In den Tiroler Achen: Gemeinde Bernau befürwortet Stechmückenbekämpfung

Eine präparierte heimische Stechmücke. In der Müncung der Tiroler Achen werden die Insekten jetzt mit dem Wirkstoff Bti bekämpft.Nach Mückenbekämpfung am Chiemsee warnt Biologe: Starkregen fördert Plagen
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Eine präparierte heimische Stechmücke. In der Müncung der Tiroler Achen werden die Insekten jetzt mit dem Wirkstoff Bti bekämpft.Nach Mückenbekämpfung am Chiemsee warnt Biologe: Starkregen fördert Plagen
  • vonElisabeth Kirchner
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Mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit votierte der Bernauer Gemeinderat bei seiner jüngsten Sitzung für eine Beteiligung bei der Stechmückenbekämpfung durch den Abwasser- und Umweltverband Chiemsee (AZV). Das Zielgebiet: die Mündung der Tiroler Achen.

Bernau –Dieser Beschluss gelte für die gesamte aktuelle Legislaturperiode, „es sei denn, neue fachliche Erkenntnisse werden bekannt, die eine neue Überprüfung rechtfertigen“. Die Gemeinde Seeon-Seebruck will sich auch wieder an der Bekämpfung der Stechmückenpopulation beteiligen.

Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) hatte zuvor erläutert, dass der jüngste Einsatz vor fünf Jahren stattgefunden habe, und dass erst dieses Jahr aufgrund des Starkregenereignisses im August ein Einsatz durchgeführt werden musste.

Ausführlich informierte die Bürgermeisterin über den Ablauf im Naturschutzgebiet „Mündung der Tiroler Achen“. Nach zweitägigen Schöpfproben und einer Gebietskartierung sei das Gebiet für die Bekämpfung festgelegt worden, wobei darauf geachtet wurde, dass der Bti-Wirkstoff (Bacillus thuringiensis israelensis) gegen Stechmücken, nicht in den See gelangt. Kurz darauf wurde das Bti schon ausgebracht. Die diesjährige Bekämpfung sei durch ein Gutachten des zuständigen Gesundheitsamtes begründet worden, so die Bürgermeisterin weiter. Der Anstieg der Stechmückenpopulation könne zu erheblichen gesundheitlichen Gefährdungen führen, eine Bekämpfung sei im öffentlichen Interesse auch im Sinne von Paragraf 67, Abssatz 1, Nummer 1 des Bundesnaturschutzgesetzes.

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Die Beeinträchtigung des Naturschutzgebietes sei durch die Bti-Ausbringung, unter Beachtung der festgesetzten Auflagen, als nicht erheblich bewertet worden, so Biebl-Daiber weiter. Sie hatte den Gemeinderäten auch einen dreiseitigen Auszug aus der fachlichen Bewertung (damals waren Natur- und Artenschutz erneut intensiv geprüft worden) an die Hand gegeben, den sie aber in der öffentlichen Sitzung nicht verlas. Sie wisse, dass es dazu unterschiedliche Meinungen im Gremium gebe, die auch prompt laut wurden.

Franz Praßberger (ÜWG) meinte, dass es gut sei, dass das Bti nicht direkt in den See gelange, und dass nur im Bedarfsfall gespritzt werde. Alexander Herkner (SPD) erklärte, dass hier nicht Gift, sondern Eiweiß gespritzt werde, und dass alles an strenge Maßgaben gebunden sei. Severin Ohlert (Grüne) hingegen befand die Maßnahme als überzogen. Tümpel trockneten schnell wieder aus, trotz der besonderen Auflagen sei die Bekämpfung „keine Rechtfertigung für solch massive Maßnahmen“. Er zweifle die Wirksamkeit der Spritzung an. Sascha Klein (WMG) wiederum erklärte, dass die Maßnahmen „nicht nur gerechtfertigt, sondern erforderlich“ seien. Der Tourimus mache doch ein Drittel von Bernaus Einnahmen aus, der See sei ein Magnet. Ohlert erklärte daraufhin, dass das Bakterium ja nicht nur gegen Stechmücken vorgehe, sondern auch die Artenvielfalt schädige.

Bürgermeisterin Biebl-Daiber beendete die Debatte. Mit elf zu sechs Stimmen quer durch alle Fraktionen stimmte das Gremium schließlich für eine weitere Beteiligung an der Stechmückenbekämpfung.

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