Insasse erneut verurteilt

JVA Bernau: Drogen im Mund ins Gefängnis geschmuggelt

Für knapp zweieinhalb Jahre muss ein 36-Jähriger wegen Betäubungsmittelhandel und unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln hinter Gitter.
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Für knapp zweieinhalb Jahre muss ein 36-Jähriger wegen Betäubungsmittelhandel und unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln hinter Gitter.
  • vonChrista Auer
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Ein Kuss, der es in sich hatte: In der JVA Bernau übergab eine Besucherin von Mund zu Mund Drogen, die ein 36-Jähriger dann im Gefängnis verkaufte. Nun stand er vor Gericht.

Rosenheim/Bernau – Das Schöffengericht Rosenheim verurteilte einen 36-jährigen Strafgefangenen der JVA Bernau wegen dreifachen Betäubungsmittelhandels in besonders schwerem Fall, Anstiftung zur Abgabe und unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten. Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt und die Einziehung von 3805 Euro als Wertersatz wurden angeordnet.

Vertriebsnetz aufgebaut

Ein florierender Drogenhandel funktioniert auch im Gefängnis. Das bewies ein 36-jähriger Strafgefangener im vergangenen Frühjahr. In der Zeit von Januar bis April 2019 hat er mit einem illegalen Handy ein professionelles Vertriebsnetz aufgebaut. Mit im Boot: seine Verlobte und noch weitere Personen und Mitgefangene

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Der mehrfach wegen Diebstahl- und Betäubungsmitteldelikten vorbestrafte 36-jährige machte zunächst keine Angaben, sagte dann aber aus, nachdem ihm im Falle eines Geständnisses ein milderes Strafmaß in Aussicht gestellt wurde. Zwei weitere Anklagepunkte wurden eingestellt.

Mitinsasse hatte ihn beschuldigt

Zuvor hatte ein 43-jähriger Mitgefangener den Angeklagten schwer belastet. Schließlich räumte der 36-Jährige und Besitz von Betäubungsmitteln ein.

In einer Therapieeinrichtung wurden im März dieses Jahres beim Angeklagten eine Konsumeinheit Buprenorphin aufgefunden. Im Übrigen veranlasste der Angeklagte per WhatsApp seine Verlobte, sich mit der Lebensgefährtin des 43-jährigen zu treffen und an diese insgesamt 18 beziehungsweise 16 Buprenorphin Tabletten zu übergeben.

Tabletten beim Kuss übergeben

Jeweils einen Tag später übergab die Frau dann bei einem Besuch in der JVA die Tabletten an den 43-jährigen. Insgesamt zehn Tabletten habe sie absprachewidrig für sich behalten, den Rest beim Küssen übergeben. Die Tablettenpäckchen habe er im Mund behalten oder geschluckt, ausgeschieden und dann an den Angeklagten übergeben.

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Im Januar hatte der Angeklagte seine Verlobte angewiesen, einem Mitgefangenen, der als Freigänger unterwegs war, zwei Handys, ein Paket mit 25 Buprenorphin sowie fünf Gramm Kokain, fünf Gramm Marihuana und 200 Euro Bargeld zu übergeben. Der Mithäftling schmuggelte die Waren in die JVA und gab sie dort an den Angeklagten weiter. Durch den Betäubungsmittelhandel verschaffte sich der Angeklagte laut der Kripo Rosenheim, mindestens 3805 Euro. Dies wurde durch die Auswertung des Chatverlaufs sowie Geldwäscheverdachtsmeldungen belegt.

Verbindung in die JVA

Das Verfahren kam ins Rollen, als die Verlobte im Mai mit Betäubungsmitteln erwischt worden sei, berichtete der Sachbearbeiter. Bei der Auswertung ihres Mobiltelefons sei die Polizei auf Nachrichten von einem Handy in der JVA Bernau und auf den Angeklagten gestoßen, die konkrete Anweisungen zur Beschaffung und Verpackung von Betäubungsmitteln beinhalteten.

Sucht mit ungünstiger Perspektive

Für die Anklagevertretung ging es letztlich nur noch um die Höhe des Strafmaßes und die Frage der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Laut medizinischem Gutachter sei wegen der Suchterkrankung eine verminderte Steuerungsfähigkeit beim Angeklagten nicht auszuschließen, ebenso das Risiko weiterer Straftaten. Die bisherigen Therapieversuche des Angeklagten seien gescheitert, weitere aufgrund der Persönlichkeitsstruktur eher schlecht, könnten aber klappen, fasste der Gutachter zusammen.

Kriminelle Energie

„Ich möchte aus dem Drogenkreislauf ausbrechen“, beteuerte der Angeklagte. Die Anklagevertretung forderte daraufhin eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Verteidiger Dr. Ahmed Adam plädierte für eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten, die ohnehin nicht zum Tragen komme, wenn sein Mandant die Entziehung durchhalte.

Der Angeklagte habe mit dem Aufbau einer professionellen Vertriebsstruktur enorme kriminelle Energie gezeigt, so Richter Wolfgang Fiedler in seiner Urteilsbegründung. Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt sei ein letzter Versuch. „Eine weitere Chance wird es nicht geben“.

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