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Pflegedienstleiterin Ruth Wiedemann zur Situation

Impfpflicht im Chiemseehospiz: „Wir werden deshalb niemanden kündigen“

Pflegedienstleiterin Ruth Wiedemann spricht nach wie vor von Einschränkungen, hohem Arbeitsaufwand und seitenlangen Schreiben.
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Pflegedienstleiterin Ruth Wiedemann spricht nach wie vor von Einschränkungen, hohem Arbeitsaufwand und seitenlangen Schreiben.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Bernau – Zwei Jahre Corona-Pandemie liegen hinter Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Inzwischen gibt es für die breite Bevölkerung trotz hoher Inzidenzen staatliche Lockerungen, weil nach Argumentation der Politik die Omikron-Variante weit weniger schwere Verläufe auslöst. Doch gerade in Einrichtungen wie dem Chiemseehospiz ist von Erleichterung noch nicht viel zu spüren, wie im Interview mit Pflegedienstleiterin Ruth Wiedemann herauszuhören ist.

Wie ist das Chiemseehospiz durch zwei Jahre Pandemie gekommen?

Ruth Wiedemann: Wir haben während der Pandemie, im November 2020, unseren Betrieb aufgenommen, damit könnten wir sagen, wir kennen kein anderes Arbeiten. Unser Anspruch ist aber ein anderer. Sich mit Masken zu begegnen und Berührungen auf das Nötigste zu beschränken wirkt distanziert und ablehnend. In menschlicher Hinsicht also gerade in Begleitungen am Lebensende ein Dilemma.

Wie wirkt sich die Situation auf Angehörige aus?

Wiedemann: Der Austausch von Angehörigen, sich unter Gleichbetroffenen mitzuteilen, wurde durch die Abstandsgebote und Einschränkungen der Anzahl im Aufenthaltsraum verhindert. Die Kontakte insgesamt werden eingeschränkt durch Gebote wie Testpflicht, da überlegt sich jeder, ob er wirklich kommen will. Dabei ist die Tatsache allein Jemanden in einem Hospiz zu besuchen schon mit Ängsten und Hemmung belegt. Obwohl wir Besucher immer zugelassen haben und auch nicht pro Tag eingeschränkt haben, war das Besucheraufkommen meist gering.

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Zeichnet sich jetzt eine Erleichterung ab?

Wiedemann: Eine Erleichterung zeichnet sich dahingehend ab, dass wir zwei mal einen Fall unter den Bewohnern hatten, dass jemand positiv war, sich aber kein weiterer dadurch angesteckt hat und auch das Personal nicht. Damit haben wir erlebt, dass durch unsere Maßnahmen eine Verbreitung verhindert wird. Ansonsten kann von Erleichterung kaum gesprochen werden. Wir tragen ständig FFP2-Masken, wir haben einen hohen Arbeitsaufwand durch Kontrollen und die Testpflicht für Besucher.

Wie ist das fürs Personal?

Wiedemann : Und wir haben immer wieder Personalausfälle durch positiv getestete oder erkrankte Mitarbeiter. Und wir bekommen regelmäßig seitenlange Schreiben über Änderungen von Maßnahmen, die im nächsten Schreiben schon wieder anders sind. Das ist viel Aufwand, der wenig zielführend ist.

Stichwort Impfpflicht für Pflegepersonal: Vor welchen Herausforderungen stehen Sie bei diesem Punkt?

Wiedemann: Bei uns sind einige Mitarbeiter ungeimpft. Es sind so viele, dass ein Betrieb in der jetzigen Form ohne sie nicht aufrechterhalten werden könnte. Es hat niemand deswegen gekündigt und wir werden von uns aus niemanden deswegen kündigen. Dieser Ball liegt beim Gesundheitsamt. Man kann die Sinnhaftigkeit dieser Impfpflicht für ein Hospiz ebenso hinterfragen, wie die Tatsache, dass Bewohner und Besucher keine Impfung brauchen, obwohl sie sich oft auch ohne Masken nahe sind – warum auch nicht, es ist die letzte gemeinsame Zeit, die verbleibt.

Wie sehen die das Thema bei anderen Einrichtungen?

Wiedemann: Dass es eine einrichtungsbezogene Impfpflicht geben kann, ohne dass eine allgemeine Impfpflicht folgt, ist für uns nicht nachvollziehbar. Wir sehen darin eine Hilflosigkeit der Politik, irgendwas tun zu wollen, und eine Abwertung der Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Es bringt uns in eine Situation der Warteschleife. Mehr ist es ja derzeit nicht.

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