Im Zentrum Priens: Neue Anlaufstelle für psychisch Kranke

Die Tür ist auf: Die beiden Sozialpädagogen Bianca Hackl (links) und Martin Kärcher bilden mit Teamassistentin Brigit Anzer den Personalstamm der Caritas-Tagesstätte für psychisch Kranke.
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Die Tür ist auf: Die beiden Sozialpädagogen Bianca Hackl (links) und Martin Kärcher bilden mit Teamassistentin Brigit Anzer den Personalstamm der Caritas-Tagesstätte für psychisch Kranke.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Immer mehr Menschen sind psychisch krank und brauchen Hilfe. Das belegen viele Studien. Die Caritas bietet jetzt eine neue Anlaufstelle: Sie hat in der Seestraße 5c eine Tagesstätte für psychische Gesundheit eröffnet.

Prien – Die beiden Sozialpädagogen Bianca Hackl (47) und Martin Kärcher (61) kümmern sich in der neuen Tagesstätte der Caritas um die Besucher. Hackl hat mit ihrem Kollegen, Psychiater Dr. Christoph Rothmayr im Wechsel schon seit Jahren zweimal wöchentlich im Caritas-.Zentrum in der Alten Post am Bahnhof Beratungsgespräche angeboten und kennt also viele potenzielle Kunden der Tagesstätte schon.

In Rosenheim hat sie schon Erfahrung in einer solchen Einrichtung gesammelt. Kärcher wird seine Zusatzausbildungen als Musik- sowie Kinder- und Jugendtherapeut einbringen. Für „Singen und Spielen mit Musik“, das immer wieder um 13.30 Uhr angeboten wird, hat er schon eine Reihe von Instrumenten im Gruppenraum gesammelt – seine eigene Gitarre inklusive.

Caritas arbeitet in Prien mit Freiwilligkeit

Alles basiert auf Freiwilligkeit, betonen sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Die großzügigen, barrierefreien Räumlichkeiten im Erdgeschoss, die zuvor von der Zentralverwaltung der Schön-Klinikgruppe genutzt wurden, bieten sowohl Platz für Vier-Augen-Gespräche, als auch für Gruppenstunden oder kreative Tätigkeiten. Dreh- und Angelpunkt ist ein großzügiger Cafeteria-Bereich.

Vierer-Tische mit großen Plexiglasscheiben erlauben es, dass sich auch mehrere Besucher zusammensetzen. „Wir duzen uns hier alle, das schafft eine familiäre Atmosphäre“, betont Hackl. Sie ist sich aber auch bewusst, dass es eine Weile dauern könnte, bis die Tagesstätte voll wird.

Prien einer von drei Standorten

Sie erzählt vom zähen Start 2014 in Wasserburg – neben Rosenheim der nächste Standort einer solchen Caritas-Einrichtung. Die Hemmschwelle bei Menschen mit psychischen Problemen ist oft groß, sich Hilfe zu suchen und sich zu „outen“ – Die Lage der Tagesstätte in dem nach drei Seiten geschlossenen Innenhof zwischen Schön-Zentrale und „Glückshäuschen“ kann hier von Vorteil sein. Anders als bei der Tafel in der Alten Post sieht nicht jeder Passant, wer dort ein und aus geht.

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Erste Kontakte entstehen dank der Vernetzung der Sozialpädagogen mit den Fachkliniken, insbesondere mit dem Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg. Noch während eines stationären Aufenthalts besuchen Hackl oder Kärcher Patienten, wenn diese es wünschen.

Ins neue Priener Haus kann jeder kommen

So wird oft der Grundstein für einen vertrauensvollen Umgang gelegt, der für die psychologische Arbeit unabdingbar ist. Grundsätzlich kann aber jeder jederzeit kommen, ohne Anmeldung, ohne Attest oder ähnliches.

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Von 18 bis 85 Jahren sind die psychisch Kranken, mit denen die Fachleute arbeiten, aber den größten Anteil aller Altersgruppen bilden die Menschen von Mitte 40 bis Mitte 50, berichtet Kärcher. In der Lebensphase, in denen der Druck und die Erwartungen von außen oft am größten sind, bekämen die meisten Probleme. Auch Zusammenhänge mit körperlichen Vorerkrankungen wie Bandscheibenvorfällen, mit denen sich die Menschen abfinden, die sich aber auf die Psyche verlagern, spielen Kärcher zufolge eine nicht unwesentliche Rolle.

„Viele haben ihr Päckchen zu tragen, mit dem sie zurecht kommen. Aber dann passiert etwas, mit dem sie nicht mehr zurecht kommen“, erklärt Hackl den typischen Moment für den Ausbruch einer psychischen Erkrankung.

Offener Treffpunkt zur Tagesstruktur

Die Tagesstätte versteht sich als „offener Treffpunkt zur Tagesstruktur für chronisch psychisch kranke Menschen“. Ab Montag, 28. September, wird täglich für das Mittagessen um 12 Uhr selbst gekocht. Die Besucher dürfen gerne in der Küche mithelfen. Montags gibt es um 9.30 Uhr Frühstück, an den übrigen Öffnungstagen ab 9.15 Uhr Kaffee und Kuchen. Für Speisen und Getränke werden Unkostenbeiträge kassiert. Alle anderen Angebote – vom Beratungsgespräch übers Malen bis zum Nordic Walking – sind kostenlos. Der Bezirk Oberbayern kommt Hackl zufolge für die Kosten auf.

„Unser Ziel ist es, einen Beitrag zur psychischen Stabilisierung und Verbesserung der individuellen Lebensqualität zu leisten“, sagen Hackl und Kärcher. Sie wollen den Besuchern helfen, ihre Antriebslosigkeit und Interesselosigkeit, die meist mit der Krankheit einhergeht, zu überwinden.

Infos von Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr in der Seestraße 5c, Telefon 0 80 31/20 38 0.

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