Fit ins Frühjahr – Ernährungsexpertinnen aus dem Chiemgau geben Tipps

Eine Detox-Diätliegt derzeit im Trend, viele Prominente machen es vor und ernähren sich wie die Frau im Bild über einen bestimmten Zeitraum zum Beispiel hauptsächlich von Obst- und Gemüsesäften. Dass dadurch Schlacken aus dem Körper geschleust werden, ist wissenschaftlich nicht bewiesen, warnt der Verbraucherservice Bayern, und rät eher zu einer langfristigen Ernährungsumstellung. dpa, Nitsche
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Eine Detox-Diätliegt derzeit im Trend, viele Prominente machen es vor und ernähren sich wie die Frau im Bild über einen bestimmten Zeitraum zum Beispiel hauptsächlich von Obst- und Gemüsesäften. Dass dadurch Schlacken aus dem Körper geschleust werden, ist wissenschaftlich nicht bewiesen, warnt der Verbraucherservice Bayern, und rät eher zu einer langfristigen Ernährungsumstellung. dpa, Nitsche
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Jetzt wollen viele Menschen fit und immun ins Frühjahr starten. Die Chiemgauer Ernährungsexpertinnen Heike Piper vom Verbraucherservice Bayern und Elisabeth Nitsche aus Grassau geben Tipps und erklären, warum das unter Stars so angesagte „Detoxen“ für den Körper eher schädlich ist.

Traunstein/Grassau – Frühlingsfit werden, das Immunsystem stärken und vor dem Sommer noch etwas „Ballast“ abwerfen – trotz oder gerade wegen der Corona-Krise wollen viele Menschen jetzt Körper und Seele etwas Gutes tun. Traditionell wird dazu das Frühjahr genutzt. Auch die aktuelle Fastenzeit nehmen viele zum Anlass, auf etwas zu verzichten, abzunehmen oder zu entgiften – Stichwort „Detox“. Hinter dem Konzept steht die Annahme, dass sich im Körper im Lauf der Zeit sogenannte Schlacken ansammeln – etwa aufgrund hohem Fleisch-, Wurst-, Zucker- und Alkoholkonsum – , die beim Detoxen ausgeschieden werden.

An Schlacken scheiden sich die Geister

Vorsicht, rät hier der Verbraucherservice Bayern aus Traunstein. Detox sei nicht immer die richtige Wahl, auch wenn gerade in der Fastenzeit viele Menschen das Bedürfnis nach einem „Frühjahrsputz von innen“ hätten, so Ökotrophologin Heike Piper vom Verbraucherservice. Viele solcher Trend-Kuren wie Detoxing würden mehr Lebensenergie, ein gestärktes Immunsystem oder eine Gewichtsabnahme versprechen, aber: „Die Wirkung ist fraglich.“ Denn handfeste wissenschaftliche Beweise dafür, dass es Schlacken im Körper wirklich gibt, existierten nicht.

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Medizinisch anerkannt ist dagegen das Vorhandensein von Schadstoffen, nicht zu verwechseln mit Schlacken, klärt Elisabeth Nitsche auf. Die Grassauerin ist Expertin für osteopathische Medizin, Fitness- und Ernährungsberatung und schildert: „Schadstoffe wie Schwermetalle oder Rückstände von Medikamenten setzen sich im Fettgewebe des Körpers ab. Werden nun während einer radikalen Fastenkur Fettpölsterchen abgebaut, werden diese Giftstoffe ins Blut geschwemmt.“ Laut ÄrzteZeitung können auch Umweltgifte wie Dioxine auf diese Weise in den Blutkreislauf gelangen.

Ernährung auf dem Prüfstand

Besser als eine Mode-Diät sei daher, ist Nitsche überzeugt, die tägliche Nahrungsaufnahme unter die Lupe zu nehmen und die Ernährung umzustellen: „Es ist eigentlich ganz einfach und viele Menschen wissen das auch schon: Viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch, ab und zu Fisch und dazu wertvolle Kohlenhydrate aus Vollkorn und nicht aus Zucker“, erklärt die Grassauerin ein bewährtes Konzept. Selbst manche ihrer Kunden, „von denen schon viele alle möglichen Diäten mitgemacht haben“, verblüffe das. Sie sagt aber auch: „Schadstoffe werden trotzdem aus dem Fett gelöst, aber eben nicht radikal und auf einen Schlag, sondern nach und nach. Der Körper kann damit also besser umgehen.“ Wichtig: Die Nieren arbeiteten dann auf Hochtouren und bräuchten Unterstützung, um die überflüssigen Stoffe aus dem Körper abzutransportieren: „Zwei Liter am Tag sollte man trinken.“

Am Besten kaufe man regional, saisonal und wenn es geht, Bio-Ware, empfehlen Nitsche und Heike Piper gleichermaßen. „Auch Tiefkühlgemüse ist absolut in Ordnung“, fügt Nitsche hinzu. Verzichten solle man dagegen weitestgehend auf industriell verarbeitete Nahrungsmittel.

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Alternativen zum raffinierten Zucker

Wer seinen Zuckerkonsum herunter fahren will, dem empfiehlt Nitsche als gesündere Alternative Ahornsirup, Honig „oder Trauben, Bananen und Rosinen“, um Joghurt & Co. zu süßen. „Ich rate dringend von künstlichen Süßstoffen ab“, fügt sie hinzu. Auch das vor wenigen Jahren noch hochgelobte Stevia könne sie nicht mehr uneingeschränkt empfehlen: „Die Nachfrage ist so stark gestiegen, dass Stevia längst überwiegend industriell hergestellt wird.“

Wer jetzt zusätzlich sein Immunsystem stärken will, könne Vitamin-C-reiches Acerola oder Sanddorn zu sich nehmen. Aber: „Wer sich gesund und ausgewogen ernährt, dessen Körper hat im Grunde alle Nährstoffe, um gestärkt zu sein.“ Und Heike Piper vom Verbraucherservice Traunstein betont an dieser Stelle, dass eine Entgiftungsdiät – vor allem wenn sie länger als ein paar Tage dauere – sogar negative gesundheitliche Folgen haben könne: „Langfristig zu detoxen, birgt das Risiko eines Nährstoffmangels, da Vollkornprodukte, proteinhaltige Lebensmittel wie Fisch, Hülsenfrüchte und Milchprodukte sowie pflanzliche Öle fehlen.“

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Erlaubt: Frische Kräuter und Sport

Ihr Fazit: „Aus medizinischer Sicht ist es nicht erforderlich, den Körper regelmäßig durch Detox-Kuren und Nahrungsergänzungsmittel zu entgiften. Ein ungesunder Lebensstil lässt sich dadurch nicht ausgleichen.“

Kräuter gehören für beide Fachfrauen ebenfalls auf den Speiseplan: Aus dem Selbstanbau oder in der Natur gepflückt und gut gereinigt: „Ob junger Löwenzahn im Salat oder ein Tee aus frischen Brennnesselblättern – alle heimischen Kräuter wirken positiv auf den Organismus, sind entzündungshemmend und stecken voller Flavonoide, das sind wertvolle, sekundäre Pflanzenstoffe“, weiß Nitsche. Eines gehört für sie und Piper unbedingt dazu: „Bewegung muss sein, vor allem an der frischen Luft. Das ist ja jetzt auch erlaubt und hilft, das Immunsystem stark zu machen.“

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