Eine Marke aufbauen

Im Interview: Elisabeth Keihl ist neue Chefin beim Achental Tourismus

Elisabeth Keihl ist Spezialistin für Marketing und Digitalisierung.
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Elisabeth Keihl ist Spezialistin für Marketing und Digitalisierung.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Unterwössen – Seit Oktober 2020 ist Elisabeth Keihl (45) die neue Chefin des Achental-Tourismus. Die Chiemgau-Zeitung hat mit ihr über ihre Aufgabe und das Corona-Jahr gesprochen.

Frau Keihl, wie kommt eine Schwäbin zum Achental-Tourismus?

Elisabeth Keihl: Ich bin in Hechingen am Rande der Schwäbischen Alb aufgewachsen, habe aber in Augsburg und München studiert. Den größten Teil meines Lebens war ich in Oberbayern und hier fühle ich mich heimisch. Von der Ausbildung her bin ich Juristin. Nach mehreren Stationen im Medienbereich, in denen ich mich um Digitalisierung gekümmert habe, habe ich mich entschieden, zu meinem Mann nach Schleching zu ziehen und war selbstständig als Digitalberaterin.

Wie passt das zum Tourismus im Achental?

Keihl: Touristische Anknüpfungspunkte hatte ich schon früher, etwa als Projektleiterin bei einem Unternehmen, das Software für Hotels und Kreuzfahrtschiffe gemacht hat. Auch für digitale und Print-Reisemagazine habe ich schon gearbeitet. Meine ganze Laufbahn zieht sich außerdem durch das Marketing und das passt ganz gut, weil der Achental Tourismus das Achental als Marke aufbauen und vertreten möchten. Tourismus ist zum einen Marketing, aber auch Dienstleistung. Im Bereich Service mit der Betreuung von Gastgebern und Gästen ist für mich das eine oder andere neu, aber lernbar. Hier spielt auch das Thema Digitalisierung eine zunehmend wichtige Rolle.

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Welche Zielgruppe möchten Sie ansprechen?

Keihl: Es gibt nicht nur die eine Zielgruppe. Soziografisch sind das Paare, Familien mit Kindern und Senioren. Die gemeinsame Klammer bilden die Interessen: sportlich aktiv und in der Natur zu sein, etwas von der Region mitzubekommen, von den Menschen und ihrem Brauchtum, als auch von den lokale Erzeugnissen.

Wie wichtig ist das Thema Social Media für das Achental im Tourimus?

Keihl: Anders als im klassischen Marketing, wo man einseitig Botschaften aussendet, ist das Schöne an Sozialen Medien auch der Austausch. Da kann man dann auch stärker nachvollziehen: Was wollen die Menschen eigentlich? Ohne Soziale Netzwerke geht es eigentlich nicht mehr. Das ist eine Riesenchance für uns, um in Kontakt zu bleiben und das Achental emotional zu präsentieren.

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Müssen Sie hier noch viel Überzeugungsarbeit leisten?

Keihl: Das ist teilweise eine Generationenfrage: Wenn jemand nicht damit aufgewachsen ist, für den ist es vielleicht nicht ganz so einfach. Hier unterstützen wir gern. Es stellt sich aber auch die Frage: Braucht wirklich jeder private Gastgeber sein eigenes Instagram-Profil? Oder reicht es, wenn wir für die Region etwas machen? Andere digitale Angebote sind speziell für Gastgeber sehr wichtig. Wir empfehlen beispielsweise, sich bei Google My Business als Gastgeber eintragen zu lassen. Außerdem ist das Thema Online-Auffindbarkeit und -Buchbarkeit sehr wichtig. Wir sind gerade dabei, unsere Online-Buchungsplattform zu verbessern, mit attraktiven Provisionen für die Gastgeber und der Möglichkeit, sich auf verschiedenen Buchungskanälen zu präsentieren.

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Im Chiemgau gibt es zwei Tourismusverbände, über eine Fusion wird immer wieder diskutiert. Wie sehen Sie das?

Keihl: Das wird auf einer anderen Ebene entschieden. Mir ist wichtig, aus der Perspektive des Gastes zu denken. Und der sieht eine Region und will einen perfekten Aufenthalt genießen, mit allen Angeboten, die die Region bietet. Deshalb sind wir alle aufgefordert, miteinander zu kooperieren. Wir arbeiten sehr gern und gut mit den Destinationen um uns herum zusammen.

Welche Projekte stehen an?

Keihl: Derzeit überarbeiten wir die Angebote der Gästekarte. Und auch geführte Wander- und Moutainbike-Touren sowie ein Yoga-Angebot eruieren wir gerade. Für den Winter wollen wir auch Langlaufkurse aufbauen. Uns interessiert aber auch, wie können wir die Gastgeber selbst besser unterstützen? Beispielsweise mit einem wöchentlichen Infobrief, den die Gastgeber für ihre Gäste erhalten. Außerdem suchen wir eine Art „Botschafter“, die spezielle Tipps für die Gäste geben können. Mir ist auch wichtig, dass wir Plattformen schaffen können, wo wir uns regelmäßig und nicht nur einmal jährlich mit den Gastgebern austauschen können.

Stichwort: Achental-Tourismus
Das Achental Tourismus gKU ist ein 2017 gegründetes gemeinsames Kommunalunternehmen von vier Gemeinden im Tal der Tiroler Ache. Dazu zählen Marquartstein, Schleching, Unterwössen und Staudach-Egerndach. In seinem Einzugsgebiet will das Unternehmen Rahmenbedingungen für erfolgreiche Tourismusakteure entwickeln. Selbstgesetztes Ziel ist es, dass das Achental zu einer der innovativsten Regionen des Chiemgaus wird. Und zwar einerseits mit alpinen Wander-, Rad- und Mobilitätsangeboten, andererseits steht der Erhalt des naturnahen Lebensraumes mit lebendiger Kultur für Gäste und Einheimische im Vordergrund. Die Region verzeichnet pro Jahr knapp 400000 Übernachtungen.

Wie ist das Corona-Jahr bisher gelaufen?

Keihl: Der Sommer ist tatsächlich äußerst gut gelaufen. Die Übernachtungszahlen von Januar bis Ende Oktober lagen nur bei einem Minus von 3,3 Prozent, trotz des Lockdowns. Der November ist traditionell eher ruhiger. Hart ist es für uns schon, dass auch ab Weihnachten bisher keine Öffnungen absehbar sind. Ich denke, wir konnten auch neue Gäste gewinnen. Ich vermute, es wird einen stärkeren Mix geben zwischen Fernreisen und Urlaub in der Heimat. Was sehr zugenommen hat, ist das Thema Camper.

Wie geht es Ihnen mit Ihrer neuen Arbeitskleidung?

Keihl: (lacht) Dirndl trage ich sehr gerne! Beim Achental Tourismus haben im Sommer an bestimmten Wochentagen Dirndl an, wenn auch nicht an allen.

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