Dem Josefitag wiederneues Leben einhauchen

Ruhpolding – Die Bedeutung des in Bayern jahrhundertelang verwurzelten Josefitags möchten zwei eingefleischte „Seppn“ wiederaufleben lassen.

Morgen, Donnerstag, 19. März, ab 19 Uhr knüpfen die beiden Ruhpoldinger Musikanten Josef Bichler, alias Seewirt-Sepp, und Josef Stückl, auch Stückl-Peppi, mit einem zünftigen Hoagart auf der Raffner-Alm an diese Tradition an. Mit dabei sind unter anderen die Stoaner Sänger und die Pötsch alm-Musi.

Alle Josefs, Josephinen, Josefas, Seppn, Bepperl, Beppos und wer auf einen ähnlich abgewandelten Spitznamen hört – wie etwa Jupp oder Joschka – sind dazu herzlich eingeladen. Ebenso die Handwerkszunft der Zimmerer, denn der Nährvater Jesu, der nach der Überlieferung den Beruf des Zimmermanns ausübte, ist der Schutzpatron der Gilde.

1870 stellte sogar Papst Pius IX. die gesamte katholische Kirche unter dessen Protektorat. In unseren weißblauen Breitengraden gibt es immer noch eine stattliche Anzahl an Josefs. Im Lauf der Zeit büßte der Josefitag mit seinen Bräuchen allerdings viel von seiner früheren Bedeutung ein: In Bayern und Österreich wurde er 1968 als Feiertag abgeschafft, in Italien 1977.

In manchen katholisch geprägten Ländern wie Spanien, Kolumbien, Costa Rica und Liechtenstein hält man noch heute an ihm fest, ebenso in acht Schweizer Kantonen, wo er als gesetzlicher Feiertag im Kalender steht. In Bayern gibt es für Josefs, Josefas und dazugehörige Namensträger mancherorts am Namenstag ein kleines Privileg wie eine Mass Bier im Kloster Andechs oder eine kostenlose Bergfahrt auf den Wendelstein. Dass die Sehnsucht nach alten Zeiten ungebrochen ist, beweist die Existenz der „Königlich-Bayerischen Josefspartei“ mit Sitz in Aichach. Einziges Ziel der 6000 Mitglieder ist die Wiedereinführung des Josefitags als Feiertag. Ihr Anliegen landete sogar schon als Eingabe auf dem Schreibtisch der EU. So weit wollen der Seewirt-Sepp und der Stückl-Peppi nicht gehen. Sie freuen sich, wenn viele Namensträger kommen, um ein Stück bayerischer Kultur aufleben zu lassen. slu

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