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AUS DEN ORIGINALAKTEN DER STAATSSICHERHEIT DER DDR

„Jugendliche im Visier der Stasi“

Solvejg Hoch und Niklas Netzer (links) gestalteten mit dem Zeitzeugen Manfred May die Veranstaltung zu „Jugendliche im Visier der Stasi“ am Staatlichen Landschulheim Marquartstein.  Giesen
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Solvejg Hoch und Niklas Netzer (links) gestalteten mit dem Zeitzeugen Manfred May die Veranstaltung zu „Jugendliche im Visier der Stasi“ am Staatlichen Landschulheim Marquartstein. Giesen

Marquartstein – „Jugendliche im Visier der Stasi“ war eine beeindruckende Veranstaltung überschrieben, die Schüler der Klasse 10 b mit ihrer Geschichtslehrerin Anne Eberhard gestalteten.

Im gut besuchten Festsaal des Staatlichen Landschulheims präsentierten sie eine Ausstellung, die sie aus Originalunterlagen der Stasi (Ministerium für Staatssicherheit der DDR) im Unterricht selbst entwickelt hatten.

Um von den Dokumenten einen authentischen Eindruck zu bekommen, lasen die beiden Schüler Solvejg Hoch und Niklas Netzer ausgewählte Ausschnitte aus dem Originaldossier der Stasi über Manfred May. Der 1948 in Magdeburg geborene Künstler hatte seine fast 3000 Seiten zählende Akte zur Verfügung gestellt und war selbst anwesend, um Fragen zu beantworten.

May war von 1968 bis 1989 intensiv bespitzelt worden, weil ihm eine „negativ feindliche, antikommunistische Einstellung“ gegenüber dem politischen System bescheinigt wurde, die auch in seiner Kunst zum Ausdruck komme. Trotz wiederholter Versuche war es May nie gelungen, in den Verein der Bildenden Künstler der DDR aufgenommen zu werden, was die einzige Möglichkeit gewesen wäre, seine Bilder auszustellen und zu verkaufen.

Entlarvend ist die menschenverachtende Wortwahl in den Berichten der inoffiziellen Mitarbeiter (IM), die bei ihren „operativen Personenkontrollen“ vom beobachteten „Objekt“ sprechen, von „Nummer 2078“. Obwohl May nie eine konkrete Straftat begangen hatte, waren im Laufe der Jahre 40 IM mit ihm beschäftigt, um möglichst jeden seiner Schritte festzuhalten. May zeigte im Festsaal einige seiner sensiblen, hintergründigen Bilder, in denen er das Erlebte widerspiegelt.

In der Ausstellung hatten die Schüler auf Schautafeln zu den Themen „Flucht aus der DDR“, „Schülerprotest 1961“, „jugendliche Inoffizielle Mitarbeiter“ und „Eingesperrt“ anschaulich das Wichtigste zusammengefasst. Ein Beispiel eines mit Gefängnis geahndeten Verbrechens: Drei 17-jährige Schüler hatten eine Wandzeitung im Klassenzimmer „negativ verändert“ und erschienen einmal zu dritt alle in schwarzer Kleidung im Klassenzimmer. Dann legten sie dem Lehrer, der auch die Funktion eines Parteisekretärs innehatte, ein schwarzes Band mit rotem Bonbon auf sein Pult. Resultat: Der Anführer der Jungen wurde mit fünf Jahren Haft bestraft, die beiden anderen mit je dreieinhalb Jahren.

Viel Applaus nach der Lesung und die angeregten Gespräche, die die Besucher anschließend mit Manfred May und den Schülern führten, zeigten, dass das Thema sie tief beeindruckt hatte. Die großzügigen freiwilligen Spenden kommen dem Bürgerkomittee Thüringen zugute, das sich um die Opfer der politischen Verfolgung in der SED-Diktatur bemüht.

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