KLEINER LIFT IN RUHPOLDING

Kein Kunstschnee in Maiergschwendt

Skivergnügen auf Naturschnee bietet derzeit der Skilift in Maiergschwendt. Schick
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Skivergnügen auf Naturschnee bietet derzeit der Skilift in Maiergschwendt. Schick

Ruhpolding – „Jetzt müssen wir uns halt auf die neue Situation einstellen“, sagt Christian Fraunhofer und deutet auf den fast leeren Hang hinter sich.

Wo sich sonst sogar unter der Woche Schulklassen, Zwergerl- und Anfängerkurse gleichzeitig auf den präparierten Naturschnee-Pisten tummelten, steht jetzt Brettlrutschern und Rodlern ungewöhnlich viel Platz zur Verfügung.

Seit die Skischule nach jahrzehntelanger Zusammenarbeit ihre Zelte in Maier gschwendt abgebrochen hat und zum Westernberg übersiedelte, ist den Betreibern auf einen Schlag das Hauptgeschäft weggebrochen. „Gott sei Dank müssen wir davon nicht leben“, wirft Barbara Fraunhofer erleichtert ein, die zusammen mit ihrem Mann Christian den Maier gschwendter-Hof als Naturland-Biohof mit Ochsenaufzucht sowie einer Frühstückspension betreibt.

Vor 17 Jahren haben die beiden aus Überzeugung den beliebten Anfänger- und Übungslift von Barbaras Vater Sepp Zeller übernommen, obwohl sich schon damals der Klimawandel abzeichnete und so mancher schneearme Winter den Fraunhofers das Leben schwer machte.

Nur 14 Betriebstage im Winter 2015/16 waren Negativrekord

Letztes Jahr brachte den absoluten Negativrekord mit nur 14 durchgehenden Betriebstagen. Strom, Treibstoff, Versicherungen, TÜV – da muss man kein Rechenkünstler sein, um festzustellen, was da in der Kasse noch übrig bleibt. Aber darum geht es dem Ehepaar nicht. Es möchte die Anlage als Mosaikstein im touristischen Angebot seines Heimatortes verstanden wissen und einfach so lange betreiben, wie es die natürlichen Voraussetzungen zulassen – ohne große Investitionen in kostspielige Modernisierungen oder Beschneiungsanlagen.

Freilich waren solche Überlegungen auch schon mehrmals Thema im Familienrat, wenn man buchstäblich wieder mal auf dem Trockenen saß. Aber solcherlei Gedankenspiele scheiterten schnell an der ökologischen Einstellung der Fraunhofers. „Selbst Schneekanonen können nicht zaubern, vor allem bei den milden Temperaturen, die uns oftmals gerade an Weihnachten einen Strich durch die Rechnung machen“, erklärt Christian Fraunhofer. Dabei wären Minusgrade und Schnee rund um die Feiertage wirtschaftlich am allerwichtigsten, wenn die meisten Gäste im Ort sind.

Schon 20 Zentimeter der weißen Pracht genügen im Normalfall, um den sanft abfallenden Hang mit den zwei Abfahrten zu beiden Seiten des Lifts am Fuß der Egger-Schneid optimal präparieren zu können. Sohn Max übernimmt mittlerweile öfter die Pistenpflege, auf die schon Barbaras Vater großen Wert gelegt hatte. Damals, vor 45 Jahren, musste sich Sepp Zeller allerdings selbst auf Skiern vor die schwere Präparierungswalze spannen, um sie per Hand über den Hang zu dirigieren. Heute geht das mit der modernen Raupe natürlich einfacher. Dabei werden auch kleine Schanzen und Schneebuckeln für mehr Skispaß bei den „Kids“ eingearbeitet.

„Wiege des Ruhpoldinger Skisports“

Die Handvoll Mütter, die während des Besuchs der Chiemgau-Zeitung gerade mit Engelsgeduld ihren Kindern erste Grundbegriffe beibringen, finden nicht nur die breiten Pisten als ideales Übungsgelände, sondern auch die familienfreundlichen Preise überzeugend.

Immerhin können die Zwergerl später einmal von sich behaupten, dass sie mit dem Skifahren in einer Gegend angefangen haben, die als „Wiege des Ruhpoldinger Skisports“ bekannt geworden ist. Bevor nämlich die Schanzenanlage am Zirmberg gebaut wurde, wo heute die Chiemgau-Arena der Biathleten steht, stand in Maier gschwendt in unmittelbarer Nähe der heutigen Bogenschießanlage und des Sommerstockplatzes die legendäre Adlerschanze. Auch gegenüber, am Adlerhügel, gab es mal einen Skilift, und die Eisstockschützen hatten hier ihr Domizil.

Aus der sportbegeisterten Zeller-Dynastie stammten die „Moaragschwendter-Buam“ Willi und Sepp Zeller. Beide waren sehr erfolgreich in der nordischen Kombination und als Bergsteiger, zudem gewannen sie 1957 zusammen mit Jochen Plenk den Ätna-Lauf auf Sizilien. Im selben Jahr verunglückte Willi Zeller tödlich am Fleischbankpfeiler am Wilden Kaiser.

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