Karten mit Wettersegen statt Bittgängen

Dies ist ein Beispiel für die bedruckten Karten für den Garten oder die Feldränder. wastl

Gstadt/Breitbrunn – Bitttage und Bittprozessionen haben in der Kirche eine lange Tradition.

Die ältesten Bittprozessionen wurden schon im vierten Jahrhundert in der römischen Kirche eingeführt und entstanden wahrscheinlich aus vorchristlichen „Flurumgängen“.

„Warum gehet man in den Prozessionen um die Fluren, Aecker und Felder? Um Gott zu bitten, er wolle mit seiner milden väterlichen Hand die Fluren segnen, die Früchte der Erde erhalten, und wie er alle Thiere mit Segen erfüllt“, schrieb Leonhard Goffine 1690 in seinem „Christkatholischen Unterrichtsbuch“ zur Funktion der Bittgänge.

Woche umChristi Himmelfahrtwichtig

Im Volksglauben gilt der „Heilige Mamertus“ als Begründer der christlichen Flurprozessionen. Er war in der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts „Bischof von Vienne“ und belebte nach einem Erdbeben und Feuersnöten die Sitte des „um Schutz flehenden Einkreisens der Fluren“ neu. Die Haupttermine der Bittgänge sind der Markustag im April und die Woche um Himmelfahrt. Bittwoche oder Kreuzwoche – in Bayern auch Schauerwoche (wegen des Hagels) genannt – heißen die sieben Tage vor Christi Himmelfahrt, an denen die Flurprozessionen stattfinden.

In den 20er-Jahren wurde der Chiemgau öfters von Unwettern heimgesucht, sodass schon mal die Roggenernte schlecht ausfiel (1924), es von Mai bis Juli fast ununterbrochen regnete (1926), ein furchtbares Hagelwetter das Kirchdach von Gstadt erheblich beschädigte (1927) und im Winter 1929 minus 32 Grad gemessen werden konnten. In den Bitttagen vor Christi Himmelfahrt war es seit alters her eingeführt, dass die Bittprozessionen am Montag nach Herren-, am Dienstag nach Frauenchiemsee und am Mittwoch um die Felder führten.

Ein Flurumgang wird durchgeführt, vorbei an Flurkreuzen, bei denen angehalten und gebetet wird. Die Wege durch die Dörfer, Feld, Wald und Flur sind oft durch alte Traditionen festgelegt. Ein mitgetragenes Bild des Kirchenheiligen oder ein Standbild der Muttergottes soll die Fluren unter deren besondere Fürsprache stellen. Bei den Bittgängen werden meist der Rosenkranz und Litaneien gebetet, die oft ihren Abschluss in einer Maiandacht finden.

In Breitbrunn gibt es die Bittgänge nach Gstadt, Stock und den Verlöbnis-Bittgang zur Fraueninsel. Die Eggstätter gehen nach Stephanskirchen, und Gollenshausen lädt zu Flurumgängen im Wechsel nach Mitterndorf-Schalchen-Ed-Lienzing, nach Stetten-Fembach-Straßham-Söll und zu einem Bittgang auf die Fraueninsel ein. Die „Kuratie“ Frauenchiemsee geht traditionellerweise um die Insel.

Da wegen der Corona-Pandemie heuer keine Bittgänge stattfinden können, hatte der Pfarrverband die Idee, den Gläubigen besonders gestaltete Karten mit dem Wettersegen anzubieten. Damit in der Natur kein Abfall entsteht, so Gemeindereferentin Resi Kreuzmeir, sind sie auf Umweltkarton gedruckt und können mit einem „verrottbaren Holzsteckerl“ in den heimischen Garten oder an Feldränder gesteckt werden. wak

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