Ausflügler nutzen die Alz bei Seebruck offensichtlich als Müllhalde – das ist gefährlich

Ein verrostetes, kaputtes Fahrrad ist hier zutage befördert worden.
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Ein verrostetes, kaputtes Fahrrad ist hier zutage befördert worden.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Rund 60 Freiwillige haben aus der Alz zwischen Seebruck und Truchtlaching sagenhafte 1,6 Tonnen Müll geborgen. Neu ist nicht, dass der Mensch Flaschen, Kronkorken und Plastiktüten am Fluss „vergisst“. Was die Taucher aber noch alles ans Ufer gebracht haben, macht fassungslos.

Seebruck – Einheimische, Tagesausflügler aus benachbarten Landkreisen sowie Touristen von nah und fern genießen das Naturjuwel „Oberes Alztal“, oft in Verbindung mit einer Schlauchbootfahrt von Seebruck nach Truchtlaching. Jedoch hat dieser Freizeitspaß auch Schattenseiten, „die vor allem die Einwohner der Gemeinde Seeon-Seebruck-Truchtlaching zu spüren bekommen“, bedauert Bürgermeister Martin Bartlweber. Müll im und am Wasser zwischen Seebruck und Truchtlaching sei ein großes Problem.

Schlauchboote und Grillgestelle

Freiwillige Helfer waren den ganzen Sonntag im Einsatz, um Müll aus der Alz zu fischen. Lamminger

„Alte Sonnenbrillen, Lebensmittelverpackungen, leere Flaschen und Kronkorken sind schon bekannte Hinterlassenschaften“, sagt Anna Esterlechner von der Gemeinde, die auch Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Alz ist. „Neuerdings fänden sich jedoch auch immer öfter verwaiste Schlauchboote, Luftmatratzen, Grillgestelle und andere Gebrauchsgegenstände, die in der Natur zurückgelassen werden.“

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Hiergegen soll mit der Aktion „Alzsäuberung“ ein Zeichen gesetzt werden, um die Menschen, die dieses einmalige Naturjuwel genießen wollen, wachzurütteln und sie für den Schutz der Alz sensibilisieren. „Man muss auch an die nächste Generation denken, um ihr die Alz so gut erhalten wie möglich zu übergeben“, findet Esterlechner.

Schnorchler, Taucher und SUPs im Einsatz

Deshalb machten sich den ganzen Sonntag lang rund 60 Beteiligte die Mühe, die Alz von 1,6 Tonnen Unrat zu befreien.

Mit dabei waren Mitglieder der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und der Wasserwacht sowie des Anglerbunds Chiemsee, der mehrer Teilabschnitte der Alz gepachtet hat. „Ein voller Erfolg“ freuten sich die Organisatoren der Aktion, Markus Schönlinner von der Wasserwacht Seebruck, Christoph Augsten von der DLRG Truchtlaching und Dr. Ulrich Zißler vom Anglerbund Chiemsee.

Taucher und Schnorchler halfen mit, Abfall vom Grund der Alz zu bergen.

Die eingesetzten Schnorchler, Taucher von der Tauchschule Pionier, SUPs und Boote sowie die Helfer, die zu Fuß das Ufer abgegangen sind, förderten sogar Autoreifen und Bügelbretter zutage.„Wir haben sogar Iphones und eine Apple Watch aus dem Wasser geholt“, erzählt Fritz Hörauf von der Chiemgauer Tauchschule Pionier, die seit rund 20 Jahren die Rettungstaucher der DLRG ausbildet. Freilich seien die Geräte nicht mehr zu gebrauchen gewesen.

„Es geht schnell was über Bord“

So ungewöhnlich findet Hörauf die Funde allerdings nicht: „Beim Schlauchbootfahren ist es schnell passiert, dass so ein Gegenstand über Bord geht.“ Dass selbst so ein großes Trum wie ein Schlauchboot „verloren“ gehen kann, ist für ihn nachvollziehbar: „Die Strömung der Alz ist teilweise stark, da muss man schon ein guter Schwimmer sein.“ Er meint, dass die meisten Abfälle eher aus Versehen im Wasser ihr Dasein fristeten, „mal abgesehen von den vielen Flaschen, die hätte man leicht entsorgen können.“

1,6 Tonnen Müll landeten am Ende des Tages im Transportwagen, den die Gemeinde Seebruck bereitstellte.

Sorge bereiteten den ehrenamtlichen Helfern die vielen spitzen Gegenstände, die laut Christoph Augsten von der DLRG im Wasser und im Schlamm gefunden wurden, darunter auch Metallsplitter. Sie könnten schlimmstenfalls Tiere und Badende verletzen.

Am Sonntagabend dann war der von der Gemeinde organisierte Transporter und ein ganzer Anhänger voll mit Müll beladen, der tags darauf fachgerecht entsorgt wurde.

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Transporter und ein Anhänger voll Müll

Freude gab es darüber auch in den Sozialen Medien. „Mit einer enormen Gemeinschaftsleistung konnte die Alz zwischen Seebruck und Truchtlaching von großen Mengen Müll befreit werden. Insgesamt waren es zwei ganze Anhänger voll!“ postete Bürgermeister Bartlweber stolz auf seiner Facebookseite. „Natürlich war das ein erfolgreicher Tag für unsere Natur und unsere Gemeinde, aber noch besser wär’s, wenn ein solcher Ganztages-Einsatz gar nicht erst nötig wird. Danke Euch allen für Euer ehrenamtliches Engagement!“, schrieb der Rathauschef weiter und mahnte die Umweltsünder direkt an.

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