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FÜR DEN CHIEMGAU HISTORISCH BEDEUTEND

Kaiserin und Schlossbesitzerin: Aufstieg und Schicksal der Amélie von Leuchtenberg

Rascher Aufstieg, steiler Fall: Das Leben der Amélie aus dem Adelsgeschlecht der Leuchtenberger führte vom Kaisertum bis hin zum Verlust aller Besitztümer, Trauer und privatem Rückzug
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Rascher Aufstieg, steiler Fall: Das Leben der Amélie aus dem Adelsgeschlecht der Leuchtenberger führte vom Kaisertum bis hin zum Verlust aller Besitztümer, Trauer und privatem Rückzug
  • vonKlaus Oberkandler
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Das Leben der Améelie von Leuchtenberg: Sie war Kaiserin von Brasilien und Besitzerin von Kloster Seeon und Schloss Stein an der Traun. Der Verein Freundeskreis Leuchtenberg hat jetzt eine Biografie vorgestellt.

Traunstein/Seeon/Eichstätt – Der Verein Freundeskreis Leuchtenberg mit Sitz in Eichstätt hat eine Biografie über Amélie von Leuchtenberg herausgegeben. Das 74-seitige reich bebilderte Büchlein zeichnet ein lebendiges Bild von Amelie, die durch die Heirat mit Dom Pedro I. im Jahr 1829 Kaiserin von Brasilien wurde.

Für den Chiemgau ist Amélie historisch bedeutend, weil sie 1845 das Gut Stein an der Traun und 1852 das ehemalige Kloster Seeon samt See und Wäldern gekauft hat. Verfasserin des Büchleins ist die in Brasilien aufgewachsene und heute in Portugal lebende Historikerin Claudia Thomé Witte. Sie ist eine ausgewiesene Kennerin der Geschichte um Amelie von Leuchtenberg. Im Mai 2019 hielt Witte im Benediktussaal des Klosters Seeon einen Vortag über die ehemalige brasilianische Kaiserin.

Die hübsche Prinzessin Amélie (1812-1873) war die Enkelin der französischen Kaiserin Josephine und ihres ersten Mannes, Alexandre de Beauharnais. Der wurde während der Französischen Revolution geköpft – Witwe Josephine heiratete daraufhin Napoleon Bonaparte, der somit Amélies Stief-Großvater wurde.

Mit nur 21 Jahren auf der Insel Madeira verstorben

Sie selbst sollte bereits in jungen Jahren die Stiefmutter der fünf Kinder von Dom Pedro I. werden, dessen erste Frau gestorben war. Amélie bekam nur ein Kind, Prinzessin Marie Amélie. Nachdem Dom Pedro abdanken musste, zog das Kaiserpaar nach Portugal, wo er 1834 an Tuberkulose starb.

Tochter Maria Amélie sollte den Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich, den jüngeren Bruder von Kaiser Franz Joseph, heiraten. Sie wurde jedoch krank, konnte deshalb nicht verheiratet werden und starb mit nur 21 Jahren auf der Insel Madeira an Tuberkulose, wo eine Kur sie hätte heilen sollen. Wohl als Mitgift hatte Mutter Amélie für das junge Paar das Kloster Seeon erworben – wahrscheinlich als Sommerresidenz nahe der Grenze Österreichs.

Amélies Bruder, Herzog Maximilian, der in Russland mit der Zarentochter Maria Fürstin Romanowskji verheiratet war, hatte die Leuchtenberg-Liegenschaften in Italien verkauft. Amelie erwarb mit ihrem Erbteil im September 1845 Gut Stein. Dazu gehörten die Hofmarken Kienberg, Altenham und Berndlhof, zwei Seen, Wälder und eine der damals größten Brauereien in Oberbayern.

Viele Besucher kamen nach Stein

Amélie investierte in den Betrieb, der fortan mit moderneren Geräten arbeiten konnte.

Historikerin Witte berichtet aus alten Quellen, dass viele Besucher nach Stein kamen, um das Schloss kennenzulernen; sogar Amélies Bruder Maximilian und dessen Frau reisten aus Russland an. Im folgenden Jahr kam Amelie mit ihrer Tochter zum letzten Mal gemeinsam nach Stein. 1850 kehrten sie nach Portugal zurück. Von dort aus kaufte Kaiserin Amélie 1852 das ehemalige Kloster Seeon und ein Jahr später auch den Seeoner See.

Verlust des Mannes und der Tochter nie überwunden

Das Mineralbad hatte damals 30 Zimmer und 30 Badewannen für die Behandlung von Patienten, die an Gicht, Arthritis und Rheuma litten. In den folgenden Jahren wurden in Seeon weitere Kuren angeboten: Trinkkuren mit Mineralwasser, Badekuren Solebäder und Kneippanwendungen. Amelie und ihre Tochter haben nie in Seeon gewohnt.

Amélie konnte den Verlust ihres Mannes und ihrer Tochter nie überwinden. Die letzten 20 Jahre ihres Lebens verbrachte sie zurückgezogen und widmete sich vorwiegend sozialen Aufgaben. Sie unterstützte Bedürftige, baute mit ihrem Vermögen ein Krankenhaus in Madeiras Hauptstadt Funchal, dem Ort, in dem ihre Tochter gestorben war. Das Haus besteht noch heute.

Die Erben von Kloster Seeon und Schloss Stein

Amélies Güter im Chiemgau sollten getrennt vererbt werden. Gut Stein mit der lukrativen Brauerei wollte sie Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich hinterlassen, den sie gerne als Schwiegersohn gehabt hätte, was jedoch wegen des frühen Todes ihrer Tochter Marie Amélie nicht zustande kam. Ferdinanz Maximilian wurde 1867 als Kaiser von Mexiko erschossen, weshalb Amélie entschied, dass ihr Neffe, Nikolaus Fürst Romanowsky Stein übernehmen sollte. Er war der älteste Sohn ihres Bruders Maximilian.

Seeon vererbte sie ihrer Schwester

Seeon vererbte sie ihrer Schwester Josephine, der Königin von Schweden und Norwegen. Diese verkaufte das Landgut aber bald darauf an ihren Neffen Nikolaus. Der wollte eine verheiratete bürgerliche Frau heiraten. Damit würde er alle Privilegien am russischen Hof verlieren. Daher hat ihm Amelie ein Zuhause und Unterhalt in Bayern zugesichert. So war es ihr zu verdanken, dass die Leuchtenbergs wieder zurück nach Bayern kamen. So steil der Aufstieg war, so schnell verlor die Herzogsfamilie am Ende alles: die russischen Besitztümer durch die Revolution, die bayerischen Liegenschaften in München, Eichstätt, Ismaning, Stein an der Traun und Seeon durch Tod und Weltwirtschaftskrise.

Die Herzöge von Leuchtenberg, einst die zweitwichtigste Adelsfamilie im Königreich Bayern, sind heute beinahe vergessen. Im Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern trifft sich jedes Jahr der Freundeskreis Leuchtenberg und informiert Interessierte über das alte Adelsgeschlecht.

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