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Bernauer Gemeinderat versucht Querung zu erhalten

Ist die DB Netz arrogant? Bahnübergang Wiedendorf in Bernau hängt am seidenen Faden

Der Bahnübergang Wiedendorf ist seit Herbst 2019 gesperrt und soll nun aufgelassen werden. Die nächste Querungsmöglichkeit ist 900 Meter entfernt, die Bahn bietet an, den Radweg auszubauen, damit Traktoren und Radfahrer aneinander vorbeifahren können.
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Der Bahnübergang Wiedendorf ist seit Herbst 2019 gesperrt und soll nun aufgelassen werden. Die nächste Querungsmöglichkeit ist 900 Meter entfernt, die Bahn bietet an, den Radweg auszubauen, damit Traktoren und Radfahrer aneinander vorbeifahren können.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Die Bahnstrecke Salzburg-München schneidet Bernauer Landwirte von ihren Feldern ab. Bahnübergänge machen sie zugänglich. Nach langem Schweigen ließ die Bahn nun die Katze aus dem Sack, wie es bei der Querung in Wiedendorf weitergeht und sorgt für Ärger.

Bernau – Nun also doch: Die Bahn will den Übergang Wiedendorf wie schon seit Längerem befürchtet, auflassen. Energisch setzte sich der Bernauer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung für den Erhalt ein und fasste einstimmig einen gleichlautenden Beschluss. Der online zugeschaltete Projektleiter für Bahnübergänge, Dr. Manfred Rauscher von der DB Netz, bot als Ersatz an, den von Prien kommenden Radweg zu verbreitern, damit landwirtschaftliche Fahrzeuge und Radfahrer aneinander vorbeifahren könnten. Die Verkehrssicherheit dieses Vorhabens rief große Zweifel im Gemeinderat hervor.

„Kein Verständnis“ und „Arroganz“

Peter Steindlmüller (CSU) sagte, die Gemeinde habe sich stets bereit erklärt, die anteiligen Kosten zu übernehmen, über den Ausbau habe Konsens geherrscht. „Nur in jüngster Vergangenheit wurde die Angelegenheit immer undurchsichtiger “, so Steindlmüller. Er habe kein Verständnis dafür, wenn bestehende Infrastruktur aufgegeben werde und warf der DB Netz „Arroganz“ vor. Woraufhin Rauscher entgegnete: „Wir ändern die Infrastruktur nur.“ Der Ausbau des Radweges von 3,70 auf 4,50 Meter sei auch ein Vorteil für den Tourismus und ein „mehr als adäquater Ersatz“.

Steindmüller zweifelte an, dass landwirtschaftliche Fahrzeuge und Radfahrer auf einer Breite von 4,50 Meter sicher aneinander vorbeikommen. Diesen Vorwurf musste sich Rauscher in der Sitzung noch öfter anhören, doch er entgegnete stets: „Sie kommen aneinander vorbei, schauen sie sich den Querschnitt an.“

„Chaos“ in der Chiemseestraße befürchtet

Steindlmüller befürchtete ein „Chaos“ entlang der Chiemseestraße, weil sich landwirtschaftlicher Verkehr in den Ort verlagern werde. Er meldete „massivste Bedenken“ an. Thomas Deinzer (SPD) schloss sich den Worten seines Vorredners an und zeigte sich erstaunt, dass der Radweg nicht „bis mindestens zur Autobahn“ durchgezogen werde.

Nicht alle würden den Weishamer Bahnübergang als Ausweichstrecke nutzen, die Hälfte der Landwirte käme von Bernauer Seite. Die geplanten Maße des Radwegs nannte er eng, die Landwirte müssten zwangsläufig auf die Wiese ausweichen.

Rauscher versuchte zu beschwichtigen und versicherte, die Bahn sehe die Bedürfnisse der Landwirte. Jedoch könne man überlegen, welcher Umweg in Kauf genommen werden könne. Im späteren Verlauf der Diskussion sprach er von der Verpflichtung der Bahn, möglichst wirtschaftlich zu handeln.

Zusätzlicher Geh- und Radweg vorgeschlagen

Franz Schnaiter (CSU) sah das Hauptproblem in der Verkehrssicherheit. Die Entscheidung der Bahn ziehe ein größeres Unfallrisiko auf dem Radweg und entlang einer Schulwegstraße (Chiemseestraße, Anm. d. Red.) nach sich. Er schlug vor, zusätzlich einen Geh- und Radweg anzulegen. Woraufhin Rauscher sagte: „Der Schnitt zeigt, dass die Verkehrsteilnehmer gut miteinander klarkommen können. Außerdem ist das Gelände übersichtlich.“

Jakob Müller (CSU) wies darauf hin, dass ein landwirtschaftliches Fahrzeug auf der Straße einen Radfahrer mit mindestens 1,50 Metern Abstand überholen müsse. Er zweifelte, dass dies auf dem Radweg möglich sein werde. Den Vorschlag der Bahn nannte er „total inakzeptabel“. Rauscher entgegnete: „Die Breiten geben das her ... wir können nicht mehr bauen, als die Förderrichtlinien hergeben.“

Umwege führen zu Mehrkosten für die Landwirte

Gerhard Jell (CSU) hakte wegen der Breite nach und kam darauf, dass in den 4,50 Metern auf beiden Seiten ein Seitenstreifen von je 20 Zentimetern eingerechnet ist. „Auf 4,10 Meter sind die Abstände nicht einzuhalten“, sagte er und sprach von einer „Katastrophe“.

„Sie provozieren, dass die Landwirte durch den Ort fahren müssen“, sagte Franz Praßberger (ÜWG). Die Umwege bedeuteten höheren zeitlichen Aufwand und somit mehr Kosten für die Landwirte. Worauf Rauscher erwiderte, dass die Gemeinde der Bahn die „Umwegbeziehungen“ aufzeigen solle. Peter Pertl (CSU) warf der Bahn vor, ein falsches Bild von den Verkehrsströmen zu haben und sagte, dass ein Gutachen fehle. „Wir wissen aus Verkehrszählungen, wer über den Bahnübergang fährt.“ Der Verkehr sei schwach. Wenn sich 20 Fahrzeuge auf die Bundesstraße verlagerten, wo 10 000 Fahrzeuge unterwegs seien, sei dies vernachlässigbar.

Rasengittersteine statt Versiegelung

Josef Genghammer (Grüne) erkundigte sich, ob der Graben verrohrt werden müsse und sprach ein Biotop an. Er wollte wissen, ob die Naturschutzbehörde dies akzeptiere. Genghammer schlug Rasengittersteine auf dem Grund der Bahn vor vor, auf denen ein Traktor problemlos fahren könne. Damit bliebe Fläche unversiegelt. Rauscher entgegnete, naturschutzrechtliche Belange würden im Planfeststellungsverfahren geprüft. Der Graben werde nur in kleineren Abschnitten an Engstellen verrohrt.

Jede Seite blieb bei ihrer Position

Weitere Gemeinderäte schlossen sich der Argumentation ihrer Vorredner an. Sowohl sie als auch Rauscher hielten sichtlich an ihrer Haltung fest. Am Ende fasste die Bürgermeisterin gegenüber Rauscher zusammen: „Der Gemeinderat ist nicht glücklich mit der Lösung, uns wäre ein Erhalt des Bahnübergangs Wiedendorf lieber, das gebe ich ihnen so mit.“

Nachdem der Bahnvertreter verabschiedet war, fasste das Gremium seinen Beschluss. Dieser beinhaltete, dass, falls die Auflassung nicht zu verhindern sei, eine durchgehende Verbindung bis in den Ort gewünscht ist.

Biebl-Daiber sagte, der Landkreis Rosenheim sei in die Angelegenheit einbezogen. Sie bat Ursula Zeitlmann (Grüne), sich im Kreistag für das Anliegen der Bernauer einzusetzen.

An benachbarten Querungen von Prien bis Grassau Signal- und Bautechnik ertüchtigt:

Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) wies einführend auf ein Treffen im Sommer mit der Bahn und den betroffenen Landwirten hin. Die Bahn habe damals vorgeschlagen, Ausweichmöglichkeiten (Buchten, Anm. d. Red.) zu bauen. „Da wären die Landwirte dann den ganzen Sommer gestanden“, sagte Biebl-Daiber trocken angesichts des immensen Radfahreraufkommens rund um den Chiemsee. Dr. Rauscher Manfred Rauscher von der DB Netz schilderte, der Bahnübergang Wiedendorf sei einer von vier „eng aufeinander folgenden“ zwischen Prien und Grassau. Die Bahnstrecke sei bedeutend für den Güterverkehr, Teil einer internationalen Strecke und stark befahren.

An drei dieser angesprochenen Bahnübergänge habe die Bahn Signal- und Bautechnik erneuert. Der Bahnübergang Weisham im Norden und eine Überquerungsmöglichkeit in Bernau im Süden befänden sich jeweils rund 900 Meter entfernt. Rauscher sprach deshalb von „gut zu befahrenden Möglichkeiten“ als Alternativen. An den Bahnübergängen müsse die Verkehrssicherheit gewährleistet sein, führte er weiter aus. Drei Millionen Euro würde die Erneuerung des Bahnübergangs Wiedendorf kosten, der Wegeausbau auf 900 Metern Länge dagegen komme auf rund 400 000 Euro. Die Bürgermeisterin sagate im Nachgang der Sitzung gegenüber den OVB-Heimatzeitungen, dass sich das Eisenbahnkreuzungsgesetz geändert habe. Die Gemeinde hätte bisher ein Drittel der Kosten übernehmen müssen, das müsse sie nun nicht mehr. Bund und Länder übernähmen diesen Anteil. Deshalb unterlägen Maßnahmen strengen Prüfungen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit. Bei den für den Radwegausbau notwendigen Grundstücken lägen nur zwischen Weisham und Wiedendorf Zugeständnisse vor.

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