In Erlstätt haben sich Kohlbecks eine Oase für jede Lebenslage geschaffen

Ein idyllisches Plätzchen am plätschernden Bach. Steffl
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Ein idyllisches Plätzchen am plätschernden Bach.

Es gibt Gärten, die sind viel mehr als Ansammlungen von Pflanzen. Zum Beispiel die Oase des Ehepaars Kohlbeck in Erlstätt: Das zeigt schon das Schild mit der Auszeichnung „Lebensraum naturnaher Garten“ von 1996. Heuer wurde der Garten im Zuge des Projekts „Naturgarten – Bayern blüht“ erneut ausgezeichnet.

Erlstätt – Schon der schattige Vorgarten von Anita und Paul Kohlbeck in Erlstätt lädt mit einem lauschigen Sitzplatz ein, die Natur zu genießen. Rosen, ein Apfelbaum, Herbstanemonen, Akeleien, Zwiebelblumen und einige mehr sorgen dafür, dass es zu jeder Jahreszeit etwas zu sehen gibt. Ein kleines Vogelbad belebt im wahren Sinne des Wortes die Situation: „Wir freuen uns immer über die Amsel, die hier zum Baden kommt, sie veranstaltet ein richtiges Spektakel“ berichtet Paul Kohlbeck.

„Arbeit im Garten ist für mich keine Arbeit“

Kohlbecks Garten ist aber nicht nur für Pflanzen und Tiere da, auch seine Besitzer schöpfen viel Kraft daraus. Anita Kohlbeck erzählt: „Gärten verändern sich ständig, aber auch immer mit uns Menschen. Die Arbeit im Garten ist für mich keine Arbeit. Ich genieße die Zeit im Garten und habe ihn noch nie als Belastung empfunden.“

Sie ist gelernte Erzieherin und hat sich an der Gundermann-Schule zur Kräuterpädagogin ausbilden lassen. 2019 erkrankte sie schwer und ist überzeugt: „Mein Garten und meine Kräuter haben mich gerettet“. Heute geht es ihr wieder gut und sie verarbeitet allerlei Kräuter und Heilpflanzen aus ihrem Garten zu kulinarischen Genüssen oder Salben und Tees. „Eine meiner Lieblingspflanzen ist der Gute Heinrich. Seine Blütenrispen schmecken toll mit Schmand als Füllung in Tomaten.“

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Viele kleine Sitzplätze sind über den Garten verteilt. „So finde ich je nach Tages- und Jahreszeit oder auch nach Stimmung das richtige Eck, an dem ich mich wohlfühle“, erklärt Anita Kohlbeck. Während sie den Sitzplatz im Süden vor dem Haus bevorzugt, wo man einen guten Ausblick über das Gemüsebeet hinweg in die Landschaft hat, ist der Lieblingsplatz von Paul Kohlbeck die Sitzgruppe am kühlen Bach, der den Garten durchquert. „Letzthin ist ein Igel unter meinem Tisch hindurchgewandert und wackelte zum Trinken die Stufen hinunter an den Bach“, freut sich Kohlbeck.

Im klaren Wasser des Bachs schwimmen sogar Fischlein, an seinem Ufer wachsen Wildpflanzen wie Baldrian, Mädesüß, Frauenmantel, Alant und die Echte Brunnenkresse, aber auch einiges, was Anita Kohlbeck bewusst dort angesiedelt hat. Etwa das Seifenkraut, das Nachtfalter anlockt, oder den Mönchspfeffer, eine wirksame Heilpflanze bei Frauenleiden.

Gartenbesitzerin Anita Kohlbeck und ihr mächtiger Fenchel. Steffl

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An die Bachvegetation schließt sich ein Gehölzsaum an, der viel Wildobst wie Brombeeren, Hagebutten und Kornelkirschen produziert. „Meine Frau macht ein fantastisches Gelee aus den Kornelkirschen“, schwärmt Paul Kohlbeck.

Im anschließenden wildenBrennnesseleck dürfen sich die Brennnesseln ungestört vermehren. „Sie sind meiner Frau sehr wichtig. Nicht nur zur Herstellung von Brennnesseljauche als organischer Dünger, sondern ebenso als vielseitiges Heil- und Gemüsekraut. Sie erntet auch die Samen und macht daraus ein Gewürzsalz, das prima zu Tomaten oder zum Frühstücksei passt.“

Die Trockenmauer, die den Hanggarten abstützt, ist mit Kräutern bewachsen: Rosmarin, Winter-Bohnenkraut, Ysop, Thymian und einige weniger geläufige, wie Guter Heinrich oder Andorn. Ein paar Eidechsen verstecken sich in den Ritzen der Mauer.

Bei Anita Kohlbeck gibt es keine strikte Trennung, was wo zu wachsen hat. So finden sich in den Stauden- und Kräuterbeeten auch bunter Mangold und Radicchio. „Ich lasse auch vieles versamen, gerade auch Salate. Feldsalat zum Beispiel wächst bei mir überall in den Rabatten zwischen den anderen Pflanzen. Er hat sich selbst ausgesät und ich kann jetzt immer mit der Schüssel durch den Garten wandern und ernten“ freut sich die Hobbygärtnerin.

„Ungeheuer viel Energie“

Es steht auch ein riesiger Fenchel an der Südseite vor dem Haus. „Den lassen wir absichtlich stehen, es kommen dann die Distelfinken und holen sich die Fenchelfrüchte und es riecht auch toll, wenn man daran vorbeigeht. Ich finde, es hilft einem zu sehen, wie vieles von alleine kommt und sich positiv entwickelt. Mir gibt es ungeheuer viel Energie, im Garten zu sein“.

Noch ein Tipp von Anita Kohlbeck für die Erkältungssaison:

„Der Echte Eibisch ist eine Wunderwaffe gegen Erkältungskrankheiten. Die getrocknete Wurzel mit kaltem Wasser aufgießen und alles langsam erwärmen, nicht kochen lassen. Abseihen und schluckweise trinken.“ Der Echte Eibisch ist eine Staude, lässt sich auf den ersten Blick aber leicht mit dem verwandten strauchigen Hibiskus verwechseln, den man im deutschen auch (Garten-) Eibisch nennt. Von Letzterem werden aber eher die Blüten und Blätter verwendet.

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