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«Honorarentgelte sind entwürdigend»

Traunstein - In dieser Woche machen auch die niedergelassenen Nervenärzte, Neurologen und Psychiater Südostbayerns Nägel mit Köpfen (wir berichteten mehrmals): Um gegen das seit Januar 2009 in Kraft getretene Honorarsystem zu protestieren, halten sie ihre Praxen geschlossen.

Die Ärzteschaft, die sich zu einer Arbeitsgemeinschaft «Chiemgaukreis» im Berufsverband Deutscher Nervenärzte zusammengeschlossen hat, nutzt diese quasi «Zwangsschließung» dazu, um ihrem Ärger Luft zu machen. «Das Pauschalsystem muss weg, es entspricht nicht der Versorgungsrealität», betonte der Vorsitzende des Chiemgaukreises Dr. med. Ayhan Altunbas vor Pressevertretern in der Gemeinschaftspraxis Altunbas/Wohlschläger in Traunstein.

Die Fachärzte kritisieren die durch die Euro-Gebührenordnung «entwürdigend» niedrigen Preise für fachärztliche Leistungen. Sie fordern eine angemessene Bezahlung ihrer Leistungen und den Erhalt ihrer Facharztpraxen im Interesse ihrer Patienten, die besonders viel Zeit und Zuwendung benötigen. «Dass einem Facharzt unserer Klientel nach Abzug der Betriebskosten gerade mal acht bis neun Euro pro Patient und Quartal (drei Monate) bleiben, die zudem noch versteuert werden müssen, glaubt mir kein Patient», sagte Altunbas.

Politik, Krankenkassen und Öffentlichkeit sollten nach Ansicht der Neurologen, Nervenärzte und Psychologen nicht vergessen, dass die ambulant tätigen Fachärzte ihre Patienten wohnortnah auf höchstem Niveau versorgen, ohne ihnen langes Warten auf Krankenhausfluren zuzumuten. Von den rund 170 Milliarden Euro, die das Gesundheitssystem in Deutschland pro Jahr koste, gingen gerade mal 17 Prozent in die ambulante Versorgung, die damit erst an dritter Stelle hinter den Krankenhäusern und Arzneimittelausgaben stehen.

Allein die Verwaltungskosten von rund 200 Krankenkassen würden bereits rund acht Prozent verbrauchen und damit die Hälfte der Summe, die für die Bezahlung der niedergelassenen Haus- und Fachärzte, Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden und anderen bereitgestellt werde. Für den gleichen Betrag, den ein einziger Tag im Krankenhaus koste, oder für den Betrag, den Krankenkassen zum Teil als Zuschüsse für Wellness-Trips gesunder Versicherter gewähren, sollen niedergelassene Fachärzte einen Patienten ein ganzes Jahr behandeln.

Um auch die heimischen Politiker auf ihre Misere aufmerksam zu machen, findet im Zuge dieser Protestaktion am kommenden Freitag in Seebruck eine Podiumsdiskussion statt. Bei der Veranstaltung wollen die Fachärzte den Politikern nahelegen, dass auch Facharztpraxen kleine Unternehmen sind, die Arbeitsplätze schaffen, langfristige Mietverträge einhalten müssen und nicht zuletzt Kredite abzulösen haben. ga

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