberflächengrundwasser zurück. Dieses sei aber die Voraussetzung für das Tiefengrundwasser. Rechenmacher antwortete darauf, dass die Tonschicht zwischen dem Oberflächengrundwasser und dem Tiefengrundwasser nicht durchlässig sei. Dies, so erwiderte Kraft, solle ordentlich geprüft werden. Ein vollständiges Gutachten müsse das Landratsamt in Auftrag geben.

Vorübergehende Genehmigung als mögliches Ziel

Bürgermeister Schneider betonte, dass im Wasserrechtsantrag nicht nur die Plausibilität geklärt, sondern auch der Antrag auf Vollständigkeit überprüft werden müsse. Sarina Kraft sprach sich zudem nur für eine vorübergehende wasserrechtliche Genehmigung aus – und nicht über einen Zeitraum von 30 Jahren. Herbert Berger erklärte, dass er am Tag X über die Faktenlage in Bergen entscheiden werde. Er sähe keinen Zusammenhang zwischen dem Bergener Moos und dem Tiefengrundwasser und warnte vor emotionellen Entscheidungen. Kraft entgegnete, dass versickertes Wasser ins Tiefengrundwasser gelange. Es sei falsch anzunehmen, dass ganz Deutschland ein Wasserproblem habe, nur Bergen nicht. Schließlich verwies die Sprecherin von „Unser Bergener Wasser“ noch auf die Internetseite der Initiative, die noch mehr Informationen parat halte.

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