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Junger Priener Musiker verarbeitet seine Gehirntumor-Erkrankung in einem Kunstprojekt

Chris Pham.
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Chris Pham verarbeitet seine schwere Erkrankung durch Kunst.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Chris Pham studierte, arbeitete bis zum Umfallen und dann kam der Zusammenbruch. Plötzlich war er mit sich selbst konfrontiert. Mit Liedern und Tagebüchern verlieh er seinen Gefühlen und Gedanken Ausdruck. Er möchte anderen, denen es ähnlich geht, damit helfen.

Prien/München – Studium, Start-Up, volle Auftragsbücher, Musikprojekte, ein Nebenjob als Barkeeper – Chris Pham war zielstrebig, fleißig und erfolgreich. Dann der Taumel. Vor einem Jahr wird es dem jungen Mann, der in Prien aufgewachsen ist, schwindelig. Er will sich noch ein Glas Wasser holen, auf dem Weg dorthin wird ihm schwarz vor Augen. Er fällt zu Boden. Kurz darauf diagnostiziert ein Arzt: Gehirntumor. Der Musiker verarbeitete seine Geschichte in einem Kunstprojekt.

In der Schülerband am LTG gespielt

Pham wuchs in Prien auf. Er spielte als Kind Klavier und später in verschiedenen Bands, wo er Lieder komponierte, Videoproduktionen organisierte und die Bands vermarktete. Eine davon war die Schülerband „Skycrapers“ am Ludwig-Thoma-Gymnasium (LTG) in Prien, die sich später in „Red Indicators“ umbenannte und Konzerte in der Region gab. Im Jahr 2015 veröffentlichten die Jungs ein Album unter dem Namen „Rad“.

Chris Pham mit seiner Narbe am Kopf. Mit Fotos, Texten und Bildern verarbeitete er seine Krankengeschichte.

Ersten Lockdown komplett im Krankenhaus verbracht

Später wechselte Chris Pham zu den „Colour Comics“ und startete sein Soloprojekt parallel zu seiner Bachelorarbeit und einem Job in einem Start-Up-Unternehmen bei einem „Kumpel“ in Traunstein. Seit dem Jahr 2019 ist er als Videographiker bei einer Firma in München angestellt. „Den ersten Lockdown habe ich komplett im Krankenhaus erlebt“, berichtet der heute 27-Jährige im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. „Das war von Hundert auf Null“, beschreibt er die Situation. „Ich habe nie Pause gemacht, dann hat es mich zerlegt“, analysiert er seine Krankheit.

Begonnen, Entscheidungen zu hinterfragen

„Da bewegt sich dann plötzlich viel in einem selbst“, beschreibt er. „Ich habe begonnen, alles zu hinterfragen, ob alle Entscheidungen richtig waren.“ Sein Mitbewohner Maximilian Frank, mit dem er musikalisch und beruflich zusammenarbeitet, erzählt gegenüber der Chiemgau-Zeitung: „Chris war immer auf der Überholspur unterwegs ... alles mit Instant-Nudeln als Benzin, weil keine Zeit zum Kochen war ... Sein Zusammenbruch war wohl die ungebetene Antwort auf die Frage: Wie lange geht das noch gut?“

Der Vater machte Chris Pham Mut

Nach der Operation habe er viele Gespräche mit Freunden und seinem Vater, der ein Restaurant in Rimsting betreibt, geführt, erzählt Pham weiter. „Er hat zu mir gesagt, ihm sei das Wichtigste, dass ich glücklich bin. Da hat sich bei mir ein Knoten gelöst.“

„Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels“

Verarbeitet hat er seine Krankengeschichte in einem Kunstprojekt aus Liedern, Tagebüchern und Foto-Tagebüchern. Diese gibt‘s im Internet zu sehen hier oder hier auf Instragram.

Dass es einen „Lichtblick am Ende des Tunnels“ gibt will er unter dem Künstlernamen „Santans“ nun an andere weitergeben, die glauben, sich in einer hoffnungslosen Situation oder Schaffenskrise zu befinden, erklärt er.

Der Tumor war gutartig, die Operation verlief erfolgreich

„Ich bin im Nachhinein froh um den Vorfall, auch wenn es schöner gewesen wäre, ich hätte es auf andere Weise gelernt“, blickt Pham auf seine Krankheit zurück. Er hatte Glück im Unglück, die Wucherung war noch im Anfangsstadium und gutartig. Die Operation verlief erfolgreich.

Tagebuch einer Gefühlswelt.

Reaktionen waren sehr unterschiedlich

Auf sein Projekt habe er viele Reaktionen bekommen. „Manche waren schockiert, warum ich so etwas Ernstes mache, andere fanden das mutig.“ Was er aus der Krankheit gelernt habe? Darauf antwortet er: „Ich schaue auf mich.“ Er schlafe mehr, esse regelmäßig, habe Rituale im Alltag, meditiere und mache Sport. Mit dem Laufen zum Beispiel habe er erst begonnen, seinen jetzigen Wohnort München zu entdecken.

Kunstprojekt als Selbsttherapie

„Ich bin ruhiger geworden und nicht mehr so gestresst.“ Das Soloprojekt bezeichnet Chris als Selbsttherapie. Er habe Lust auf Arbeit und etwas Neues. „Da wird noch viel kommen.“ Und sein Freund Frank ergänzt: „Ich bin verdammt dankbar, ihn nicht verloren zu haben.“

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