LESERFORUM

Kein Impf-Chaos in Sicht

Zur Corona-Impfung und zur laufenden Corona-Berichterstattung im Lokalteil:

Wir hatten als gut über 80-Jährige für den Neujahrstag per Telefonanruf unseren Corona-Impftermin im Impfzentrum Altenmarkt bekommen und staunten schon bei der Anfahrt über die großzügige Anlage, die da in wenigen Tagen aus dem Boden gestampft wurde und die sich dann auch im Innern als perfekt ausgestattet erwies. Alle Mitwirkenden machten einen guten Job und waren dabei entspannt und locker.

Wieder zu Hause, waren wir erstaunt, in der Lokalpresse von einem „Impf-Chaos im Landkreis Traunstein“ zu lesen. Bei näherem Zusehen bestand das „Chaos“ darin, dass ein Impf-Kandidat zuerst in der Telefon-Warteschleife hängengeblieben war und dann eine uneindeutige Auskunft wegen der Einnahme eines Blutverdünners bekam. Nun, in Warteschleifen kann man auch bei der Telekom geraten oder beim Hausarzt. Das Hauptproblem, die Knappheit des Impfstoffes, ist nicht von den Akteuren im Landkreis zu verantworten. Es war richtig, dass Deutschland bei der Bestellung des Impfstoffes keinen nationalen Alleingang gemacht, sondern die Aufgabe der EU-Kommission übertragen und somit verhindert hat, dass die ärmeren EU-Mitgliedsstaaten ins Hintertreffen gerieten. Also ein Akt der Solidarität und auch der Vernunft.

Wir halten die Meinungs- und Pressefreiheit für ein sehr hohes Gut. Aber wir sehen mit Sorge, wie die frühere Zustimmung zu den Anti-Corona-Maßnahmen von einer Flut von fragwürdigen Facebook- und Twitter-Meinungen und Verschwörungstheorien unterspült wird. Unsere Demokratie ist nicht in Gefahr, wenn das Parlament zeitlich begrenzte Einschränkungen beschließt, und unabhängige Gerichte ihre Kontrollfunktion ausüben. Aber man müsste Schlimmes befürchten, wenn es eines Tages nicht mehr mehr genug Demokraten geben sollte, die solidarisch und loyal zu ihrem Gemeinwesen stehen.

Dr. Klaus Thiele, Maria

und Hermann Eschenbeck

Marquartstein

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