Scharfe Kritik an Entwurf zur Bundesjagdgesetznovelle

Jäger aus Prien und Traunstein schockiert: „Uns soll der Garaus gemacht werden“

  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Heimische Jäger und der Bayerische Jagdverband üben scharfe Kritik an Entwurf zur Bundesjagdgesetznovelle von Ministerin Julia Klöckner. Sie sehen darin nicht den Schutz der Wildtierrechte gewahrt, stattdessen sollen einseitig Interessen der Forstwirtschaft zum Zug kommen.

Prien/Traunstein – Es raschelt im Gebüsch, Äste knacken. Dann huschen zwei Rehe über den Waldweg, um gleich wieder im Dickicht zu verschwinden. Beim Waldspaziergang wilde Tiere zu sehen, ist ein Erlebnis, das aber in Zukunft immer seltener werden könnte. Denn Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat einen Entwurf zur Erneuerung des Bundesjagdgesetztes (BJagdG) vorgelegt, der von Tierschutzverbänden, aber auch vom Bayerischen Jagdverband (BJV) scharf kritisiert wird.

Entwurf begünstigt einseitig Interessen

Ihre Vorwürfe im Kern: Forstwirtschaftliche Interessen würden nach dem Motto „Wald vor Wild“ einseitig durchgesetzt, die Bejagung von Rehwild soll ausgeweitet werden – als Mittel zum Waldumbau, wie die Kritiker die Inhalte interpretieren. Dem BJV kommt der Wildtierschutz bei alldem zu kurz. Er fordert nun den Gesetzgeber auf, ein „klares Bekenntnis zur Tierwelt als wesentlichen Bestandteil der heimischen Natur“ im Bundesjagdgesetz zu verankern.

Ein Rehbock am Rand eines Feldes. Zu wild lebenden Tiere fordern der Bayerische Jagdverband (BJV) und seine regionalen Vertreter ein „klares Bekenntnis“, das sich im Bundesjagdgesetz niederschlägt. Dieses soll novelliert werden, doch schon im Entwurf verfolgt laut BJV „einseitig forstwirtschaftliche Interessen“.

Zu Wort haben sich dazu Franz Sommer aus Prien, Erster Vorsitzender der Jägervereinigung Rosenheim, sowie Josef Freutsmiedl, Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Traunstein, gemeldet. Sommer bringt seine Haltung klar zum Ausdruck: „Das Bekenntnis zur Tierwelt muss im Gesetz verankert sein. Wie will der Gesetzgeber den Bürgern sonst erklären, dass die frei lebende Tierwelt schützenswert ist?“ Was, wenn Menschen aus der Stadt und Kinder „Reh, Hirsch und Gams nur noch aus Büchern kennen?“

„Maß und Mitte verloren„

Laut Freutsmiedl sind beim Entwurf „Maß und Mitte verloren gegangen, die Wildtierwelt hat darin juristisch gesehen nur noch einen untergeordneten Stellenwert.“ Nicht nachvollziehen können die beiden Chiemgauer Jäger, dass behördliche (Höchst-)Abschusspläne für Rehwild abgeschafft werden sollen.

Jäger vor Ort sollen sich künftig über einen jährlichen Mindestabschuss im Jagdpachtvertrag verständigen – andernfalls solle die Jagdbehörde die Mindestquote festlegen. Für den Priener Jäger Sommer heißt das: „Hier soll das Rehwild noch kürzere Schonzeiten bekommen und dadurch zum Totalabschuss freigeben werden.“

Forstwirtschaft mehr in die Pflicht nehmen

Dabei werde es „seit 30 Jahren stark bejagt und bei jedem Vegetationsgutachten als Schädling dargestellt.“ Die Abschusszahlen würden fast jedes dritte Jahr nach oben geschraubt, dadurch sei der Rehwildbestand ohnehin schon auf einem sehr niedrigen Niveau, führt er weiter im Hinblick auf das im dreijährigen Turnus durchgeführte, forstliche Verbissgutachten fort.

Freutsmiedl fordert „einheitliche Kriterien auf bayerischer Ebene, eine effizientere Qualitätssicherung und die Novellierung der Wildschäden-Bewertung“. Geht es um den Waldumbau, sehen die Jäger sowie der Verband die Forstwirtschaft nicht genug in die Pflicht genommen: „Jagd ist nicht der einzige Faktor für erfolgreichen Waldumbau“, mahnt der BJV an.

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Für Sommer ist klar: Die regionalen Waldbauern brauchen keine Vorschläge aus Berlin, denn sie hätten längst auf Mischwälder umgestellt „und in guter Zusammenarbeit mit den Jagdpächtern auch den natürlichen Anflug hochgebracht.“ Auch Freutsmiedl meint, zum Aufbau zukunftsfähiger Wälder brauche man in Traunstein keine weiteren gesetzgeberischen Maßnahmen.

Plädoyer für mehr Diskussion

Die Traunsteiner BJV-Kreisgruppe sei in der Wald-Wild-Entwicklung auf dem richtigen Weg, „wenngleich in Teilbereichen Nachholbedarf zu sehen ist.“ Die Situation erfordere zwischen allen Beteiligten, auch mit der Forstwirtschaft, „eine sachliche Diskussion“ und eine „offene Zusammenarbeit“.

Für Sommer steht fest: „Wir Jäger leisten sehr viel für die Umwelt, das muss auch unseren Politiker klar sein. Jagd in Bayern ist ein Kulturgut.“ Er befürchtet, dass „einige verantwortungslose Gruppen den waidmännischen Jägern den Garaus machen“ wollen.

Das sagt ein Priener Forstwirt

Franz Kollmannsberger betreut mit seinem Forstbetrieb in Prien etwa die Waldflächen der Chiemsee-Schifffahrt. Er kann die Forderung nach noch höheren Abschussquoten zugunsten des Waldumbaus nicht ohne Weiteres unterstützen: „Es gibt Flächen, da ist der Verbiss kein Problem, an anderen Stellen geht es halt nicht ohne Zaun.“

Aus seiner Sicht sind nicht allein die Rehe das Problem, sondern auch der zunehmende Freizeittourismus. Als Forstwirt, so seine Meinung, müsse man auch Eigenverantwortung zeigen und seine Bäume durch Verbissschutz und Anstreichen selbst schützen, „als nur nach den Jägern zu rufen.“

Rubriklistenbild: © dpa/obs Wildtierschutz Deutschland

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