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Vergessene Obstsorten aus heimischen Gefilden

Honig-Birne und Georgi-Apfel: Wie Schnaps aus Prien alte Obstsorten retten soll

Geschmackvolle Honigbirne: Der Rimstinger Brenner Christian Steinbichler schüttet die Früchte in eine Presse, aus der schließlich die Maische für den Brand gewonnen wird.
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Geschmackvolle Honigbirne: Der Rimstinger Brenner Christian Steinbichler schüttet die Früchte in eine Presse, aus der schließlich die Maische für den Brand gewonnen wird.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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„Apfel.Birnen.Berge. Alte Obstsorten im oberbayerischen Alpenvorland“: Projekt will in Vergessenheit geratene Früchte aus dem Chiemgau bewahren.

Rimsting – Es gibt längst vergessene Obstsorten aus heimischen Gefilden. Zum Beispiel den Georgi-Apfel aus Rimsting oder die Honig-Birne aus Bernau. In Vergessenheit geraten sind die Früchte auch, weil sie nicht unbedingt jedermann munden. Dennoch gibt es für Naturschützer gute Gründe, die Sorten vor dem Aussterben zu bewahren.

Vielfalt der Sorten erhalten

Das bedeute für viele Baumbesitzer eines: Die Früchte seien genießbar, schmeckten aber den wenigsten, wie Thomas Loferer berichtet. Der Forst- und Holzwissenschaftler hat über die Jahre seine Leidenschaft für alte Obstsorten entdeckt und bringt diese nun über ein Projekt des Landkreises Rosenheim ein. „Apfel.Birnen.Berge – Alte Obstsorten im oberbayerischen Alpenvorland“ nennt sich das Vorhaben, welches die Regierung von Oberbayern angestoßen hat. Er und Projektmanagerin Eva Bichler-Öttl sind jedoch beim Landratsamt Rosenheim angesiedelt.

Seit nunmehr zwei Jahren ist unter anderem Loferer damit beschäftigt, in der Region Rosenheim alte Obstsorten in Gärten auszumachen. Denn die Streuobstkultur, welche die Vielfalt der Sorten aufrechterhalten habe, sei im vergangenen Jahrhundert stetig im Niedergang gewesen, berichtet der Obstbaumkundler. Dies auch, weil heute gängige Sorten wie Elstar oder Jonagold immer einfacher verfügbar waren. Zudem: Most, Cidre, Dörrobst – nur noch selten würden Früchte auf diese Weise weiterverarbeitet.

Aber auch die Optik der heimischen Streuobstsorten sei nicht für jeden „überzeugend“, wie Loferer vermutet. Und auch hier sage nicht jedem der Geschmack der Früchte zu: „Der eine sagt, sie schmecken fürchterlich, für andere sind sie die absoluten Lieblingsäpfel.“ Dabei sei Streuobst das natürlichste, weil es eine größere Vielfalt abbilde und auch viele Inhaltsstoffe habe.

In Trögen als Tierfutter gelandet

Das Projekt, für welches Thomas Loferer arbeitet, soll dieser Entwicklung entgegenwirken. Wobei: Noch weitaus mehr gefährdet als die alten Apfelsorten seien die Birnen-Variationen. Oftmals handele es sich um Sorten, die schlicht und ergreifend niemandem schmeckten. Wirtschaftsbirnen nennt Loferer diese Früchte, die zumindest in ihrer Ursprungsform nicht unbedingt kulinarisch überzeugten und früher meist in Trögen als Tierfutter gelandet seien.

Manchmal sei es aber nur der Umstand, dass Gartenbesitzer auf ihren Flächen schlicht nicht wüssten, um welche Birnensorte es sich handle, auch wenn die Früchte geschmacklich durchaus genießbar seien. Zum Beispiel die Honigbirne aus Bernau. Ein Fund des Brenners Christian Steinbichler aus Rimsting. „Sie sieht optisch nicht so gut aus“, wie er verrät: Klein, kegelförmig und mit vielen Flecken versehen, sei die Frucht beispielsweise nicht vergleichbar mit dem Aussehen einer Williams-Christ-Birne.

Nichts, von dem sich der Eigentümer der Bäume, von denen die Honigbirne stammt, davon habe abhalten können, die Früchte zu kosten. Deren Geschmack überzeugte, und für Christian Steinbichler stellte sich die Frage, ob er das Aroma der Birne auch in einem Destillat würde auffangen können. Denn obwohl die Honigbirne ihrem Namen gerecht werde und sehr süß schmecke, enthalte sie wenig Zucker, aus dem während der Gärung schließlich Alkohol entstehen soll. Doch das Ergebnis konnte schließlich auch die Edelbrandsommeliers des Südostbayerischen Verbands der Obst- und Kleinbrenner überzeugen.

Wenig Material für die Maische

Auch andere Sorten, die im Programm „Apfel.Birnen.Berge“ in der Region wiederentdeckt wurden, hat Steinbichler als Obstbrand neues Leben eingehaucht. Ein Problem für ihn sind jedoch die Mengen. Zum Teil würden nur 40 bis 50 Kilogramm angeliefert.

Die Maische, welche er aus den Früchten fermentiert, fülle seine Brandblase nur zu rund einem Drittel. 150 Liter fasse das Gefäß. Das mache es schwieriger, die einzelnen Alkoholanteile abzutrennen. Dennoch: Rund zweieinhalb Liter Destillat habe er auffangen können, welches mit seinen 80 Volumenprozent noch ein gutes Jahr ruhen müsse, bevor es mit enthärtetem Wasser zum Trinken verdünnt werde.

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