Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


„Am Ende ist nicht Schluss mit lustig“

Humorvolles „Palliativjubiläum“ in der Klosterkirche Kulturforum Traunstein

Einen viel umjubelten Auftritt bot Werner Gruber vom Raphael Hospiz in Salzburg, und auch die beiden Klinikclowns Dr. Ottilie Genusswurzel (links) und Dr. Liesel Radiesel sorgten mit viel Klamauk für gute Stimmung.
+
Einen viel umjubelten Auftritt bot Werner Gruber vom Raphael Hospiz in Salzburg, und auch die beiden Klinikclowns Dr. Ottilie Genusswurzel (links) und Dr. Liesel Radiesel sorgten mit viel Klamauk für gute Stimmung.

Rund 150 Gäste folgten der Einladung der beiden Palliativstationen Bad Reichenhall und Traunstein sowie dem SAPV (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung) des Netzwerks Hospiz ins Kulturforum Klosterkirche Traunstein. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Am Ende ist nicht Schluss mit lustig! – Humor in der Palliativmedizin“. Namhafte Redner sorgten unter anderem für einen ungewohnt humorvollen Blick auf das Thema „Tod und Sterben“.

Traunstein – Anlass waren gleich drei Jubiläen, die eigentlich schon 2020 gefeiert werden sollten, aber den Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie zum Opfer fielen. Nun feierten die Gastgeber das 17-jährige Bestehen der Palliativstation Bad Reichenhall, das 13-jährige Bestehen der Palliativstation Traunstein sowie sieben Jahre SAPV im Netzwerk Hospiz.

Hospiz und Humor passen zusammen

Neben dem hochkarätigen Bühnenprogramm stellte sich die regionale Palliativversorgung mit Info-Ständen im Foyer des Kulturforums vor. Auch interessierte Bürger folgten der Einladung des Netzwerk Hospiz. Unter den Ehrengästen waren Georg Grabner, Altlandrat des Berchtesgadener Landes sowie Resi Schmidhuber, Stellvertretende Landrätin des Landkreises Traunstein.

Oberärztin Monika Kinne von der Palliativstation Traunstein freute sich insbesondere darüber, „dass auch zwei Jahre nach dem eigentlichen Jubiläum so viele Gäste gekommen sind“ und die Festredner ebenfalls für den Nachholtermin zugesagt haben.

Lesen Sie auch: Die Zeitschenker: Welche wertvollen Dienste die Hospizgruppe Prien und Umgebung leistet

Die Palliativstation in Traunstein wurde am 16. Oktober 2009 geöffnet. Seit dem ersten Tag geben dort „viele Menschen ein Orchester“, freute sich Monika Kinne und ergänzte, „die allesamt das Beste für das Wohl des Patienten wollen“. Allerdings musste sie bei den „Jubeljahren“ nachbessern: „Ich habe uns bei den Ankündigungen um ein Jahr jünger gemacht, deshalb feiern wir heute nicht zehn plus zwei, sondern zehn plus drei Jahre.“

Arbeit im Hospiz und Humor schließen sich nicht aus

„Sie werden das Leben nicht lebend verlassen“, versicherte Werner Gruber, Leiter des Raphael Hospiz in Salzburg und Humorbotschafter. In seinem Vortrag „Ich lach mich tot – Humor in der letzten Lebensphase“ verwies er unter anderem darauf, dass sich die Arbeit in einem Hospiz und Humor nicht ausschließen würden. In seinem mehr als 20-jährigen Wirken habe er unzählige humorvolle Erlebnisse mit Patienten gehabt. Ziel der Arbeit sei es, die Aufmerksamkeit auf positive Dinge zu lenken und den Menschen Mut zu machen, „den eigenen Vogel öfter mal hervorzuheben“, um über Krisen besser hinweg zu kommen.

Weitere Nachrichten aus dem Chiemgau lesen Sie hier

Der langjährige Klinikseelsorger Norbert Kuhn-Flammensfeld ist der Überzeugung, dass sich Religion und Glaube sowie Humor und Lachen nicht ausschließen. „Eine Visite auf der Palliativstation ohne Lachen ist keine gscheide Visite“, so der Klinikseelsorger und führte weiter an, „als Gott die Welt schuf, erschuf er Mann und Frau sowie den Humor – damit es erträglich wird“. Es gebe im Leben „stets eine Zeit zum Lachen und eine zum Weinen“, dies gelte auch für die Palliativversorgung.

„Als Palliativstation auf Rädern, die zu den Patienten nach Hause kommt“ bezeichnete Dr. Robert Kühnbach, Leiter der SAPV im Netzwerk Hospiz das mobile Angebot. Er freue sich, „dass rund 20 Prozent aller Verstorbenen in irgendeiner Form Kontakt zum Netzwerk Hospiz hatten“, obwohl man immer wieder mit „wir wussten nicht, dass es euch gibt“ konfrontiert werde.

Finanzielle Unterstützung gelobt

Dr. Robert Kühnbach ermutigte dazu, dass das Sterben wieder mehr in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt werden müsse, wenngleich das Netzwerk Hospiz eine klare Haltung zur Sterbehilfedebatte habe. Derzeit laufen mehrere Projekte, wie es mit der Versorgung der 2015 gegründeten Mobilen Hilfe in Zukunft weiter gehen soll. Besonders hob er die finanzielle Unterstützung der beiden Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein in der Gründungsphase hervor, die damit eine Entwicklung erst ermöglicht hätten.

Humor verändert den Blickwinkel

Auf anschauliche und heitere Art und Weise näherte sich Prof. Dr. Dr. Berend Feddersen, Leiter der SAPV am Klinikum der Universität München, zugleich Gaukler und Clown, über die wissenschaftliche Perspektive der Frage „Was passiert bei Humor im Gehirn?“. „Humor verändert zwar nicht die Situation, aber den Blickwinkel“, so Feddersen, „was gerade in der palliativen Versorgung eine Verlinkung schafft und einen Perspektivwechsel erzeugt“.

Mit Zaubertricks und einer Jongliereinlage veranschaulichte er die positive Wirkung des „Humors für den Körper“, was letztlich eine Bewältigungsstrategie biete und die eigene Resilienz stärk.

Mehr zum Thema

Kommentare