196 Jahre Stadtratserfahrung gehen verloren

Traunstein – Es war nicht nur die letzte Sitzung des Traunsteiner Stadtrats der laufenden Legislaturperiode, sondern auch die endgültig letzte Sitzung für neun Stadträte, die dem kommenden Stadtrat nicht mehr angehören.

Mit einer Urkunde wurden Christa Fuchs (Stadträtin für die CSU seit 1990), Dr. Thomas Graf (Traunsteiner Liste/2008), Ernst Harrecker (CSU/2000), Josef Hinterschnaiter (SPD/ 2008), Albert Rieder (CSU/ 2014), Uwe Steinmetz (UW/ 1978), Traudl Wiesholer-Niederlöhner (SPD/1980), Wolfgang Wörner (Grüne/2019) und Hans Zillner (CSU/1980) verabschiedet.

Zweiter Bürgermeister Hans Zillner, der die Stadtratssitzung in der Klosterkirche leitete, sagte dazu, es sei gute Grundlage der Demokratie, dass politische Verantwortung nur auf Zeit verliehen werde.

Neun Räte sindausgeschieden

„Und so kommt es alle sechs Jahre, dass die Vertreter auf kommunaler Ebene von der Bürgerschaft neu bestimmt, sprich neu gewählt werden“, so der Vizebürgermeister. Neun Mitglieder würden dem künftigen Gremium nicht mehr angehören, weil sie nicht mehr kandidiert oder den Einzug in den neuen Stadtrat verfehlt hätten. Man verabschiede 196 Jahre Stadtratserfahrung. Dies entspreche rund 8200 Sitzungen.

Zillner dankte den ausscheidenden Stadträten nicht nur persönlich, sondern auch namens des Oberbürgermeisters und Stadtrats sowie der Traunsteiner Bürgermeister für ihr bürgerschaftliches Engagement. „Meines Erachtens wird gerne verkannt, dass es sich bei der Tätigkeit der Ratsmitglieder um eine freiwillige, ehrenamtliche und unbezahlte Tätigkeit handelt, die oft überaus großen, nicht selten auch einen enormen zeitlichen Einsatz erfordert“, meinte er.

Neben der Teilnahme an den Stadtrats- und Ausschusssitzungen seien Vereinsveranstaltungen, Ausstellungseröffnungen und so weiter zu besuchen. Die Vorbereitung auf die Sitzungen und die Fraktionsarbeit nehme breiten Raum ein. Auch die Bürger erwarteten zu Recht, dass man sich nicht selten für Gespräche mit ihnen Zeit nehme und sich ihrer Anliegen annehme. „Ich gebe zu, dass man dabei im Einzelfall manchmal auch ein „dickes Fell“ und ein hohes Maß an Frustrationstoleranz benötigt“, betonte Zillner. Denn es sei eine politische Binsenweisheit, dass man es nicht allen recht machen könne.

Vordergründig sah der Zweite Bürgermeister jedoch die positiven Wirkungen des Tuns des Stadtrats, denn das, was im Stadtrat beschlossen und von der Verwaltung umgesetzt wird, ist seinen Worten zufolge unmittelbar sicht- und spürbar. „Die im Stadtrat gefällten Entscheidungen betreffen unsere Mitbürger direkt und unmittelbar. Jeder Einzelne merkt es privat, in der Familie, in seinem Verein, im Betrieb, wo vom Stadtrat Prioritäten gesetzt werden“, so Zillner.

Dank auch andie Angehörigen

Die Stadträte agierten nicht abgehoben in einem Regierungsviertel. Sie wüssten im Gegenteil, wie es in der Stadt aussehe, für die sie verantwortlich seien, und sie sähen auch, was aus ihren Entscheidungen folge. Die im Stadtrat eingebrachte Zeit fehle gewiss oft auch an anderer Stelle für Partner und Familie und manchmal auch für die Berufsausübung. „Deshalb gilt auch mein ausdrücklicher Dank Ihren Angehörigen, eventuell auch den Vorgesetzten und Berufskollegen, die Ihnen den notwendigen Freiraum und damit die Wahrnehmung Ihres Mandats ermöglicht haben“, sagte der Vizebürgermeister. Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass es für alle Ausscheidenden ein Tag der Freude sei, auch wenn dies vielleicht auch noch nicht alle so sähen. Die Last der Verantwortung werde jedenfalls kleiner und sie hätten zukünftig mehr Freizeit. „Ich hoffe für alle, dass sie zufrieden auf die vergangenen Jahre zurückblicken können“, wünschte Zillner ihnen.

Kommentare