Jugendliche Herbstfest-Dummheit

Stephanskirchen - Mit der Freundesclique war am zweiten Herbstfest-Sonntag ein 20-jähriger Azubi auf der Wiesn unterwegs gewesen. Zwei bis drei Mass hatten die Burschen schon intus, als sie sich spät Nachts aus den Augen verloren. Dann hatten sie, entsprechend angetrunken, die "glorreiche Idee" einem anderen Spezl das Auto am Parkplatz zu versetzen, auf dass er es dann suchen müsse. Aus dem "Umsetzen" wurde eine Spritztour, die allerdings nicht weit führte. Bereits nach 500 Metern schaffte der Angeklagte in Stephanskirchen die Kurve von der Salzburger- und die Vogtareuther Straße nicht und rammte an der Ecke Zaun und Hecke eines Anwesens. Weil die jungen Männer daraufhin davonliefen, machten sie sich auch noch einer Fahrerflucht schuldig, auch wenn sie nach kurzer Zeit wieder zurück- kehrten und bei der - inzwischen eingetroffenen - Polizeistreife voll geständig waren.

Gegen den im Oktober ergangenen Strafbefehl über 1350 Euro inklusive Führerschein-Entzug legte Rechtsanwalt Dr. Markus Frank Einspruch ein, weil nach seiner Meinung beim Urteil gegen seinen Mandanten Jugendstrafrecht Anwendung finden müsse.

Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe, Josef Bichler, befand nach einem intensiven Gespräch mit dem Angeklagten, dass bei diesem fraglos noch Reifeverzögerungen erkennbar seien. Er empfahl, den jungen Mann nach Jugendrecht abzuurteilen. Als Ahndungsempfehlung nannte er die Teilnahme an einem Sozialkurs im Hinblick auf den Alkoholmissbrauch und 120 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Der Staatsanwalt mochte dem Angeklagten keinen "Jugendlichenstatus" zubilligen. "Der Angeklagte bewegt sich im Straßenverkehr mit allen Rechten und Pflichten eines Erwachsenen. Daran ist nichts Jugendtypisches."

Er beantragte das Strafmaß wie im Strafbefehl aufrecht- zuerhalten und die obligatorische Sperre des Führerscheins für zehn Monate. Der Verteidiger verwies darauf, dass sein Mandant in jener Nacht durchaus jugendtypisch gehandelt habe. "Angetrunken einem Freund das Auto zu verstecken, ist geradezu das Musterbeispiel einer jugendlichen Verfehlung." Er beantragte den Vorschlag des Vertreters der Jugendgerichtshilfe aufzugreifen. Das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Jacqueline Aßbichler entschied sich für die erzieherischen Maßnahmen nach Jugendrecht. "Sehr viel weniger erwachsen als der Angeklagte in jener Nacht kann man sich wohl kaum aufführen." Sie verurteilte ihn zu 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit, und erteilte eine Führerscheinsperre von neun Monaten. au

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