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Beleidigungen, aber auch Zustimmung zum Jubiläum

Traunsteins „Fridays for Future“-Aktivisten feiern dritten Geburtstag

Diskussion über den Klimaschutz: Auf dem Protestcamp der Traunsteiner „Fridays-for-Future“-Ortsgruppe am Stadtplatz sprachen (von links) Clara Angele, Valentina Obermayer, Franzi Eder, Rudi Kreiner, Luca Barakat und Lena Maric über Maßnahmen zum Erhalt der Natur.
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Diskussion über den Klimaschutz: Auf dem Protestcamp der Traunsteiner „Fridays-for-Future“-Ortsgruppe am Stadtplatz sprachen (von links) Clara Angele, Valentina Obermayer, Franzi Eder, Rudi Kreiner, Luca Barakat und Lena Maric über Maßnahmen zum Erhalt der Natur.
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
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„Fridays for Future“ in Traunstein feiert mit einem Protestcamp auf dem Stadtplatz 3. Geburtstag. Mit Lesungen, Workshops erinnerten die jungen Menschen an die Bedeutung des Klimaschutzes. Die Traunsteiner reagieren mit Unterstützung - oder mit Beleidigungen.

Traunstein – Mit rund 800 teilnehmenden Schülern und Schülerinnen fand am 22. Februar 2019 die erste große Freitagsdemonstration der „Fridays for Future“-Gruppe in Traunstein statt. In Form eines zweitägigen Protestcamps erinnerten ein halbes Dutzend Mitglieder der Gruppe auf dem Traunsteiner Stadtplatz jetzt an das Jubiläum und die anhaltende Bedeutung des Klimaschutzes. Bei einer Buchvorlesung, Info-Aktionen mit Plakaten sowie zwei Workshops über die Grundlagen des Klimawandels und Formen des Aktivismus kamen sie mit Besuchern ins Gespräch.

Die Hintergründe erläuterte der 16-jährige Luca Barakat aus Marquartstein: „Eine Großdemonstration erschien uns angesichts der aktuellen Corona-Inzidenzen nicht angemessen. Rückblickend hat sich gezeigt, dass wir durch die zahlreichen Kontakte bei unserem Protestcamp auch sehr viele interessierte Menschen erreicht haben und mit ihnen über Klimaschutz diskutieren konnten.“

Pizzabrot für „Öko-Terroristen“

Bei der Übernachtung auf Samstag im Pavillon auf dem Stadtplatz mussten die jungen Leute bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Zähne zusammenbeißen. „Zum Glück hatten wir genügend Decken und Schlafsäcke dabei“, sagt Clara Angele. Überraschend auftauchende Unterstützer versorgten die Umweltaktivisten mit viel Zuspruch und Anerkennung, heißem Tee, Gepäck oder Pizzabrot. Aber auch Beschimpfungen als „Öko-Terroristen“ oder „Schulschwänzer“, die die „Gesellschaft unterwandern“, mussten sich die jungen Leute anhören. „Das zeigt nur, dass wir wohl einen Nerv getroffen haben“, sagt Luca.

Obwohl aktuell Themen wie der Ukraine-Krieg, steigende Energiepreise und die Inflation in den Vordergrund drängen, „dürfen wir die Klimakrise und ihre Auswirkungen auf die Menschheit nicht aus den Augen verlieren“, erklärt Franzi Eder.

Wie man eine Fülle von Fakten und Zusammenhängen rund um das Thema Klimakrise in Kooperation mit 250 Wissenschaftlern gut lesbar auf den Punkt bringen kann, zeigt das Buch „Die Klimalösung“ der beiden Studenten David Nelles und Christian Serrer. Aus ihm las Clara Angele Passagen vor, um dann darüber mit den Zuhörern ins Gespräch zu kommen. „Das ist eine wichtige Grundlage für uns, um auf der Basis wissenschaftlicher Fakten miteinander diskutieren zu können“, meint Aktivistin Sarah Kindler.

Streik, Blockade oder künstlerische Aktion?

Schlüsselergebnisse einer Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie standen vergangenen Samstag im Mittelpunkt eines Workshops über die Grundlagen des Klimawandels. In der Untersuchung geht es um die Frage, welchen Beitrag Deutschland zur Einhaltung des 1,5-Grad-Grenze der globalen Klimaerwärmung leisten kann. „Da konnten wir im Gespräch wichtige Begriffe und Grundlagen aus den Bereichen Energiewirtschaft, Industrie und Verkehr klären“, sagt Clara.

Ein weiterer Workshop beleuchtete die Frage, wie Klima-Aktivismus funktioniert und welche Formen sich eignen, um Klimaschutzzielen mehr Gehör zu verschaffen. Diskutiert wurde etwa über die Wirksamkeit von Fahrrad- statt Autofahren, Aktivitäten auf Social-Media-Plattformen und im Internet, künstlerische Aktionen oder Demonstrationen, Produktboykotts oder Verkehrsblockaden und Streiks, wie sie die Aktivisten der „Letzten Generation“ praktizieren.

„Gerade in der repräsentativen Demokratie bleibt der Aktivismus ein wichtiges Grundelement zur Meinungsäußerung“, hebt Luca Barakat hervor. Wenig Beifall fand bei den Diskussionen allerdings der Weg, sich aus Protest mit Klebstoff auf Straßen festzukleben. Solche Aktionen gab es zuletzt immer öfter.

„Beeindruckenden Teamgeist“ bescheinigte Martina Wenta den jungen Leuten. Die Sprecherin des Grünen-Ortsverbands hatte die Organisation des Protestcamps ebenso wie Rudi Kreiner aus Inzell, der den Pavillon zur Verfügung gestellt hat, mit unterstützt. Nach dem Erfolg am Wochenende soll die Aktion eventuell im Sommer bei angenehmeren Temperaturen und ergänzt durch namhafte Referenten wiederholt werden. Gerade in Traunstein sei das Eintreten für den Klimaschutz wichtig, sagte Wenta. Dies habe die Zustimmung von 75 Prozent der Wähler beim Bürgerentscheid gezeigt. Auch wenn das Quorum knapp nicht erreicht wurde.

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