„Bayern blüht“

Inzeller Naturgarten von Marlene Berger-Stöckl bringt Ministerin ins Staunen

Marlene Berger-Stöckl in ihrem Naturgarten in Inzell.
+
Marlene Berger-Stöckl in ihrem Naturgarten in Inzell.

Sogar Michaela Kaniber hat ihn schon bewundert: Marlene Berger-Stöckls Garten in Inzell ist zwar nur 150 Quadratmeter groß. Aber er hat es in sich.

Von Corina Steffl

Inzell – Den krönenden Abschluss der Reihe über Naturgärten im Chiemgau bildet der nur 150 Quadratmeter große Garten von Marlene Berger-Stöckl, der allerdings vor Leben nur so strotzt. Kürzlich hat ihn sogar die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber mit der Plakette „Naturgarten – Bayern blüht“ ausgezeichnet.

„Es war tatsächlich von Anfang an, also seit wir das Haus in den 90er-Jahren gebaut haben, mein Plan, möglichst viele Lebensräume im Garten unterzubringen“, sagt Berger-Stöckl.

Vögel sind hier willkommen

Am wichtigsten ist ihr das Vogel-Eck mit Weißdorn, Heckenkirschen, einer Kornelkirsche, einem Schneeball und anderen heimischen, Früchte tragenden Sträuchern. Die hat sie gepflanzt, damit die Vögel sich dort verstecken, brüten und ernähren können. „Ich mag einfach Tiere“, erklärt die Inzellerin.

Lesen Sie auch:

Die „Weishamer Spinne“ aus Bernau hinterlässt ihrem Finder ein kleines Geschenk

„Den kleinen Weiher, der allerdings 1,80 Meter tief ist, haben wir anfangs für die Kinder zum Reinspringen angelegt“, sagt die Gärtnerin. Jetzt ist der Teich sehr gut eingewachsen, von Schwertlilien gesäumt und bietet Grasfröschen, Libellen und vielen kleinen Lebewesen ein Zuhause.

Sogar Platz für Hochbeete gibt es auf der nur 150 qm kleinen Fläche.

Totholz bleibt

Der Kirschbaum, der so krank war, dass Marlene Berger-Stöckl ihn schweren Herzens kappen musste, darf als Totholz noch Flechten und Pilzen etc. eine Lebensgrundlage bieten. Auch die Vögel nutzen ihn gerne als Ausguck. „Totholz ist ganz wichtig im Garten, um das Gleichgewicht herzustellen. Vielleicht entdeckt den Stamm auch noch der Specht für sich“, hofft sie.

Ganz wichtig ist der naturverbundenen Frau, dass immer etwas blüht. „Ich bemühe mich vor allem um die Hummeln. Deshalb lasse ich auch die viele Goldmelisse stehen, die eigentlich schon eher wuchert. Aber im Frühling blüht hier alles und die Insekten tanken dort auf.“

Falter und Fledermäuse

Für die Nachtfalter hat sie im Schatten des Zwetschgenbaums ein extra Beet mit Mondviolen, Seifenkraut, Fingerhut und Nachtkerzen angelegt. Dort ist gerade noch genug Licht für diese Pflanzen und Berger-Stöckl kann abends Fledermäuse beobachten, die sich hier einen Falter als Brotzeit schnappen.

Lesen SIe auch:

Freude an allem Leben in Ising: Im Garten kleine Wunder entdecken

Am Haus ranken hohe Ramblerrosen empor. ‚Bobby James‘ und ‚Paul’s Himalayan Musk‘ sind unkompliziert und blühen im Juni so üppig, das Marlene Berger-Stöckl ins Schwärmen gerät: „Man fühlt sich dann wie im Dornröschenschloss. Ich habe überhaupt wahnsinnig viele Rosen im Garten, aber keine Edelrosen. Nur Strauchrosen und Wildrosen, wie Zimt-Rose, Essig-Rose, Bibernell-Rose, die Hagebutten bilden.“

In jedem Winkel hat Familie Berger-Stöckl Plätzchen für Wildtiere eingerichtet. Ob kleine Steinhaufen hinter Sträuchern, Totholzhaufen, den ehemaligen Sandkastenbereich, den nun Blindschleichen bewohnen, oder jede Menge Nistkästen für Vögel am Haus. „Auch unser Holzschuppen ist zur wetterabgewandten Seite offen und ich hoffe, es zieht mal noch wer im Zwischenboden ein.“

Blindschleichen, Igel und Unkraut

Auf dem Kiesbereich davor habe sie schon einmal zwei Igel beobachtet, die sich nicht grün waren. „Sie haben sich zu zwei Stachelbällen geformt und wie Klettbällchen ineinander verhakt“ schmunzelt Marlene Berger-Stöckl. Bei ihr darf sämtliches sogenanntes Unkraut bleiben. Nur wenn es gar zu viel von einer Art wird, reißt sie mal etwas aus oder schneidet es zurück.

Viel geboten

Um möglichst viele Arten unterzubringen, haben Berger-Stöckls ihren Hanichl-Zaun komplett miteinbezogen und bepflanzt. Es wachsen daran Efeu, Geißblatt, Wildrosen, Beerensträucher und wilder Wein.

In den Gemüsebeeten baut sie Fenchel an, aber nicht für sich, sondern für die Raupen des Schwalbenschwanzes: „Ich fühle mich in einem Garten nur wohl, wenn er lebt. Ich mag keine ganz penibel aufgeräumten Gärten.“ Sie sitzt gern am Haus und schaut zu, was in ihrer kleinen Oase passiere. Mehr Platz wäre schön, aber unnötig, sagt Marlene Berger-Stöckl: „Es ist alles da, was ein Garten meiner Ansicht nach braucht.“

Kommentare