Interview m it Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth

Katholiken und Protestanten gedenken in Prien gemeinsam ihrer Verstorbenen

Allerheiligen 2014: Vorweg katholische Ministranten, angeführt von Peter Stephan (Mitte), dahinter mit Weihwasser Gräber segnend der evangelische Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth – die in Prien gelebte Ökumene der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden macht‘s möglich. Archiv Berger
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Allerheiligen 2014: Vorweg katholische Ministranten, angeführt von Peter Stephan (Mitte), dahinter mit Weihwasser Gräber segnend der evangelische Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth – die in Prien gelebte Ökumene der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden macht‘s möglich. Archiv Berger
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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„Lernen, wie heilsam diese Riten sind“: Trotz der Corona-Pandemie wird es auch heuer auf dem Priener Friedhof an Allerheilgen eine ökumenische Gräbersegnung geben. Der evangelische Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth spricht im Interview über Hintergrund und Erfahrung des gemeinsamen Totengedenkens.

Prien – Das Gedenken an die Verstorbenen hat sich in der katholischen Kirche seit Jahrzehnten mehr und mehr von Allerseelen um einen Tag auf das Hochfest Allerheiligen vorverschoben. Familienangehörige treffen sich auf den Friedhöfen an den geschmückten Gräbern, zünden Kerzen an, verfolgen die Andacht und verweilen im stillen Gebet. Darin sind in Prien seit einigen Jahren katholische wie auch evangelische Christen vereint: Ihre Pfarrer Klaus Hofstetter und Karl-Friedrich Wackerbarth teilen sich mittlerweile die Andacht – und auch die Gräbersegnung. Obwohl die bislang ein Ritus der katholischen Kirche war. Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung erinnert Wackerbarth an die Anfänge der ökumenischen Gräbersegnung in Prien.

Für einen evangelischen Pfarrer scheint das Segnen mit Weihwasser doch sehr ungewöhnlich zu sein…

Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth: Auf Initiative des damaligen katholischen Pfarrers Bruno Fink durfte ich vor sieben Jahren zum ersten Mal an Allerheiligen auf dem Friedhof Gräber segnen. Ich habe das sehr genossen (schmunzelnd), weil mich eine Schar von Ministranten auf dem Zug über den Friedhof begleitet hat. Der Friedhof ist in drei Abschnitte aufgeteilt; jeder der Pfarrer übernimmt einen Abschnitt und segnet die Gräber mit Weihwasser. Leider sind im ersten Jahr meine Ministranten, die rechts und links von mir liefen – wie ich auch – ziemlich nass geworden, aber sie haben es mit Humor genommen.

Evangelischer und katholischer Pfarrer im Gebet vereint: Karl-Friedrich Wackerbarth und Klaus Hochstetter.

Was war das für Gefühl als protestantischer Pfarrer, Riten aus der katholischen Kirche zu übernehmen?

Wackerbarth: Ich habe in den Jahren, in denen ich in Prien bin, durch die hohe Präsenz der katholischen Kirche erfahren, wie viel wir als evangelische Kirche auch lernen können und wie heilsam diese Riten sind. Deshalb habe ich auch keine Scheu davor, diese Riten zu übernehmen.

Was bedeutet in diesem Kontext heilsam?

Wackerbarth: Dieser Ritus zum Beispiel an Allerheiligen bedeutet für die Menschen, sich unter den Segen Gottes zu stellen, gemeinsam mit den Verstorbenen am Grab sich in Gottes Hand zu begeben und dabei auch mit dem Weihwasser zu spüren, ein von Gott gesegneter Mensch zu sein.

Auch die evangelische Kirche gedenkt ihrer Verstorbenen. Was ist jetzt anders hier in Prien?

Wackerbarth: Wir als evangelische Kirche hatten vorher immer am letzten Sonntag im Kirchenjahr, am Totensonntag, eine Andacht auf dem Friedhof für die Verstorbenen, begleitet vom Posaunenchor. Die Teilnehmerzahl hat sich aber in den vergangenen Jahren zunehmend verringert; zudem war es schon immer so, dass an Allerheiligen auch viele Protestanten an die Gräber gegangen sind. Ein Grund dafür, eine gemeinsame Gräbersegnung der beiden Kirchen zu machen.

Gab’s einen Aufschrei oder Protest in der evangelischen Pfarrgemeinde?

Wackerbarth: Ganz im Gegenteil, da war eine ganz große Erleichterung zu spüren, das wir Protestanten mit dabei sein dürfen, und das dies jetzt endlich gemeinsam geschieht, das ist doch etwas, was uns tief verbindet. Ich hätte eher damit gerechnet, dass aus der katholischen Pfarrgemeinde so etwas wie Widerstand kommen würde. Es gab auch von dort keine negativen Reaktionen – ganz im Gegenteil…

…ist das die Sichtweise innerhalb der evangelischen Kirchengemeinde Priens, oder gilt das auch landesweit…

Wackerbarth: …es war sicherlich nicht sonderlich neu, diese ökumenische Gräbersegnung gibt es auch an vielen anderen Orten – aber bei uns in Prien noch nicht in dieser Form.

Allerheiligen steht vor der Tür: Wie wird sich die Gräbersegnung unter dem Eindruck der Corona-Pandemie gestalten?

Wackerbarth: Bislang gilt, dass die Beschränkungen für Allerheiligen aufgehoben worden sind, es ist also möglich, dass diese Feierlichkeiten auf den Friedhöfen stattfinden können – Stand heute. Auch die Obergrenze von 200 Menschen gilt derzeit für den 1. November nicht. Wie sich die katholische Kirchengemeinde entschieden hat, ist mir noch nicht bekannt. Offiziell liegt die Freigabe von der Bayerischen Staatsregierung vor.

Und wie wird es den Ministranten heuer ergehen?

Wackerbarth: Nach sieben Jahren kommt langsam die Erfahrung, ich weiß jetzt, wie ich’s mit dem Weihwasserwedel machen muss. Sie werden nicht mehr ganz so nass – aber ein bisschen kriegen sie doch noch ab.

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