Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Jahresversammlung bestätigt Helge Holzer als Vorsitzende

Initiative „Rettet den Chiemsee“: Die unbequemen Rufer gegen Großprojekte und für Naturschutz

Der Vorstand der Bürgerinitiative „Rettet den Chiemsee“: Michaela Messerschmidt, Manfred Dederichs, Irmgard Beckelmann, Dr. Gertrud Zacherl und Helge Holzer (von links).
+
Der Vorstand der Bürgerinitiative „Rettet den Chiemsee“: Michaela Messerschmidt, Manfred Dederichs, Irmgard Beckelmann, Dr. Gertrud Zacherl und Helge Holzer (von links).
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
    schließen

Seebühne Prien, Hafen in Chieming, „Bauwahnsinn Autobahnausbau“: Der Bürgerinitiative „Rettet den Chiemsee“ gehen die Themen nicht aus.

Prien – Bei den Neuwahlen auf ihrer Jahresversammlung bestätigten die Mitglieder der Bürgeraktion „Rettet den Chiemsee“ einmal mehr ihre erste Vorsitzende Helge Holzer. Sie war vor 39 Jahren Gründungsmitglied und steht seitdem an der Spitze. Die frühere, langjährige Priener Marktgemeinderätin hat trotz ihrer 76 Jahre noch nichts von ihrem Elan eingebüßt. Die OVB Heimatzeitungen sprachen mit ihr über ihre Rolle als unbequeme Protestlerin und über zahlreiche Vorhaben, gegen die die Initiative Sturm gelaufen ist.

Gegen Sportzentrum am Chiemseeufer

Die frühere Deutschdozentin am Goetheinstitut ist in Chieming aufgewachsen und kehrte nach mehrjährigen Aufenthalten in Frankreich und Südafrika mit ihrem Mann Wolfgang, einem Physiker, im Jahr 1979 nach Prien an den Chiemsee zurück. Gerade zu der Zeit sollte ein Sportzentrum nahe des Ufers gebaut werden, erinnert sie sich. Das wollte sie verhindern und so gründete sie mit Gleichgesinnten die Bürgerinitiative zur Landschaftserhaltung des Chiemsee-Westufers. Die Naturschützer setzen sich seitdem für sanften Tourismus und Nachhaltigkeit ein und wehren sich gegen Großveranstaltungen.

Das könnte Sie auch interessieren: OVB-Themenseite Prien

Rundherum habe es noch weitere ähnliche Bewegungen gegeben, erinnert sich Holzer, etwa die Initiative „Rettet die Alz“, als in Seeon-Seebruck ein Klärwerk geplant worden sei. Der Chiemsee habe damals bekanntermaßen noch eine schlechte Wasserqualität aufgewiesen. „Es war dramatisch“, so Holzer. Auch den Seegemeinden war dies bekannt und so gründeten sie den Vorläufer des späteren Abwasser- und Umweltverbands (AUV). Sie stemmten später gemeinsam das Großprojekt Ringkanal und die gemeinsame Kläranlage in Stiedering der Gemeinde Rimsting.

Lesen Sie auch: Schlamm aus Priener Hafenbecken soll im Chiemsee bleiben: Umweltschützer protestieren

Die Prienerin zählt Projekte aus dem Lauf der vergangenen Jahrzehnte auf, gegen die die Bürgerinitiative ankämpfte, etwa einen geplanten Hafen in Chieming, die Seebühne in Prien, gegen den Verbau des Westufers oder für ein Naturschutzgebiet am Geigelstein. Immer hätten sich auch Protestierende vor Ort gefunden, erzählt Holzer, und heute ist Vieles längst Geschichte oder umgesetzt. „Ich würde nie sagen, dass das unser Verdienst ist“, so die Vorsitzende weiter. „Aber man steuert seinen Teil bei“, ist sie überzeugt. Die Bürgerinitiativen rund um den Chiemsee seien längst in der Bürgeraktion „Rettet den Chiemsee“ aufgegangen. Die Mitgliederzahl liege stabil bei um die 100.

Sechsspuriger Autobahnausbau auf der Protest-Agenda

„Seit Ende der 80er Jahre“ steht laut Holzer der sechsspurige Autobahnausbau im Fokus, den die Bürgerinitiative als „Wahnsinn“ ablehne. Die Mitglieder hätten schon vor 30 Jahren in Frasdorf dagegen demonstriert und im Laufe der Jahre sogar ein Gutachten bezahlt, das als Alternative vier Spuren plus zwei Standstreifen untersuchte, die nach Überzeugung der Naturschützer ausreichen und weniger Fläche verbrauchen würde. Holzer spricht von „Bauwahnsinn“.

Nach wie vor seien laut Holzer aber auch die Reinhaltung des Chiemsees und seiner Zuflüsse sowie der Schutz der Uferzonen ein Hauptaugenmerk. Ein aktuelles Thema ist zum Beispiel auch die Unterstützung der Initiative „Rettet die Kampenwand“, die die Erneuerung der Kampenwandbahn äußerst kritisch sieht.

Verstorbener verdienter Mitglieder gedacht

Bei der Jahresversammlung der Bürgerinitiative „Rettet den Chiemsee“ war auch vier Mitgliedern gedacht worden, die in den zurückliegenden eineinhalb Jahren verstorben waren. Dies waren Karl Lindner aus Rimsting, Hans Steinbichler aus Hittenkirchen, Irmela Scheidl aus Grassau und Vera von Studnitz aus Ottakring. Ihnen allen bescheinigte Holzer „unglaubliches Engagement“.

„Anfeindungen nicht persönlich nehmen“

Wie fühlt es sich an, immer in der Rolle des unbequemen Kritikers zu sein? Darauf antwortet Holzer: „Ich habe viele Anfeindungen erlebt, man darf das nicht persönlich nehmen.“ Man müsse kämpfen, bei der Sache und fair bleiben und „immer wieder eine Seite umblättern“. Weiter erklärt sie: „Man kriegt auch sehr viel Zuspruch und trifft furchtbar nette Leute.“

Im Übrigen kann die Bürgeraktion „Rettet den Chiemsee“ auch anders, als nur kritisieren. Alle zwei Jahre verleiht sie den Dr.-Friedrich-Steding-Preis für Zivilcourage. Unter den Preisträgern war zuletzt vor der Corona-Pandemie Naturschützer Hermann Eschenbeck aus Marquartstein. Der langjährige Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz Traunstein setze sich als „Mutmacher“ seit Jahrzehnten konsequent, ausdauernd, kompetent und kreativ für ein nachhaltiges Leben und Wirtschaften ein, sagte Hollzer damals. Momentan laufen die Überlegungen für die Preisverleihung im kommenden Jahr.

Zum aktuellen Stand der Planungsabschnitte des Autobahnausbaus:

Zum aktuellen Sachstand für den Ausbau der A8 gab die Pressestelle der Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern, auf Nachfrage folgende Auskunft zu den einzelnen Planungsabschnitten: Demnach befindet sich der Bereich A99 Anschlussstelle Ottobrunn vom Autobahnkreuz Süd bis zum Hofoldinger Forst im Vorentwurf der Aufstellung. Bis Holzkirchen sei ebenfalls der Vorentwurf in Aufstellung, allerdings wurde der Bau der Anschlussstelle vorgezogen und sei in Arbeit. Bis zur Leitzachbrücke gebe es momentan keine Planung. Weiter Richtung Süden bis zum Irschenberg (Dettendorf) sei die Prüfung durch das Bundesverkehrsministerium abgeschlossen, die Zustimmung der Zentrale der Autobahn GmbH stehe noch aus, nächster Schritt sei die Erstellung der Planfeststellungsunterlagen.

Im Bereich von Dettendorf bis zum Autobahndreieck Inntal gebe es keine Planung, ebenso beim Inntaldreieck selbst. Von Rosenheim bis zum Bernauer Berg würden derzeit die Einwendungen im Planfeststellungsverfahren bearbeitet. Zwischen Bernauer Berg und Felden warte man auf die Zustimmung des Bundesverkehrsministeriums zum Vorentwurf. Wieder „ohne Planung“ sei der Sachstand von Felden bis Grabenstätt. Weiter Richtung Reichenhausen würden die Planfeststellungsunterlagen erarbeitet. Von Reichenhausen bis Vogling (Siegsdorf) sei der Vorentwurf in Bearbeitung. Die genannten Maßnahmen seien im Bundesverkehrswegeplan 2030 imVordringlichen Bedarf mit Engpassbeseitigung. Von Siegsdorf bis zur Bundesgrenze seien die Maßnahmen momentan im Weiteren Bedarf zugeordnet.

Mehr zum Thema

Kommentare