Kein 5G-Ausbau in Übersee? Mobilfunk-Gegner übergeben Bürgermeister 102 Unterschriften

Lisa Hillermeier und Martin Sichler übergeben Bürgermeister Eberhard Bauerdick (links) die Anträge von 102 Bürgern.
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Lisa Hillermeier und Martin Sichler übergeben Bürgermeister Eberhard Bauerdick (links) die Anträge von 102 Bürgern.

Auch in Übersee wird das Thema Mobilfunkausbau heiß diskutiert. Gegner des Ausbaus haben Bürgermeister Eberhard Bauerdick Unterschriften von Bürgern übergeben. Welche Risiken sie bei 5G sehen und wie es in Übersee weitergeht.

Übersee – Als Vertreter der Überseer Bürgerschaft haben Lisa Hillermeier und Martin Sichler einen Bürgerantrag mit 102 Unterschriften an Bürgermeister Eberhard Bauerdick übergeben. Die Digitalisierung wird aus Sicht der Initiatoren auch vor Übersee nicht Halt machen. „Dafür wird alle 100 Meter eine Sendeanlage erforderlich sein“, sagt Sichler. Gesundheit solle daher Vorrang haben und somit kein 5G-Netz aufgebaut werden. Denn das halten die Initiatoren für gefährlich.

Strahlenbelastung und Elektrosmog

Dass die Digitalisierung voranschreitet und ein zusätzlicher Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G schon in den Startlöchern steht, daran besteht laut Sichler kein Zweifel. „Auch Übersee wird von dieser neuen Technik betroffen sein“, sagte Sichler bei der Übergabe der Unterschriften.

„Eine Sendeanlage bedeutet eine erhebliche Steigerung der Strahlenbelastung durch Elektrosmog – wenn die Gemeinde nicht steuernd eingreift.“ Dass es auch in Übersee schnell so kommen könnte, leitet Sichler am Beispiel der Gemeinde Bergen ab. Dort hat die Telekom den Bau eines 5G-Mastes bereits beantragt. „Durch die Autobahn und die Bahnstrecke dürfte auch Übersee schon bald mit den entsprechenden Anträgen konfrontiert werden“, sagte Sichler.

Die wichtigste Grundlage der Initiative ist das Vorsorgeprinzip, das in der EU und deren Mitgliedstaaten in der Umwelt- und Gesundheitspolitik gilt. Danach sollen denkbare Belastungen für die menschliche Gesundheit schon im Voraus vermieden oder weitestgehend verringert werden. Und zwar laut Sichler „wenn es nur den Verdacht gibt, dass es gesundheitsschädlich sein könnte.“

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Für ihn sind die Gesundheitsgefahren durch elektromagnetische Strahlen nicht nur vage Vermutungen: „Tausende wissenschaftlicher Studien weisen darauf hin, dass es durch die Strahlung zu Anormalitäten in der Blutzusammensetzung und im Hormonspiegel kommt.“ Gesundheitsschäden, wie Kopfschmerzen, Konzentrations- und Schlafstörungen, Tinnitus, Herzbeschwerden und Fruchtbarkeitsstörungen bis hin zu Krebs und Erbschäden könnten auftreten – und zwar schon weit unterhalb der deutschen Grenzwerte, sagte Sichler.

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Die Planung eines gesundheitsverträglichen Ausbaus der digitalen Versorgung kann eine kleine Verwaltung wie die Überseer laut Sichler personell und fachlich nicht bewerkstelligen.

Deshalb plädierte er dafür, ein von den Betreiberfirmen unabhängiges Gutachterbüro, beispielsweise das Umweltinstitut München, mit einem entsprechenden Konzept zu beauftragen. Gleichzeitig sollte das Gutachten Empfehlungen enthalten, welche planerischen und juristischen Mittel die Gemeinde ausschöpfen kann, um das Konzept durchzusetzen.

Bad Wiessee als Vorbild

Sichler führte in diesem Zusammenhang das Beispiel der Gemeinde Bernau an. Dort sei ein Funkmast versetzt und damit die Strahlenbelastung verringert worden. Lisa Hillermeier erwähnte zudem exemplarisch die Gemeinde Bad Wiessee, wo der Gemeinderat den Ausbau von 5G abgelehnt hat. Die gesundheitlichen Risiken waren den Räten zufolge nicht geklärt.

Hillermeier und Sichler wollen weitere Unterschriften für den Bürgerantrag sammeln. Bürgermeister Bauerdick sicherte zu, das Thema nach der Sommerpause auf die Tagesordnung des Gemeinderates zu bringen.

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