Kampf gegen Schwarzwildschäden – Traunsteins Jäger erhalten höhere Abschussprämie

Wildschweine in freier Wildbahn: Die Flurschäden, die sie verursachen können, sind unter Landwirten und Waldbesitzern gefürchtet. Ebenso besteht das Risiko, dass sich heimisches Schwarzwild mit der Afrikanischen Schweinepest infizieren könnte. Um Jäger bei der schwierigen Aufgabe zu unterstützen, hat der Kreis Traunstein nun die Abschussprämie von 20 auf 80 bis 100 Euro erhöht. Berger

Im Kampf gegen Schwarzwildschäden erhöht der Kreis Traunstein die Jagdpauschale für ein erlegtes Tier auf bis zu 100 Euro. Doch die Prämie sei keine Belohnung, warnt Josef Freutsmiedl, Vorsitzender der Traunsteiner Jagdverbands-Kreisgruppe. Allenfalls eine Kostenbeteiligung. Denn die Scharzwildjagd sei zeitintensiv und gefährlich – die Verkaufschancen und der Preis fürs Fleisch dagegen gering.

Von Elisabeth Sennhenn

Traunstein/Tacherting/ Schnaitsee –  Sie kommen über Nacht und hinterlassen ein Bild der Verwüstung: Auf der Suche nach Egerlingen graben Wildschweine ganze Wiesen um. Stürzen sich zur Milchreife auf den ersten, saftigen Mais. Und wühlen nach der Ernte schon mal das Maisfeld in großem Stil durch, auf der Suche nach übrig gebliebenen Kolben.

Beispiele für Wildschweinschäden, wie sie der Schnaitseer Schweinebauer und Hegeringleiter Christian Lackmaier schildert. „Für den Bauern kann der Schaden in die Tausende gehen“, sagt er, „ärgerlich ist zudem, dass man die Flurschäden aufwendig von Hand wieder beseitigen muss.“

Rasche Vermehrung in der Region

Ansonsten könne die hochgewühlte Erde mit dem abgemähten Gras ins Viehfutter gelangen und stelle eine Gefahr für die Rindergesundheit dar. Im nördlichen Landkreis komme das immer wieder vor, etwa in der Hirschauer Bucht.

„Nicht nur die Angst vor Flurschäden ist groß, sondern auch die vor der Afrikanischen Schweinepest“, erklärt Josef Freutsmiedl. Der Jäger aus Tacherting ist erster Vorsitzender der Kreisgruppe Traunstein im bayerischen Jagdverband. Die Seuche, kurz ASP genannt, wüte gerade in Polen. Es gelte zu verhindern, dass sich auch heimische Wildtiere damit infizieren und das Virus eine Gefahr für die regionale Schweinezucht werde.

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Auf Freusmiedls Initiative hin zahlt der Landkreis Traunstein seit Mitte April nun pro Schwarzwild eine Abschussprämie zwischen 80 und 100 Euro (wir berichteten in einer Meldung) und damit erheblich mehr als die 20 Euro, welche seit 2017 in besonders betroffenen Gebieten Bayerns gezahlt werden. Entsprechende Initiativen gab es auch in Altötting und Rosenheim. Jäger wie Freutsmiedl und Lackmaier halten eine erhöhte Abschussquote für unabdingbar. Denn dank guter Nahrungsangebote und des Fehlens von Fressfeinden gibt es in der Region immer mehr Wildschweine. Auch die Wildunfälle mehren sich. „Ihre Population würde ohne zielgerichtete Bejagung jedes Jahr um gut 350 Prozent wachsen“, führt Lackmaier an. Freutsmiedl betont, die Prämie sei keine Belohnung für die Jäger: „Es ist eher eine Beteiligung des Kreises an den steigenden Kosten, welche die Schwarzwildjagd und die Schäden mit sich bringen.“

Zeitintensive und aufwendige Jagd

Die Jagd auf Schwarzwild gilt als aufwendig und zeitintensiv, teils auch gefahrvoll. Die nachtaktiven Tiere sind wehrhaft, schnell und wandern kilometerweit. Hat man einen Schaden entdeckt, ist die Rotte oft schon 20 oder mehr Kilometer weiter gezogen. Sie inflagranti zu erwischen: So gut wie unmöglich.

Im Kreis Traunstein gibt es einige wenige Wärmebildkameras, welche das Verfolgen der Tiere etwas erleichtert. Sofern das Fleisch verwertbar sei, mache der Preisverfall am Markt den Jägern zusätzlich das Leben schwer, so Freutsmiedl: „Für ein Kilo Wildschweinfleisch gibt es derzeit nur zwischen 30 und 50 Cent.“

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Warme Winter verschärfen die Lage

Um die Aufwandsentschädigung zu erhalten, können Jäger bei der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt Traunstein bis spätestens 30. Juni einen entsprechenden Antrag stellen. 80 Euro gibt es für erlegte weibliche Tiere, welche sich gerade nicht in der Jungenaufzucht befinden sowie für Frischlinge; 100 Euro für männliche Exemplare.

Freutsmiedl und Lackmeier halten es für sehr wahrscheinlich, dass Schwarzwild auch in den kommenden Jahren vermehrt auf der Abschussliste steht: Begünstigt durch den Klimawandel, kommen den Wildschweinen die zu erwartenden milden Winter entgegen.

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