Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Ein Jahr im Amt

Interview mit Chiemings Bürgermeister Stefan Reichelt – „Meine Erwartungen wurden übertroffen“

Der Chieminger Bürgermeister Stefan Reichelt will an der Ortsumfahrung festhalten.
+
Der Chieminger Bürgermeister Stefan Reichelt will an der Ortsumfahrung festhalten.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
    schließen

Seit einem Jahr ist Stefan Reichelt (CSU) Bürgermeister der Gemeinde Chieming. Der 51-Jährige war zuvor 20 Jahre lang als Produktmanager bei der Firma Kathrein in Rosenheim beschäftigt sowie als Kreisbrandmeister beim Feuerwehrverband Traunstein engagiert. Im Interview zieht er nun eine erste Bilanz.

Herr Reichelt, der Sommer steht vor der Tür, das ohnehin beliebte Chieming kann im zweiten Corona-Sommer wohl wieder mit großem Zulauf von Besuchern rechnen. Mit welchen Gefühlen sehen Sie das?

Stefan Reichelt: „Wir freuen uns als Tourismusgemeinde über die Gäste. Man konnte das bei dem schönen Wetter an Ostern bereits beobachten. Wenn alle die Regeln einhalten, sollte das machbar sein und es ein gutes Auskommen geben.“

Müll sorgt für finanzielle Belastungen

Der Gemeinderat hat beschlossen, die Parkgebühren zu erhöhen, warum?

Reichelt: „Wir haben in anderen Gemeinden nachgefragt und festgestellt, dass wir zu den günstigsten gehören. Hauptgrund waren aber die hohen Kosten für die Bewirtschaftung. Obwohl das natürlich trotzdem immer ein Draufzahlgeschäft bleiben wird. Was uns viel mehr zu schaffen macht, ist, die vervielfachte Menge an Müll zu entsorgen. Der Bauhof ist an den Wochenenden zwei Mal täglich unterwegs, um die Mülleimer zu leeren. Zum Glück bemühen sich die Leute und bringen ihren Abfall zum Mülleimer, da haben wir auch einige stehen. Es tauchte auch schon die Frage auf, ob wir mehr aufstellen. Aber am See will man die Natur genießen und nicht alle 20 Meter einen Mülleimer anschauen. Ich halte die Zahl für ausreichend. Das momentane Bild von den überfüllten Mülleimern trübt natürlich das Bild.“

Wie ist die Stimmung der Hoteliers und Wirte in Chieming angesichts Corona?

Reichelt: „Wie überall kämpfen sie auch bei uns ums nackte Überleben. Zwar geben viele Essen to go aus, aber das ist keine echte Alternative zu einer Bewirtung. Wir haben es in Chieming geschafft, im Haus des Gastes ein Testzentrum einzurichten, dort kann man sich zwei Mal die Woche von den Maltesern testen lassen. Dieser Test gilt 24 Stunden und wir haben das auch vor dem Hintergrund einer baldigen erhofften Öffnung der Außengastronomie gemacht.“

Verkehr: Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden

Chieming kämpft wie die Nachbargemeinden mit einem hohen Durchgangsverkehr. Inklusive Ihrer Person haben sich fünf Bürgermeister zusammengetan und setzen sich für Verbesserungen ein. Gibt es schon Ideen oder Maßnahmen?

Reichelt: „Es macht Sinn, die Angelegenheit überörtlich zu betrachten und eine überregionale Lösung zu suchen, um nicht Nachbargemeinden zu belasten. Wir wollen den Verkehr nicht aus Chieming verbannen. Viele Leute fahren aus dem Chemiedreieck durch Chieming auf die Autobahn oder in die Berge. Das ist kein Vorwurf an die Ausflügler. Unsere Aufgabe ist, unseren Ort zu entlasten. Leider gibt es noch keine Maßnahmen oder eine Lösung. Wir treffen uns weiterhin auch mit anderen Behörden, um eine echte Lösung zu finden. Dabei möchte ich an der Ortsumfahrung festhalten.“

Die Gemeinde investiert elf Millionen Euro in die Sanierung der Schule. Könnten Steuereinbrüche aufgrund Corona zu finanziellen Engpässen führen?

Reichelt: „Wir haben rückläufige Einnahmen heuer schon berücksichtigt im Haushalt. Wir hoffen, dass wir einigermaßen richtig liegen und keine bösen Überraschungen erleben.“

Traditionen sollen schnellstmöglich wieder gelebt werden

Auf Gut Ising fand vor kurzem wieder ein hochkarätiges Reitturnier statt, Zuschauer waren wegen Corona nicht zugelassen. Könnte Corona nachhaltige Schäden hinterlassen bei Einrichtungen und Vereinen?

Reichelt: „Das muss man differenziert betrachten. Corona ist momentan für viele Institutionen belastend, auch finanziell. Aber ich denke, man kann sich schnell erholen, obwohl ich nicht glaube, dass man Verluste aufholen kann. Bei den Vereinen sehe ich das dramatischer. Seit einem Jahr kann man dort nicht aktiv sein. Als Gemeinde spüren wir, wie wichtig die ehrenamtliche Arbeit für die Gesellschaft ist. Ich hoffe auf die Bürger und Mitglieder, dass sie sich auch nach Corona wieder engagieren. Von Seiten des Gemeinderats und der Gemeinde werden wir bestmöglich unterstützen, dass vor allem auch unsere Traditionen schnellstmöglichst wieder gelebt werden können.“

Wie lautet Ihr persönliches Fazit nach einem Jahr im Amt als Bürgermeister?

Reichelt: „Abgesehen vom Lockdown sind meine Erwartungen übertroffen worden. Ich war vorher schon Gemeinderat und interessiert. Ich bin sehr positiv überrascht von der Arbeit, auch wenn man sich momentan wegen Corona noch nicht entfalten kann, wie man möchte. Die Bürgernähe war mit ein Grund, warum ich kandidiert habe. Leider sind aktuell keine Sprechstunden möglich. Der Zusammenhalt in der Verwaltung und im Gemeinderat Chieming ist echt gut trotz der momentanen Widrigkeiten. Aus meiner Sicht arbeiten wir harmonisch und konstruktiv zusammen. Natürlich gibt es auch mal unterschiedlich Meinungen, aber es kommt immer darauf an, wie man sich artikuliert. Der Respekt vor einander ist sehr groß und die Arbeit macht riesigen Spaß.“

Die größten Herausforderungen für Chieming

Was sind aus Ihrer Sicht die nächsten großen Herausforderungen in Chieming?

Reichelt: „Das Wichtigste ist, dass wir die Inzidenzen niedrig halten können oder sie weiter runtergehen. Von unserer Seite werden wir alles tun, um Gastronomie und Handel bestmöglich zu unterstützen, zum Beispiel durch eine unbürokratische Erweiterung der Freischankflächen. Für die Schulkinder haben wir dank Unterstützung im Haus des Gastes und im Pfarrsaal Klassen untergebracht, damit sie jetzt möglichst im Präsenzunterricht bleiben können. Wir bleiben dran, zu ermöglichen, was möglich ist. Es ist unsere Aufgabe, Lösungen zu finden, um die Bürger bestmöglich zu unterstützen.

Außerdem ist es wichtig, mit der Schulsanierung weiterzukommen. Die Materialpreise sind ja leider gestiegen, aber wir sind in gutem Kontakt mit dem Architekten und liegen im Zeit- und Finanzplan.“

Zur Person:

Chiemings Bürgermeister Stefan Reichelt ist nach wie vor aktiver Feuerwehrler und Vorsitzender beim Schützenverein Almarausch, leidenschaftlicher Läufer und – so bald dies wieder möglich ist – bei Triathlon-Wettkämpfen dabei. Für ihn zähle aber eher der persönliche Ansporn, eine Mitteldistanz zu schaffen, und das Motto „Dabei sein ist alles“, erzählt er im Gespräch. Er freue sich jedenfalls schon auf den nächsten München Marathon. Reichelt ist verheiratet und hat drei Kinder zwischen zwölf und 18 Jahre.

Mehr zum Thema

Kommentare