Ab sofort ist Schluss

Im Kurhaus Ruhpolding bleibt die Küche kalt: Gastronomie wegen roten Zahlen geschlossen

Im Ruhpoldinger Kurhaus gibt es kein gastronomisches Angebot mehr. Das touristische Gebäude steht aber weiter für Veranstaltungen und Feierlichkeiten in Eigenregie zur Verfügung, wenn Mieter einen Catering-Service engagieren.
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Im Ruhpoldinger Kurhaus gibt es kein gastronomisches Angebot mehr. Das touristische Gebäude steht aber weiter für Veranstaltungen und Feierlichkeiten in Eigenregie zur Verfügung, wenn Mieter einen Catering-Service engagieren.

Vorerst wird es im Kurhaussaal, dem Wintergarten sowie den weiteren Lokalitäten unter dem Dach des Kurhauses in Ruhpolding kein gastronomisches Angebot mehr geben – auch wenn der Corona-Lockdown für die Gastronomie vorbei sein wird.

Von Ludwig Schick und Dirk Breitfuß

Ruhpolding – Wie der Aufsichtsrat der Ruhpoldinger Tourismus GmbH (RTG) in seiner jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit beschloss, wird der gastronomische Betrieb ab sofort in der bisherigen Form eingestellt. Nicht betroffen davon sei die Anmietung der Räumlichkeiten in Eigenregie, beispielsweise für Veranstaltungen wie Hochzeiten und andere Feierlichkeiten, Konferenzen und ähnlichem.

Bewirtung bei Feiern durch Cateringsservice

Die Bewirtung erfolgt zu diesen Anlässen, ähnlich wie in den meisten Nachbargemeinden, mittels Catering-Service. Das Kurhaus bleibe damit weiterhin ein zentraler Punkt für das gesellschaftliche Leben, nicht nur für die Vereine und Bürger der Gemeinde, sondern für die ganze Region, heißt es in einer Stellungnahme der RTG.

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Grund für die „längst überfällige Entscheidung“ seien die roten Zahlen, die das Kurhaus seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit produziere und dadurch den Gemeindesäckel verhältnismäßig stark belaste. Die RTG GmbH als 100-prozentige Tochter der Gemeinde ist neben dem Erlebnis-Wellenbad Vita Alpina, der Eishalle und dem Freibad auch für den Betrieb des Kurhauses zuständig. Angesichts der defizitären Lage zog nun der Aufsichtsrat die Reißleine.

Im Schnitt 160.000 Defizit im Jahr

Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung nannte Bürgermeister Justus Pfeifer (CSU), der auch als Vorsitzender des Aufsichtsratsgremiums fungiert, konkrete Zahlen. Demnach verschlinge der Zuschussbetrieb eine Menge Geld: 160 000 Euro im Schnitt pro Jahr. Das sei Geld, das der Gemeinde im operativen Geschäft fehle. 2020 wird das Defizit wegen der Lockdown-bedingten Zwangsschließungen im Frühjahr und November nach bisherigen Hochrechnungen noch um einiges höher ausfallen. „Durch die Corona bedingten Ausfälle reißen wir heuer die 200 000-er-Marke. Das ist dem Bürger auf Dauer nicht mehr zu vermitteln,“ erläutert Pfeifer. Hinzu komme, dass durch das Beihilferecht der Europäischen Union Kommunen untersagt ist, generell und in unerwünschter Weise in das Marktgeschehen einzugreifen und Konkurrenz zu privaten Gastronomen zu subventionieren.

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Nach Aussage des Rathauschefs steht nun die Abwicklung der bestehenden, teils längerfristigen Arbeitsverträge der Mitarbeiter und des Personals im Vordergrund. Dem Aufsichtsrat und allen Beteiligten sei es dabei besonders wichtig, sozialverträgliche und für beide Seiten akzeptable Lösungen zu finden.

Wie Tourismusdirektor Frank Oette auf Nachfrage erklärte, gehe es um 13 Mitarbeiter, mit denen man derzeit in Gesprächen sei. Oette sprach angesichts des neuerlichen Lockdowns für die RTG und ihre Betriebe von einer „richtig problemastischen Situation“. Die RTG prüfe derzeit, ob sie Ansprüche aus einem der Hilfsfonds anmelden könne.

Eine Prognose für die Zeit ab Dezember wollte der Tourismuschef nicht abgeben. „Das habe ich mir abgewöhnt. Wir haben Verständnis für die Maßnahmen, so schwer das fällt. Aber wir hoffen natürlich, dass zumindest im Dezember die Wintersaison anlaufen kann.“

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