Junge Chiemseer Bühne in Grabenstätt führt Ronja Räubertochter auf – Noch Räuber gesucht

Die Proben für das Stück „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren haben bereits begonnen. Bis Ende Juli werden die Kinder nun jeden Freitag üben. Theater Strickerei

Die Junge Chiemseer Bühne führt im Sommer ein neues Stück auf: Ronja Räubertochter in der Bühnenfassung von Barbara Hass. Die meisten Kinderrollen wurden bereits vergeben. Was aber noch fehle, seien Räuber, sagt Doris Biller, Vorsitzende des Vereins Theater Strickerei in Grabenstätt.

Von Barbara Forster

Grabenstätt –  In fremde Rollen schlüpfen kann man auch noch nach dem Fasching – die Junge Chiemseer Bühne macht’s möglich. Aufgeführt werden solldas Stück Ronja Räubertochter in der Bühnenfassung von Barbara Hass. Die meisten Kinderrollen (insgesamt 20) wurden bereits vergeben. Die Rolle der Ronja übernimmt Pia Bachmann, die auch schon im Stück „Herz eines Adlers“ mitgespielt hatte. Aber was noch fehle, seien Räuber, sagt Doris Biller, Vorsitzende des Vereins Theater Strickerei in Grabenstätt. Vier bis fünf Jugendliche werden noch gesucht. Bis Anfang Mai können im Rahmen der Freitags-Proben potentielle Räuber jederzeit vorbeikommen, sagt Biller. Was die 53-Jährige besonders freut: Viele Neulinge hätten dieses Mal beim Casting teilgenommen.

Premiere-Termin steht noch nicht fest

Geplant seien acht bis neun Auftritte. „Je nach Nachfrage“, sagt Biller. Ein Premiere-Datum stehe aber noch nicht fest. Aufgeführt werde das Stück auf jeden Fall in der Theater Strickerei, und bei schönem Wetter auf der Freilichtbühne in Schützing. Dabei werde die Junge Chiemseer Bühne vom Kreisjugendring Traunstein unterstützt.

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Aber ehe es so weit ist, wartet noch jede Menge Arbeit auf die jungen Darsteller: Circa 50 Proben seien notwendig. Das Stück habe 90 Minuten. Eine Minute Spieldauer sei etwa eine Stunde Probezeit, erklärt die Vorsitzende. Auch das Bühnenbild möchte Biller mit den Heranwachsenden selbst gestalten. Dreidimensional soll die Räuber- und Bärenhöhle werden. Die jungen Schauspieler dürfen sich mithilfe von Stoff und Pappmaché ausleben. Verzichtet werden soll außerdem weitgehend auf Technik. Während der Räuberszenen sollen Percussion im Hintergrund erklingen. Das mache die Räuber etwas grimmiger, meint Biller lachend.

Mit Kindern zu arbeiten, sei anders wie mit Erwachsenen. „Die müssen sich erst einmal auspowern, ehe geprobt wird.“ Zunächst werden erst einmal Bewegungs- und Zurufspiele gemacht. In erster Linie wird darauf geachtet, in welcher Stimmung die Kleinen gerade sind. „Mit Druck geht gar nix“, macht die 53-Jährige klar. Man müsse spielerisch an die Sache herangehen. „Jeder darf bei uns mitspielen. Auch Kinder mit Handicap.“

Seit rund zehn Jahren führt Doris Biller nun Theaterstücke mit Kindern auf. Und es sei jedes Mal „spannend“, wie die 53-Jährige versichert. Beim Theaterspielen würden die Kleinen über sich selbst hinauswachsen. „Sie übernehmen wahnsinnig viel Verantwortung in der Gruppe.“ Sie lernen, was es bedeutet, in einem Team zu sein. Und nach dem Applaus dürfen sie zurecht auf sich stolz sein.

Astrid Lindgren lehrt Mut und Freundschaft

Warum die Wahl ausgerechnet auf Ronja Räubertochter fiel, ist Doris Biller zu verdanken: „Ich mag Astrid Lindgren recht gern“, sagt sie. Auch ihren eigenen Kindern habe sie früher die Geschichten der Autorin vorgelesen. Denn, wie die Vorsitzende findet: Aus den Geschichten Lindgrens könnten die Kinder sehr viel lernen. Bei Ronja Räubertochter gehe es in erster Linie um Freundschaft, Mut und das Erwachsenwerden. „Ronja lehnt sich gegen ihre Eltern auf“, erklärt Biller. Ursprünglich war mal geplant, die Räuberrollen mit Erwachsenen zu besetzen. Wahlweise mit Eltern von den Kindern, meinte Biller. Gerade in Lindgrens Geschichte Ronja Räubertochter stehe das Erwachsenwerden im Vordergrund: „Ronja lehnt sich gegen die Eltern auf“, erklärt die Vorsitzende. Da wäre es einerseits schön gewesen, einen visuellen Kontrast herauszuarbeiten.

Andererseits sollten in dem Stück die Kinder und Jugendlichen im Vordergrund stehen. Zudem haben sich nur wenige Väter dazu bereit erklärt, eine Räuberrolle zu übernehmen. Deshalb sollen die Rollen nun mit Jugendlichen besetzt werden.

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In allen Geschichten von Astrid Lindgren gehe es um Toleranz und Verständnis, sagt Doris Biller. Es werden meist Probleme zwischenmenschlicher Beziehungen behandelt. Das könne man gut auf das reelle Leben ummünzen. Auch Gefühle werden verarbeitet. „Ich glaube, viele Jugendliche wollen nicht mehr reden“, sagt Biller. In dem Stück haben die jungen Darsteller die Möglichkeit, alle Gefühle, die Ronja ebenfalls durchlebt (Freude, Trauer, Wut, Ärger und am Ende wieder Dankbarkeit) zu verarbeitet.

Proben werden arbeitsintensiv

Doris Biller möchte das Stück im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage (von 10. bis 27. Juli) aufführen. Arbeitsintensiv werden die Proben mit den Kindern, die bis Ende Juni jeden Freitag stattfinden werden. Da ist sich Doris Biller sicher. Aber sie gibt sich zuversichtlich: Bislang sei noch jedes Stück „super“ geworden. „Da brauchen wir uns nicht verstecken“, lobt Biller das Engagement der Kinder- und Jugendlichen. 2015 habe die Junge Chiemseer Bühne den internationalen Jugendtheaterpreis in der Kategorie „Beste Produktion“ im Mozarteum in Salzburg gewonnen. Überreicht wurde ihnen damals der Papageno-Award für das Stück „Ratsch und Tracht“ von Peter Landstorfer.

Ob Ronja Räubertochter auch so ein Erfolg wird? Doris Biller würde sich freuen. Aber im Vordergrund stehe das Miteinander und der Spaß aller.

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