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Leiterin im Gespräch

„Ich weiß nicht, wie es weiter geht“ – Lebenshilfe Traunstein im Impfpflicht-Dilemma

Im Wohn- und Begegnungsprojekt der Lebenshilfe Traunstein in Unterwössen am Rathausplatz arbeiten 25 Mitarbeiter.
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Im Wohn- und Begegnungsprojekt der Lebenshilfe Traunstein in Unterwössen am Rathausplatz arbeiten 25 Mitarbeiter.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Was passiert, wenn die einrichtungsbezogene Impfpflicht doch umgesetzt wird? Das fragt sich Annemarie Funke, Leiterin der Lebenshilfe in Traunstein, die auch einen Standort in Unterwössen hat.

Unterwössen/Traunstein – „Die einrichtungsbezogene Impfpflicht ist, so hoffen wir, nun auf einem guten Weg.“ So äußert sich die Landesvorsitzende der Lebenshilfe Bayern, Barbara Stamm, nach einem weiteren Gespräch von mehreren Verbänden mit dem bayerischen Staatsminister für Gesundheit und Pflege, Klaus Holetschek (CSU).

Ganz anders sieht das Annemarie Funke, Leiterin der Lebenshilfe Traunstein, die auch in Unterwössen einen Standort hat. „Wir hängen völlig in der Luft“, sagt Funke im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Von einem guten Weg kann man vermutlich in diesem Fall nicht reden. Wie berichtet, sind rund 20 Prozent der Mitarbeiter der Lebenshilfe Traunstein ungeimpft. Von den 25 Mitarbeitern, die die drei Gruppen in Unterwössen betreuen, sind laut Funke 16 Prozent ungeimpft.

Grundsätzliche Entscheidung

Und das bleibt vermutlich auch so: „Wir beraten ganz viel, aber die Entscheidung vieler Mitarbeiter ist unabhängig davon getroffen.“ Es sei eben inzwischen kein Informationsdefizit mehr, sondern eine grundsätzliche persönliche Entscheidung. Auch der oft als „Totimpfstoff“ bezeichnete Impfstoff Novavax, der kürzlich erst zugelassen worden sei, ändere daran nicht viel. „Nur zwei Mitarbeiter haben sich zur Impfung mit der Neuzulassung entschieden“, berichtet Funke.

Sie rechnet damit, wenn die einrichtungsbezogene Impfpflicht komme, dass sich Mitarbeiter dann krank melden – und weiterhin angestellt bleiben. „Man muss das mit gesundem Menschenverstand sehen“, sagt Funke. Nur fehlen diese Mitarbeiter dann im Dienst. In einer Branche, in der ohnehin schon Fachkräftemangel besteht. Das Grundproblem ist laut Funke, dass bei einer einrichtungsbezogenen Impfpflicht der Betreuungsauftrag nicht ausgeführt werden könne. Man brauche Fachkräfte, die die behinderten Bewohner betreuen. Kontinuität sei hier sehr wichtig.

Ihr ist anzumerken, wie besorgt und verzweifelt sie ist, obwohl sie sich als Optimistin einschätzt: „Ich habe noch nie an so einem Punkt gestanden, wo ich nicht weiß, wie ich weiter machen soll.“

Söder hat zugehört

„Wir hatten ein Gespräch mit Herrn Söder, bei dem ihm diese Problematik bereits erklärt habe“ sagt Funke, die selbst CSU-Mitglied ist und als Bezirksrätin, Kreisrätin und Gemeinderätin politisch aktiv ist. Laut Funke sei Söder offen gewesen für die Einwände und habe diese verstanden.

Da die einrichtungsbezogene Impfpflicht ein Bundesgesetz ist, muss nun aber auch Bayern diese umsetzen. Landesvorsitzende Barbara Stamm, die früher für die CSU im Landtag saß, sieht trotz des Scheiterns Bayerns einen Vorteil: „Die von Bayern aus angestoßene Diskussion zur ganz praktischen Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht hat bewirkt, dass nun viele offene Fragen auf Bundesebene geklärt wurden und werden.“ Ebenso seien Vollzugshinweise auf bayerischer Ebene angekündigt. Nach ersten Informationen erscheinen diese praktikabel und können den Einrichtungen die nötige Planungssicherheit geben.

Einrichtungen sollen beteiligt werden

Die Lebenshilfe Traunstein plant Urlaube und Einsätze, als werde die Impfpflicht nicht kommen. „Was bleibt uns auch anderes übrig“, sagt Funke resigniert. Einen kleinen Hoffnungsschimmer hat sie. Zwar seien die Informationen zur praktischen Umsetzung eher dürftig, aber Funke hat nun erfahren, dass die Einrichtungen wohl auch Verfahrensbeteiligte seien, wenn es um die Entscheidung der Gesundheitsämter gehe, ob die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit gewährleistet werden könne. „Das ist doch ein wichtiger Aspekt, wenn hier das Gesundheitsamt letztendlich die Entscheidung treffen muss, dass die Einrichtung ihre Einschätzung dazu abgeben kann“.

Die Lebenshilfe Bayern spricht sich explizit für eine generelle Impfpflicht aus. Dem kann auch Funke sich anschließen: „Aber bitte nicht nur in unserem Bereich.“

Der Lebenshilfe-Landesverband Bayern

Unter dem Motto „Miteinander – Wir gestalten Teilhabe“ setzt sich der Lebenshilfe-Landesverband Bayern seit 1962 als Dachorganisation der bayerischen Lebenshilfen insbesondere für Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Familien ein. Der Verband hat heute gut 160 Mitglieds-Organisationen. Diese unterstützen, fördern und begleiten über 50000 Menschen mit Behinderungen und deren Familien. Die Lebenshilfe hat ein umfassendes Netz kompetenter Hilfe aufgebaut – mit etwa 900 Einrichtungen, Diensten und Beratungsstellen. Landesvorsitzende Barbara Stamm ist seit 2001 im Amt. Die Lebenshilfe ist bundesweit aktiv als Elternverband und Selbsthilfe-Vereinigung, als Fachverband und Trägerin von Einrichtungen der Behindertenhilfe. Quelle: Lebenshilfe