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„System des Schweigens aufbrechen“

Kampf für ehrliche Kirche: Zitat-Aktion gegen Ex-Papst Ratzinger in Traunstein

Der Traunsteiner Kirchenmusiker Stephan Hadulla kritisiert den Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsfällen deutlich.
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Der Traunsteiner Kirchenmusiker Stephan Hadulla kritisiert den Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsfällen deutlich.
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
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  • Alexandra Schöne
    Alexandra Schöne
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Mit einer Zitat-Aktion neben der Bronzebüste des emeritierten Papstes Benedikt XVI. vor der Traunsteiner Stadtpfarrkirche St. Oswald haben Mitglieder der Grünen Jugend gegen Benedikt XVI. und den Umgang mit seinem Andenken in Traunstein protestiert. Auch ein Kirchenmusiker war dabei.

Traunstein – Stephan Hadulla, hauptamtlicher Kirchenmusiker bei der Stadtkirche Traunstein, hält ein Pappschild hoch: „Ünde Gelünde für Männerbünde“ steht darauf. Hadulla findet es richtig, das klerikale System des Schweigens und Verschweigens aufzubrechen. Ihm ist es wichtig, seine Meinung deutlich kundzutun. „Ich würde mir wünschen, mehr Leute würden dies tun“, sagt er gegenüber unserer Zeitung. „Die Kirche hat nur eine Zukunft, wenn sie ehrlich ist.“ Fairness, Gleichberechtigung, Reformen: Das ist das, worauf Stephan Hadulla wartet.

Dicht belagert ist während des Protests auch Konrad Roider, Dekan von Baumburg und Pfarradministrator für Traunstein. „Wir müssen uns der Auseinandersetzung ehrlich stellen. Trotzdem sollte man die wertvolle Arbeit der Seelsorger und pastoralen Mitarbeiter in den Gemeinden vor Ort nicht geringschätzen“, sagt er. Während die Amtskirche gerade mit einem fundamentalen Ansehens- und Vertrauensverlust zu kämpfen habe, sei das Verhältnis der Gläubigen zu den Pfarrern vielerorts noch in Ordnung.

Unaufgeregte Stimmung

Die Atmosphäre bei der Protestaktion hat Roider als „angenehm“ empfunden. Die Stimmung sei nicht aufgeheizt oder reißerisch gewesen, berichtet er einen Tag später. Auch er hat den Stephan Hadulla mit dessen Schild gesehen. „Jeder darf frei seine Meinung äußern“, sagt der Pfarrer.

Dem Personalressort im Erzbischöflichen Ordinariat München liegen zu dem Fall keine Hinweise vor, teilt ein Sprecher mit. „Eine grundsätzliche und fallunabhängige Zuständigkeit für Mitarbeiter der Stadtkirche Traunstein liegt jedoch erst einmal bei dieser.“

Chronologie der Missbrauchsskandale

Ein paar Meter neben dem Platz, an dem Hadulla mit seinem Schild steht, haben Mitglieder der Grünen Jugend eine Steinstele aufgestellt. Auf ihr sind Zitate von Joseph Ratzinger aus dem Missbrauchsgutachten und einer aktuellen Stellungnahme dazu zu lesen. Auch eine Chronologie der Missbrauchsskandale findet sich dort. Unter anderem auch durch relativierende Äußerungen zu Missbrauchstätern als „Exhibitionisten“ könne der ehemalige Papst „kein Vorbild mehr für uns Jugendliche sein“, sagt Martin Zillner aus dem Vorstand der Grünen Jugend Traunstein. „Wir wollen ein Zeichen setzen gegen das System der aktiven Vertuschung und Strukturen, die die Aufklärung verhindern.“

Ebenso sehen die jungen Leute „dringenden Diskussionsbedarf“ über den Umgang mit der Ehrenbürgerwürde Joseph Ratzingers sowie der Benennung von Plätzen und Straßen nach ihm in Traunstein.

Überregionaler Sturm der Entrüstung

Mehrfach war die Bronzebüste bereits Kristallisationspunkt für öffentliche Kritik an Ratzinger. Falschaussagen des früheren Münchner Erzbischofs im Missbrauchsgutachten des Erzbistums München und Freising sorgten überregional für Entrüstung.