Der Hubschrauber flog immer wieder

Helfer packten das Mückenbekämpfungsmittel in den Streukübel.  Fotos Thümmler
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Helfer packten das Mückenbekämpfungsmittel in den Streukübel. Fotos Thümmler

Der Abwasser- und Umweltverband (AUV) Chiemsee hat sich am gestrigen Donnerstag gegen eine Ausbreitung der Stechmücken gestemmt: In seinem Auftrag hat die Firma "Icybac", eine GmbH der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage Ludwigshafen am Rhein, das Mückenbekämpfungsmittel "Bacillus thuringiensis israelensis" (Bti) abgeworfen. Die Kosten schätzt Thomas Weiman, der AUV-Geschäftsführer, auf rund 130000 Euro.

Chiemsee - Die Stechmückenbekämpfung mit dem Hubschrauber sei genau zum richtigen Zeitpunkt erfolgt, sagte der Einsatzleiter, der Diplombiologe Dr. Dirk Reichle von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage Ludwigshafen. Sie sei sehr erfolgreich verlaufen. Auf rund 20 Flügen, gestartet von Chieming, Übersee und Rimsting, seien rund 500 Hektar ufernahe Bereiche rund um den Chiemsee mit Bti besprüht worden.

Das in Eisgranulat verpackte Eiweismittel nahm der Hubschrauber am Spätvormittag am Bauhof in Chieming, am Ufer in Feldwies (Gemeinde Übersee) und am Nachmittag am Strandbadkiosk in Rimsting auf. Er stieg immer wieder in die Luft, um das Mittel Bti auf die ufernahen, überschwemmten Bereiche in den Gemeinden Bernau, Breitbrunn, Chieming, Gstadt, Grabenstätt, Prien, Rimsting, Seeon-Seebruck und Übersee auszubringen. Ausgeschlossen von der Bekämpfung sei nach wie vor das Delta der Tiroler Achen mit seinem Naturschutzgebiet, so Reichle.

Dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Bekämpfung gegeben war, hatten die Wissenschaftler schon einige Tagen vorher über die Untersuchung von Schöpfproben festgestellt. So seien in einem Liter Chiemseewasser, so der Einsatzleiter, bis zu 200 Stechmücken-Larven registriert worden.

Der "Bacillus thuringiensis israelensis" bekämpft nach Ansicht der Wissenschaftler gezielt die Larven und schadet keinem anderen Lebewesen. Auch werde den Vögeln oder Fröschen die Nahrungsgrundlage dadurch nicht entzogen. Interessant war auch die Aussage, dass im Normalfall nur 50 Prozent der Larven getötet werden. So müsse die Bekämpfung immer wieder wiederholt werden.

Der Pilot bekam für seine Flüge am Chiemsee, damit er sich orientieren konnte, spezielle, digitalisierte Teilkarten für die einzelnen Bereiche, die die Wissenschaftler ausgearbeitet hatten. So sah der Pilot genau, wo er zu besprühen hatte - und wo die Aktion schon erfolgt war.

Ein Streukübel umfasst rund 400 Kilogramm Bti in Eis verpackt. Diese Menge reicht für rund 20 Hektar.

Bauhofmitarbeiter der Chiemseegemeinden sorgten bei den einzelnen Startplätzen für die Verladung des Granulats in den Streukübel. Das Eiweißmittel mit dem Eis schwimmt zuerst einige Zeit an der Oberfläche, bis das Eis schmilzt, senkt sich dann langsam auf den Seeboden. Die Larven werden getötet. Um einen Überblick zu bekommen, werde man in den nächsten Tagen wiederum Schöpfproben entnehmen und auf Larven untersuchen, so Reichle. th

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