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Heimat-Interview

Joey Kelly, Olympia und der Chiemgau: Profiläuferin Anna Hahner über ihre Wahlheimat Übersee

Anna Hahner ging früher zum Ausgleich auf den Berg, jetzt läuft sie auch Bergläufe und gewann kürzlich den Stubai Ultratrail und den Kaiserkrone Trail-Lauf.
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Anna Hahner ging früher zum Ausgleich auf den Berg, jetzt läuft sie auch Bergläufe und gewann kürzlich den Stubai Ultratrail und den Kaiserkrone Trail-Lauf.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Übersee – Man muss sich fast die Augen reiben, aber tatsächlich: Die Profiläuferin Anna Hahner (31) betreibt den Sport gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Lisa, die in Berlin lebt. 2016 nahmen beide am Marathon bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teil. Die Chiemgau-Zeitung hat im Rahmen der neuen Reihe „Heimat-Interviews“ mit der Sportlerin über ihre Wahlheimat Übersee gesprochen und warum die Kelly Family nicht ganz unschuldig an ihrer Karriere ist.

Frau Hahner, wie sind Sie zum Laufen gekommen?

Anna Hahner: Ich war schon immer sportlich, aber laufen war damals keine Option. Meine Schwester und ich haben Ju-Jutsu gemacht, Tischtennis und Fußball gespielt und waren Bademeister. Als wir 17 waren, sind wir auf einen Vortrag von Joey Kelly gegangen. Das Thema war uns völlig egal, aber wir waren halt früher totale Fans der Kelly Family und dann war klar, dass wir dahin gehen. Der Vortrag hat uns so geflasht, dass wir fanden, dass Laufen das Coolste auf der Welt sein muss. Und er meinte, dass man sofort anfangen muss, wenn man etwas verändern will. Wir sind gleich am nächsten Tag laufen gegangen.

Lachend posieren die Zwillinge Anna (rechts) und Lisa Hahner für Handyfotos der Zuschauer nach dem Zieleinlauf bei den Olympischen Spielen in Rio.

Wie wurden Sie Profis?

Hahner: Anfangs wussten wir tatsächlich nicht, ob wir gut sind. Wir haben uns ja nur aneinander gemessen. Dann haben wir irgendwann mit Volksläufen angefangen und die gewonnen und dann kam der erste Trainer auf uns zu. So nach dem Motto: Was sind das für zwei, die so schnell laufen, aber in Baumwoll-T-Shirts rumspringen, während alle anderen in Funktionskleidung dort waren. Dann hat die ganze Sache ihren Lauf genommen. Wir haben angefangen, konsequent und leistungsorientiert zu trainieren und das hat uns bis zum Marathon bei den Olympischen Spielen in Rio gebracht.

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Was ist Heimat für Sie?

Hahner: Das ist für mich ein Gefühl. Ich glaube, deshalb fühle ich mich auch im Chiemgau so wohl, weil ich das hier sehr stark spüre. Mit Natur ist das für mich sehr stark verknüpft und ich hab auch ganz stark das Gefühl, dass ich auf den Berg gehöre, obwohl ich ja gar nicht in den Bergen aufgewachsen bin. Das ist für mich wie nach Hause zu kommen. Wenn ich an die Rhön denke, ist es eher der Geruch des Streuselkuchens von meiner Oma oder wie offen mein Elternhaus ist, in dem jeder willkommen ist. Ich mach das gar nicht so an einem Ort fest.

Wie sind Sie ausgerechnet im Chiemgau gelandet?

Hahner: Vorher hab ich gemeinsam mit meiner Schwester im Schwarzwald gelebt und trainiert. Dann haben wir beide gemerkt, dass es sportlich schwierig wurde und wir etwas ändern müssen. Viele Verletzungen sind dafür oft ein Anzeichen, denn der Körper reagiert einfach auf sehr viel und irgendetwas ist aus der Balance. Lisa ist nach Berlin gegangen und mich hat es in die Natur gezogen. Ich war zweimal im Trainingslager im Chiemgau und mein Trainer Dan Lorang wohnt hier. Für mich ist es der schönste Ort, dort zu leben und zu trainieren.

Ihre Schwester lebt in Berlin – vermissen Sie sie?

Hahner: Es ist tatsächlich die erste räumliche Trennung, auch wenn wir mal Trainingslager in unterschiedlichen Orten hatten. Wir haben definitiv eine stärkere Verbindung als andere Geschwister und trotzdem sind wir zwei individuelle Persönlichkeiten. Derzeit haben wir das Gefühl, dass wir uns noch näher stehen, obwohl wir weit auseinanderleben. Jeder kann sich selbst entfalten und muss für sich Verantwortung übernehmen. Und wir sehen uns oft in Berlin oder hier, das ist für uns beide eine gute Abwechslung.

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Wie wird man ein eigener Mensch, wenn man eine Zwillingsschwester hat, die auch noch den gleichen Sport auf so hohem Niveau macht?

Hahner: Bei uns war das so, dass wir uns schon als Kinder nicht gleich anziehen wollten. Wir haben immer darauf geachtet, dass wir nicht als „eins“ wahrgenommen werden. In der Schule saßen wir auch nie nebeneinander. Heute haben wir unterschiedliche Trainer, was auch den Vorteil hat, dass wir uns als Individuum sehen. Bis vor unseren Umzügen war das nicht so. Das hat damals sogar zu Schlagzeilen geführt: „Die Hahnertwins gehen getrennte Wege“. Was so nicht stimmt. Für uns war die räumliche Trennung aber die richtige Entscheidung.

Gleichzeitig vermarkten Sie sich nun als die „Hahnertwins“…

Hahner: Dass wir zusammen sind, macht uns bei Wettkämpfen noch stärker. Da ziehen wir uns auch gleich an. Das ist vielleicht so eine Art FC Bayern-Phänomen. Wir ergänzen uns ganz gut: Ich bin die Rampensau, Lisa ist eher diejenige, die sich erst mal alles in Ruhe ansieht. Als Profiläufer reicht es nicht, einfach nur zu laufen. Das ist anders als bei Profifussballern. Wir haben uns schon früh als Sportunternehmerinnen verstanden. Im Lockdown haben wir überlegt, wie wir uns unabhängiger von reinen Wettkämpfen machen können. 2018 haben wir unser Ernährungsprogramm gestartet und das jetzt in Richtung Coaching ergänzt. Darin gehen wir total auf, vielleicht auch weil Joey Kelly uns damals so inspiriert hat.

Sie gehen jetzt neue Wege und machen Bergläufe.

Hahner: Damit habe ich gar nicht gerechnet und das war auch nicht die Intention. Ich bin auf die Berge als Ausgleich zum regulären Training und das wurde immer mehr, inzwischen sind es über 40 Gipfel, auf denen ich im Chiemgau war. Gleichzeitig war mein „Feuer“ für den Wettkampf nicht mehr da. Und man muss einfach brennen, um an seine Grenze zu kommen. Ziemlich spontan hab ich einen Quarter-Everest-Lauf gemacht, das war für einen guten Zweck. Das war für mich ein richtiger Aha-Moment und genau darauf hab ich Lust bekommen. Wobei ich nicht ausschließe, dass ich auch wieder auf der Straße laufe. Ich bin eher ein Bauchmensch und lass mir von meinem Herzen viel sagen.

Was ist denn Ihr Lieblingsberg im Chiemgau?

Die Schwierigkeit ist, dass ich eigentlich nach jeder Tour sage, das ist mein neuer Lieblingsberg. Aber was ich sehr mag, sind die weniger bekannten Gipfel. Ich bin sehr gern allein auf dem Gipfel und such mir auch sonst gerne Orte, wo nicht so viele Leute sind. Aber ich verstehe auch alle, die hierherkommen wollen. Es ist halt einfach schön.

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