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Vereinsvorsitzende Christine Böhm im Gespräch

Für das Chiemgau-Orchester geht es endlich wieder auf die Bühne

Dirigent Matthias Linke (rechts) hat für die Konzerte am Wochenende wieder die musikalische Gesamtleitung. Gastdirigent Christoph Heil dirigiert als Gast das Trompetenkonzert.
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Dirigent Matthias Linke (rechts) hat für die Konzerte am Wochenende wieder die musikalische Gesamtleitung. Gastdirigent Christoph Heil dirigiert als Gast das Trompetenkonzert.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Prien – Die Kultur hat es schwer in Zeiten von Corona. Das Chiemgau-Orchester durchlebt seit zwei Jahren ein Auf und Ab. Am kommenden Wochenende betreten die Musiker nach langer Zeit das erste Mal wieder eine Bühne und dürfen vor Publikum spielen. Die Heimatzeitungen haben mit Christine Böhm, Vereinsvorsitzender des Chiemgau-Orchesters, gesprochen.

Wie ist das Chiemgau-Orchester bisher durch die Corona-Zeit gekommen?

Christine Böhm: Schwierig. Wir mussten fünf Konzerte verschieben. Einmal mussten wir aufgrund der geänderten Vorgaben zwei Wochen vorher absagen und beim Herbstkonzert im November kam drei Tage vor dem Konzert der Hot-Spot-Lockdown im Landkreis Rosenheim. Wir hatten schon Gesamtprobe mit den Profimusikern, Karten waren verkauft, überall war plakatiert.

Damit sind Ihnen vermutlich hohe Unkosten entstanden?

Böhm: Ja, das waren 3000 Euro, die Kosten waren für uns sehr hoch. Wir mussten zum Beispiel ja auch die Profimusiker bezahlen. Zum Glück gab es 1500 Euro vom Staat an Coronahilfen, das hat das Ganze ein wenig abgefedert. Den Rest haben wir aus unseren Reserven finanziert.

Wie groß ist das Chiemgau-Orchester?

Böhm: In voller Besetzung sind wir 60 Musiker. Sie kommen aus dem ganzen Landkreis Rosenheim von Kiefersfelden über Kolbermoor bis Wasserburg, aus dem Chiemgau bis nach Grassau, sogar aus Traunstein. Unser Sitz ist in Prien.

Christine Böhm.

Wo probt das Orchester?

Böhm: Wir proben jetzt im Priener Trachtenheim. Das war auch so ein Problem. Unser eigentlicher Probenraum war in der Waldorfschule Prien. Nachdem wegen Corona die Schulen sehr gefährdet waren, konnten wir dort nicht mehr weiterspielen. Außerdem wurde der Probenraum auch zu klein, wir müssen ja 1,50 Meter Abstand halten. Das war dann echt problematisch. Wir haben im ganzen Landkreis nach neuen Probenmöglichkeiten gesucht. Schließlich hat sich der Trachtenverein bei uns gemeldet, das war unsere Rettung, sonst wären wir daran gescheitert. Der Trachtenraum ist sehr groß.

Wegen der Pandemie sind vermutlich viele Proben ausgefallen in den vergangenen beiden Jahren ...

Böhm: Wir konnten ganz lange nicht proben, zuerst ging das von März bis Ende Juni 2020. Dann kam ab 1. November bis 31. Mai der lange Lockdown. Das war natürlich hart. Uns sind sechs Leute abgesprungen. Seit 7. Dezember proben wir wieder und können das glücklicherweise auch weiter tun. Die 1,50 Meter Abstand werden noch einige Zeit bleiben. Unser Programm für 2022 im Sommer und Herbst steht schon.

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Am Samstag, 22., und am Sonntag, 23. Januar, findet das Neujahrskonzert statt, das ursprünglich das Herbstkonzert gewesen wäre...

Böhm: Das Problem ist bloß, dass nur 25 Prozent Zuschauer in Saal dürfen. Statt 588 sind das jeweils nur 147.

Das wird finanziell eng, oder?

Böhm: Ja. Es gibt ein Sonderprogramm Kultur vom Bund, da haben wir uns beworben. Wir hoffen, dass durch finanzielle Unterstützung unser Defizit abgefedert werden kann.

Sie erwähnten vorab, dass es im Orchester wegen der Impfungen und Test nicht ganz einfach ist. Warum?

Böhm: Als es im September hieß, dass Proben nur noch mit 3G möglich sind, hatten wir schon Mitglieder, die sich nicht testen lassen wollten. Jetzt mit 2Gplus dürfen nur noch Mitglieder mitproben, die genesen oder geimpft und getestet oder geboostert sind. Jedes Orchestermitglied, das nicht geboostert ist, muss vor der Probe einen Test machen. Da gibt es Einige, die sich weigern. Das ist für das Orchester ein massives Problem, weil Musiker dadurch fehlen. Wir haben schon in der ganzen Region gesucht, für das Konzertprogramm noch welche zu finden bei bestimmten Instrumenten, damit wir in entsprechender Besetzung spielen können. Das ist schade, weil im Orchester spürbar die Stimmung kippt. Von Manchen wird das Verhalten als mangelnde Solidarität empfunden. So ein Konzert sind hohe Kosten und ein hoher Aufwand, wir möchten spielen, man muss daheim viel üben. Ich bin gespannt, wenn wieder alle kommen möchten, wie dann die Stimmung ist. Ich kann es nicht beurteilen. Das ist schwierig. Da da ist es bei uns aber nicht anders, wie woanders.

Das Orchester ist besetzt, jetzt steht das Konzert vor der Tür, wie groß ist die Vorfreude?

Böhm: Wir freuen uns jetzt total auf Konzert. Und es ist ein tolles Konzert, nur leider wegen der Beschränkung mit viel zu wenig Zuschauern. Aber es hilft nix. Damit wirklich alle kommen können, die möchten, haben wir zwei Konzerte angesetzt. Es gilt 2Gplus mit FFP2-Maskenpflicht – auch am Platz. Aber wir sind zuversichtlich, dass die Leute trotzdem kommen. Wir freuen uns, endlich spielen zu können. Wir haben schon so lange geübt. Den Beethoven üben wir schon seit 2020.

Was ist das Schöne am Spielen im Orchester?

Böhm: Das Schöne ist das Gemeinschaftsgefühl. Es ist immer lustig in den Proben. Wenn jemand falsch oder zu laut spielt, wird nicht geschimpft oder dumm daher geredet, sondern gewitzelt.

Nehmen Sie noch Musikanten auf und wie gut müssen sie spielen?

Böhm: Wir nehmen immer Leute. Wir proben freitags von 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr. Man sollte schon ein bissl spielen können. Supergut muss es nicht sein, aber vier bis fünf Jahre Instrumentenerfahrung sollten es schon sein. Bei uns gibt es alle Altersgruppe. Unser jüngstes Mitglied ist 16 und unser ältestes 90 Jahre alt.

Das Konzert:

Das Herbstkonzert des Chiemgau-Orchesters findet am Samstag, 22. Januar um 19 Uhr, und am Sonntag, 23. Januar, um 17 Uhr, im König-Ludwig-Saal in Prien statt. Das Orchester wird in großer sinfonischer Besetzung auftreten und Werke aus der Klassik, des Impressionismus und der Moderne präsentieren. Den Auftakt bildet der „Bolero“ von Maurice Ravel. Das darauffolgende Trompetenkonzert von Alexander Arutjunjan, aus dem Jahre 1950, zählt zu den meistgespielten Trompetenkonzerten Russlands. Die musikalische Gesamtleitung des Orchesters übernimmt Matthias Linke. Gastdirigent für dieses Werk ist Christoph Heil. Als Abschluss ist die 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven zu hören. Tickets sind in der Tourist Info Prien unter Telefon 0 80 51/96 56 60, per E-Mail an ticketservice@tourismus.prien.de und an der Abendkasse erhältlich. Es gelten die aktuellen Corona-Vorschriften.

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