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Interview zum Thema „Kultur und Heimatpflege“

„Hunger nach Kultur“ – Dr. Birgit Löffler über ihre Aufgabe im Kreis Traunstein

Nach einer Promotion über Buchillustrationen hatte Dr. Birgit Löffler verschiedene Stationen in der Region, zuletzt in „DASMAXIMUM“ in Traunreut.
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Nach einer Promotion über Buchillustrationen hatte Dr. Birgit Löffler verschiedene Stationen in der Region, zuletzt in „DASMAXIMUM“ in Traunreut.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Traunstein – Seit Juli ist Dr. Birgit Löffler die neue Leiterin des Sachgebiets „Kultur und Heimatpflege“. Die Chiemgau-Zeitung sprach mit der 58-Jährigen über die Angst vieler Menschen vor Kultur, Corona und ihre Pläne im ersten Jahr.

Frau Löffler, was ist genau Ihre Aufgabe beim Landkreis?

Dr. Birgit Löffler: Mein Sachgebiet umfasst alle Kultur schaffenden Themen im Landkreis. Tatsächlich liegt momentan der Schwerpunkt auf dem Thema Musik, unter anderem mit dem landkreisübergreifenden „Musiksommer zwischen Inn und Salzach“. Bei den „Chiemgauer Kulturtagen“ waren alle Bereiche einbezogen. Außerdem betreuen wir die Museen im Landkreis. Im Sachgebiet Kultur gibt es jeweils eine Fachkraft für Musik, Museen und Verwaltung. Auch der Kreisvolksmusikpfleger, der Kreisheimatpfleger und der Kreisarchivar sind bei uns angesiedelt.

Sie haben keinen Verwaltungshintergrund, sondern sind promovierte Kunsthistorikerin. Was was hier Ihr Schwerpunkt?

Löffler: Das Thema meiner Promotion war Buchillustration in den 50er und 60er Jahren. Tatsächlich ist die moderne Illustration ein kaum erschlossener Bereich in der Kunstgeschichte, weil die Illustratoren selbst zum Teil keine Berührung mit der Kunstszene gesucht haben. Aber auch die Kunstwissenschaft betrachtet Buchkunst und -Zeichnung oft als „nur Angewandte Kunst“. Mich hat der Bereich gereizt, da dort noch immer unbearbeitete Schätze zu heben sind.

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Wie kommt man von so einer Promotion ins Landratsamt?

Löffler: Ich hatte zunächst ein Forschungsstipendium, dann eine Anstellung am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München sowie einen Werkvertrag am Haus der Bayerischen Geschichte. Von 1989 bis 2011 habe ich für Stadt und die Städtische Galerie in Rosenheim gearbeitet und von 2004 bis 2011 als Lehrbeauftragte an der Hochschule Rosenheim. Freiberuflich war ich unter anderem für die Presse tätig und habe Künstlerbücher betextet – was man eben so machen kann, wenn man Kinder hat. 2011 kam ich nach Traunreut in Heiner Friedrichs Museum „DASMAXIMUM KunstGegenwart“, das ich bis vor Kurzem geleitet habe.

Den Chiemgau verbindet man oft eher mit der Natur als mit der Kultur. Wie hoch schätzen Sie den Stellenwert von Kultur im Landkreis ein?

Löffler: Sehr hoch. Vieles Traditionelle mag von außen weniger als Hochkultur, sondern eher als Volkskunst wahrgenommen werden, prägt aber die Gegend und macht ihren Reiz aus. Viele bekannte Künstler haben sich während der Nazizeit aus den Städten zurückgezogen und in Chiemseenähe in alten Bauernhäusern niedergelassen – ihnen verdanken wir oft die schönsten erhaltenen Höfe. Für internationale zeitgenössische Kunst von höchstem Rang steht DASMAXIMUM. Es ist ein Magnet für Kunstkenner und fehlt in keinem Reiseführer.

Unterscheiden Sie persönlich zwischen dem Thema Hochkultur und Unterhaltung?

Löffler: Ich finde es schade, wenn beides gegeneinander ausgespielt wird. Unterscheiden muss man natürlich, etwa bei Kunst am Bau, wenn eine beträchtliche Fördersumme ausgegeben werden kann. Dabei sollte der künstlerische Rang einer Arbeit berücksichtigt werden. Andererseits finde ich wichtig, dass die Bereiche, die eher als drittrangig gelten, aber oft einen Ortsbezug oder eine Geschichte haben, nicht verloren gehen.

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Im Gespräch ist auch der Weltkulturerbetitel für die Salzregion. Was würde das für den Landkreis bedeuten?

Löffler: Mir gefällt daran, dass es übergreifend über mehrere Landkreise bis nach Salzburg und Hallein einen Zusammenhang bietet. Das Thema Salz geht ja wirklich in alle Lebensbereiche. Die wenigsten wissen zum Beispiel, dass das Salz auch als Mariensymbol eingesetzt wurde. Das hat die Kunstgeschichte lange übersehen, weil die Salzfässer gerade im Mittelalter ganz ungewöhnliche Formen hatten. So ein Thema aus dem eigenen Lebensbereich kann an Kultur heranführen und überhaupt Hemmschwellen abbauen. Auch touristisch ist das Thema Salz sehr interessant.

Sie sprechen die Hemmungen an, die viele Menschen vor der Kunst haben.

Löffler: Ja, das ist in der Tat so und das kenne ich auch aus dem MAXIMUM mit seinen aktuellen künstlerischen Positionen. Viele Menschen fühlen sich von der Moderne erst mal überfordert. Es kostet Überwindung, sich darauf einzulassen. Die internationale Hirnforschung weiß allerdings mittlerweile um die unglaublich positiven Effekte der Begegnung mit Kunst – und die Kunstfreunde sowieso.

Wenn es um die Finanzierung geht, wird immer wieder die Frage nach der Daseinsberechtigung von Kultur gestellt.

Löffler: Wir haben nach dem Lockdown sehr klar gespürt, wie hungrig die Menschen nach Kultur waren. Beim ersten Chorkonzert, das ich nach dem Lockdown erlebt habe, sind Tränen geflossen. Es wird oft vergessen, dass das Live-Erlebnis von Kunst, Musik, Theater oder Tanz durch digitale Medien nicht ersetzbar sind. Kultur ist identitätsstiftend und schafft Gemeinschaft und Bildung. Außerdem geht es auch um Kreativität. Beides ist existenziell für alle Berufs- und Wirtschaftszweige.

Was möchten Sie im ersten Jahr in ihrer Aufgabe erreichen?

Löffler: Durch meine Arbeit in Traunreut habe ich schon viele Mitstreiter gefunden, würde aber gern noch mehr Kontakte in den Landkreis aufbauen und die zahlreichen Initiativen vor Ort unterstützen. Außerdem möchte ich den Bereich der Bildenden Kunst stärken, einen Corona-freien Musiksommer auf den Weg bringen, ein Projekt zum Thema Salz starten, die „Kunst im Amt“ wiederbeleben und möglichst viele ungewöhnliche Kooperationspartner zusammenbringen. Gern würde ich dabei die Stelle vor allem inhaltlich ausfüllen und nicht nur verwalten. Das war wohl auch die Idee von unserem Landrat Herrn Walch, als er sie in diesem Sinne besetzt hat.

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