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Die Heimat der Bernauer Störche

Im Nest auf dem Tannenwipfel bei den Sontheims in Bernau herrscht reges Geklapper

Josef und Helga Sontheim in ihrem Wohnzimmer mit Hartmut Rüdt (von links). Der Fotograf hat dem Ehepaar einen Kalender mit Storchenfotos geschenkt. Auf dem Wohnzimmertisch liegen Storchenfedern.
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Josef und Helga Sontheim in ihrem Wohnzimmer mit Hartmut Rüdt (von links). Der Fotograf hat dem Ehepaar einen Kalender mit Storchenfotos geschenkt. Auf dem Wohnzimmertisch liegen Storchenfedern.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Wer kann schon von sich behaupten, ein Storchenpaar in seinem Garten zu beheimaten? Bei Helga und Josef Sontheim aus Bernau ist genau das der Fall. Vor fast zwei Jahren bauten sich zwei Klapperstörche auf der 20 Meter hohen Tanne in ihrem Garten ein Nest und zogen im gleichen Jahr zwei Junge auf.

Bernau – Die Alten sind im Herbst in den Süden weggeflogen, die Jungen blieben. Seitdem gehören die gefiederten Gefährten zum Alltag des Ehepaars. Auch Vogelfotograf Hartmut Rüdt nimmt mit großer Begeisterung Anteil am Geschehen im nachbarlichen Garten. Manchmal liegt der 80-Jährige für das perfekte Foto stundenlang auf der Lauer. Aus dem Dachfenster seines Hauses heraus ist er mit dem Storchennest auf Augenhöhe. Seit die Störche bei den Sontheims eingezogen sind, fotografiert und filmt er sie, führt Tagebuch und sammelt alles in einem Ordner. Er hat sogar den Tag notiert, als die Störche eingezogen sind, es war der 17. April 2020.

Störche machten den Wipfel platt

Vorher kreisten die Störche schon einige Tage lang ums Haus, erinnert sich Sontheim. Zuerst seien sie bei der Bernauer Kirche gesessen, dann aber zogen sie auf der kaukasischen Tanne ein, die der 81-Jährige im Jahr 1956 mit seinem Vater gepflanzt hatte. „Die Störche haben den Wipfel umgebogen und sich drauf gesetzt“, erzählt er im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Als sie mit ihrem Gewicht die oberen Äste quasi platt gedrückt hatten, bauten sie darauf das Nest. „Der Wipfel wächst jetzt rechts vom Nest weiter in die Höhe“, berichtet Sontheim amüsiert.

Die Störche im Jahr 2020 bei der Aufzucht ihrer Jungen.

Der pensionierte frühere Schulleiter des Priener Förderzentrums und seine Frau Helga erinnern sich ebenso wie Rüdt gut daran, wie die Tiere vom 150 Meter entfernten Kurpark und aus der ganzen Umgebung unermüdlich Zweige und sonstiges Nestmaterial heranschafften. Gebannt verfolgten alle das Geschehen, Rüdt saß oft stundenlang vor seiner Garage im Stuhl und beobachtete die Szenerie.

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Die Störche, die landläufig als Symbol für Kindersegen gelten, beschenkten ihre menschlichen Gastgeber noch im Juli 2020 mit weiteren Glücksmomenten: Zwei Junge schlüpften aus und natürlich nahmen die Sontheims und Rüdt auch an diesem Geschehen regen Anteil: wie die Alten ausflogen, Futter heranschafften und an heißen Sommertagen ihre Jungen tränkten. Als die Jungen nach zwei Monaten im Nest ihre ersten unbeholfenen Sprünge „wie auf einem Trampolin“ machten und sich schließlich an ihre ersten Flüge wagten. Eines Morgens im Herbst hörte Rüdt ein ganz untypisches Geklapper, als er gerade sein Frühstück anrichten wollte. Aus dem Küchenfenster heraus sah er gegenüber einen der alten Störche sitzen, der mit den Flügeln schlug und er hörte im Nest oben die Jungen „maunzen“. „Da haben sich die Alten verabschiedet“, ist er überzeugt. Oben am Himmel kreiste ein großer Schwarm Störche, denen schlossen sich die Bernauer Elternstörche an: „Das war ein unglaublicher Anblick“, so Rüdt. Natürlich hielt er auch dies mit seiner Kamera fest.

Stimmung bei Vollmond. Rüdt

Ob sie sich um sie kümmern? Darauf antwortet Sontheim angesichts der luftign Höhe des Nests amüsiert: „Nein, wie sollten wir auch.“ Ihr Futter suchen sich die Störche selbst, sie fliegen aus zum Kurpark, auf den alten Sportplatz, Richtung Farbinger Hof und Rottau oder hinüber in die Chiemseewiesen beim Schilf, wo sie beim Vorbeifahren von der Straße aus regelmäßig zu sehen sind.

Keine Kleckse auf Baum und im Garten

Am Klappern stören sich weder die Sontheims noch die anderen Nachbarn. Und eine weitere Beobachtung hat den 81-Jährigen überrascht, wie er berichtet: „Ich hatte erwartet, dass die Tanne von den Hinterlassenschaften der Tiere irgendwann wie eine Tropfkerze aussieht.“ Das sei nicht so eingetroffen. Sie erweisen sich als sehr reinlich und halten die Umgebung um ihr Nest sauber.

Namen haben die Sontheims den Störchen nicht gegeben. Dafür aber Rüdt: Fridolin und Fridolinchen. Was auch sonst.

Kraulen, klappern und Kämpfe ums Nest:

Aus der Zeit, seit sich Störche in Bernau niederließen, können sowohl die Grundbesitzer Helga und Josef Sontheims als auch Nachbar Hartmut Rüdt unzählige Geschichten erzählen. Etwa, als einer der Jungstörche zwei Wochen lang verschwunden war und als er zurückkehrte, ihn der andere erst einmal nicht mehr ins Nest lassen wollte. Rüdt spricht von „beeindruckenden“ Szenen und „wunderbaren Videoaufnahmen“, die er machen konnte. Oder als ein anderes Mal ein fremder Storch den Bernauer Artgenossen ihr Nest streitig machen wollte und wie ein Flugzeug im Tiefflug immer wieder darauf zusteuerten. Selbst beim Klappern gibt es Unterschiede, wie sie erzählen. Und viele liebevolle Momente, wenn ein Tier das andere mit dem Schnabel krault. Bei starkem Schnee oder Wind suchen die Störche Unterschlupf in nahe gelegenen Gehölzen, mutmaßt Sontheim, denn dann sind die Tiere verschwunden. Er und seine Frau sprechen von „Glück“, dass die Störche ausgerechnet in ihrem Garten eingezogen sind. Die unterschiedlichen Arten des Klapperns, Verhaltensweisen, Tagesabläufe der Störche – das alles ist ihnen längst vertraut. Auf einem südlichen Grundstück zogen vergangenes Jahr zwei Fischreiher zum Brüten ein. „Die Störche und die Fischreiher haben sich gegenseitig Zweige aus dem Nest geklaut, wenn die anderen nicht da waren“, erzählt Sontheim von dem spitzbübischen Treiben.

Die „Alten“ hießen Berna und Chiemi:

Die inzwischen ausgeflogenen Bernauer Altstörche bekamen Namen und zwar Berna und Chiemi. Die Tourist-Info hatte vor zwei Jahren einen Namenswettbewerb durchgeführt. Über 50 Kinder hatten sich daran beteiligt und auch Bilder gemalt, die von einer Jury bewertet worden waren.

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