Wegen Corona in Quarantäne

Homeschooling-Premiere an der Grundschule Prien: Unterricht mit dem „BigBlueButton“

Klassenlehrerin Lena Niedermayer (links) und Rektorin Claudia Decker sind froh, dass die neue Homepage der Priener Grundschule unmittelbar nach der Freischaltung ihre Feuertaufe als Informationsplattform bestanden hat, als Eltern einer ganzen Klasse praktisch über Nacht über die Corona-Quarantäne informiert werden mussten.
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Klassenlehrerin Lena Niedermayer (links) und Rektorin Claudia Decker sind froh, dass die neue Homepage der Priener Grundschule unmittelbar nach der Freischaltung ihre Feuertaufe als Informationsplattform bestanden hat, als Eltern einer ganzen Klasse praktisch über Nacht über die Corona-Quarantäne informiert werden mussten.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Homeschooling funktioniert auch bei Grundschülern. Das ist das Fazit von Priens Rektorin Claudia Decker und Lehrerin Lena Niedermayer. Ihre 4b war die erste Klasse, die wegen eines Corona-Falls in Quarantäne musste.

Prien – Am Montag, 23. November, um 8 Uhr war Premiere. Zum ersten Mal trafen sich 22 Viertklässler der Franziska-Hager-Grundschule Prien mit ihrer Lehrerin Lena Niedermayer nicht im Klassenzimmer, sondern im Netz. Die Eltern waren zwar für den Fall der Fälle vorsichtshalber geschult und auf das Webkonferenzsystem BigBlueButton mit einer bebilderten Anleitung vorbereitet worden. Trotzdem war es ein Sprung ins kalte Wasser. Erst am Samstagabend hatte sich herausgestellt, dass die 4b in Quarantäne muss. „Ich war schon überrascht“, lacht Niedermayer nach gut einer Woche Unterricht am Bildschirm.

8-Uhr-Konferenz als Tagesritual

In den Homeschooling- Tagen habe sich die 8-Uhr-Videokonferenz mit allen als hilfreiches Ritual herausgestellt, so die Pädagogin. Wobei nur sie ihr Mikro an hatte, die Kinder durften in der großen Runde nur zuhören.

Technische Schwierigkeiten ihrer Schützlinge waren offenbar die Ausnahme, Bildschirmkamera und Mikrofon ein- und auszuschalten war für die Kids offenbar eine leichte Übung. Die restlichen Vormittage arbeitete Niedermayer mit ihrer Klasse nach einem festen Zeitplan in Kleingruppen. Die Eltern hielten sich im Hintergrund. Die Lehrerin kann im Nachhinein nicht einmal mit Gewissheit sagen, ob bei allen Kindern immer mindestens ein Elternteil daheim war.

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Für die technikaffine Lehrerin waren die ersten Tage anstrengend, erzählt sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Denn sie musste deutlich mehr sprechen als im Klassenzimmer. Aber die Kinder halfen ihr durch Disziplin. Manche saßen morgens pflichtbewusst schon um 7.30 Uhr vor dem Laptop, konnte ihre Klassenlehrerin am heimischen Schirm beobachten. Und sie meldeten sich in den Kleingruppen-Einheiten artig mit erhobenem Arm. „Bei einigen habe ich anfangs nur die Achsel gesehen“, schmunzelt Niedermayer über kleine Startschwierigkeiten, bis die Kamera richtig justiert war.

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Dem Priener Grundschulkollegium kommt sicher zugute, dass es dank digitaler Tafeln im Schulhaus schon mit neuen Medien und Möglichkeiten vertraut ist. Berührungsängste gibt es laut Rektorin Claudia Decker kaum.

Nach Niedermayers Beobachtungen kam beim Videounterricht mit Powerpoint-Präsentationen der Lehrstoff genauso gut rüber wie im Klassenzimmer. „Ich hatte schon den Eindruck, dass sie alles verstanden haben.“ Am Anfang war sie sich da nicht ganz sicher, denn in der vierten Klassen gebe es wegen des anstehenden Übertritts am Schuljahresende schon einen gewissen Druck.

Jedes Kind lernt im eigenen Tempo

Einen Vorteil des individuellen Lernens daheim hat Decker erkannt: Jedes Kind könnte seiner Auffassungsgabe entsprechend im eigenen Tempo lernen und müsse sich nicht nach dem Klassenverband richten.

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Trotz der positiven Erfahrungen war Niedermayer nach gut einer Woche Isolation froh, ihre 22 Schützlinge jetzt wiederzusehen. Für bestimmte Lerninhalte sei das Miteinander schon sehr wichtig. „Bei HSU (Heimat- und Sachkunde) ist Präsenzunterricht deutlich wichtiger als in anderen Fächern“, hat die Lehrerin gelernt.

Die Rektorin findet, dass trotz der unbestrittenen Vorteile des Präsenzunterrichts jeder mal das Lernen daheim mit Videokonferenzen ausprobieren sollte – unabhängig von Corona und einer Zwangs-Quarantäne. Schließlich stünden die digitalen Medien heutzutage im Lehrplan der bayerischen Grundschulen.

Keine weiteren Corona-Fälle

Seit der Quarantäne der Klasse 4b für gut eine Woche hat es laut Decker keine weiteren Corona-Fälle mehr unter den mehr als 300 Mädchen und Buben an der Priener Grundschule oder ihrer Außenstelle in Wildenwart gegeben.

Für die kurzfristige Homeschooling-Premiere hat die Priener Franziska-Hager-Grundschue Lob und Dank aus der Elternschaft geerntet. Bettina Heilmann, deren Tochter Eva in die 4b geht und die auch dem Elternbeirat angehört, berichtet unter anderem vom recht problemlosen technischen Start des BigBlue-Button-Programms für ihre Tochter.

Viertklässlerin Eva Heilmann am heimischen Computer beim Homeschooling.

Wichtig sind wegen der Tagesstruktur ihrer Einschätzung nach die genau festgesetzten Uhrzeiten für Videokonferenzen der ganzen Klasse oder von Kleingruppen. „Unsere Bandbreite konnte den Stream problemlos übertragen, obwohl mein Mann zur gleichen Zeit eine Videokonferenz hatte“, berichtet die Prienerin.

Das System habe sich auch den Rest des Tages als stabil erwiesen. „Mein einziges Problem war, dass die Lehrerin in normaler Lautstärke sprach (gut zu verstehen bei Lautsprecher 70), einige Kinder jedoch sehr laut gesprochen haben (von Hintergrundgeräuschen gar nicht erst zu reden).“

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Heilmanns Fazit nach gut einer Woche Homeschooling: „Ich persönlich finde BigBlueButton sehr praktisch, weil es auch Computer-Anfänger bedienen können und ich denke, dass es für unsere Grundschüler genau das Richtige ist.“ Ihre Tochter Eva, die noch nicht besonders computeraffin ist, war begeistert: „BigBlueButton war super! Es hat nicht gestockt und ich konnte alle Leute gut verstehen. Und es kommt auch nichts anderes dazwischen (gemeint ist Werbung), wie bei manchen anderen Lerningapps. Ich finde das Programm genial und einfach zu bedienen.“

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