Inzeller Ranggler kämpfen lieber gegen einen sichtbaren Gegner als einen heimtückischen Virus

Bis auf Weiteresgedulden müssen sich die beiden bärenstarken Inzeller Hans Schwabl (links) und Stefan Plenk, hier bei einem internen Duell auf der Bichler-Alm. Wann die Ranggel-Saison 2020 beginnt, steht noch in den Sternen. Schick

Corona hat auch die Brauchtumssportler fest im Griff: Noch ehe der gesamte Trainingsbetrieb im Mattenraum der Ruhpoldinger Sporthalle richtig aufgenommen werden konnte, machten den Rangglern die allgemeinen Beschränkungen einen dicken Strich durch die geplante Saisonvorbereitung.

von Ludwig Schick

Ruhpolding/Inzell –  „Als die Maßnahmen bekannt wurden, haben wir gleich reagiert und das Training wieder abgeblasen,“ kommentiert Vorstand Hans Schwabl aus Inzell das Vorgehen im Verein. Dabei ist seinen Worten zufolge das erste Training Anfang März perfekt angelaufen: „Alle waren hochmotiviert und froh, dass es nach der langen Winterpause endlich wieder losgeht.“ Doch jetzt steht der Mattenraum bis auf Weiteres nicht zur Verfügung; die Ruhpoldinger Sporthalle ist geschlossen.

Im Klaren über Ernst der Lage und hohes Ansteckungsrisiko

Bei allem Ärger um den sportlichen Ausfall – die Ranggler sind sich natürlich im Klaren über den Ernst der Lage und das hohe Ansteckungsrisiko. Denn – ähnlich wie beim Ringen oder Judo – kommen sich die Trainingspartner zwangsläufig sehr nahe, um Würfe, Griffe und Kampftechniken auszuprobieren. Da geht halt nichts ohne den klassischen Zweikampf. Momentan bleibt den Sportlern nichts anderes übrig, als auf individuelles Training umzusteigen.

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Davon ist auch Hans Schwabl betroffen, der nicht nur das Training leitet, sondern auch als bester bayerischer Pfoadathlet in der Leistungsklasse I die weißblauen Farben in Österreich und Südtirol vertritt. Derzeit hält er sich mit Krafttraining und Ausdauereinheiten fit. „Aber das I-Tüpfelchen ‚Mann gegen Mann‘ fehlt einfach, das kannst du auf Dauer nicht kompensieren“, beschreibt Schwabl die ungute Situation.

Da bleibt es nur ein schwacher Trost, dass es der Konkurrenz von den südlichen Nachbarn nicht anders ergeht. Kein Training, keine Turnhallen, kein Alpencup, kein Saisonstart. Der wäre für den 26. April in Piesendorf im Pinzgau geplant gewesen und auch das große Gauder-Ranggeln Anfang Mai im Zillertal fällt endgültig ins (Corona)-Wasser. Und es hagelt weitere Terminabsagen: Tirol und Salzburg mussten bereits ihre traditionellen Hallen-Mannschaftsmeisterschaften ad acta legen.

„Mit Kampfsport ist bei uns bis einschließlich Ende Juni nicht zu rechnen“, schätzt Hans Bernsteiner, langjähriger Obmann des Salzburger Ranggelverbandes die Lage realistisch ein: „Wie und in welcher Form es dann weiter geht steht noch in den Sternen; das werden wir dann mit unseren bayerischen Freunden absprechen.“ Die vier Verbände – Südtirol, Tirol, Salzburg und Bayern – stehen seit vielen Jahren in engem Kontakt. Die wiederum hoffen darauf, dass sich die Krise bis zum Herbst in Luft aufgelöst hat, zumal am 13. September das Alpencup-Ranggeln in Inzell mit etwa 100 Teilnehmern auf dem Programm steht.

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Ob die Bayerische Landesmeisterschaft am 25. Juli auf der Bichler-Alm bei Weißbach und das Alm-Ranggeln in der Schwarzachen bei Ruhpolding am 6. Juni durchgezogen werden können, darüber traut sich in der jetzigen Situation niemand eine verlässliche Prognose abzugeben.

Ähnlich sieht es bei den Fingerhaklern des Chiemgaus aus, deren Hände ebenfalls gebunden sind, was die Wettkämpfe betrifft. So musste bereits die 43. Alpenländische Meisterschaft im Isargau, eines des bedeutendsten Kräftemessens im Alpenraum, auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden, ebenso das Frühjahrshakln im Oberinnviertel.

Männer mit den starken Fingern nicht so beeinträchtigt

Nicht so beeinträchtigt wie ihre Vereinskollegen im Rangglerlager sind die Männer mit den starken Fingern. Sie gestalten ihr Training oftmals als Solisten mit Expandern, eigens konstruierten Zuggeräten oder Federn, um ihre Mittel- und Ringfinger in Form zu bringen. „Wichtig dabei ist die Hornhaut so zu präparieren, dass sie bei Wettkämpfen lange standhält“, so Hakl-Obmann Hubert Untermaier aus Seeon aus eigener Erfahrung. „Um ganz vorne mitzumischen, kommen da schon mal sechs bis sieben kraftraubende Duelle zusammen, ehe man auf dem Treppchen steht.“

Bei aller Anstrengung – über eines sind sich die Brauchtumssportler einig: Lieber kämpfen sie gegen sichtbare Gegner als gegen ein heimtückisches Virus.

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