Hochzeit mit 80, glücklich noch mit 100: Egon Zachert feiert in Prien seltenen Geburtstag

So lässt es sich wunderbar feiern: Egon Zachert mit Ehefrau Waltraud an seinem 100. Geburtstag beim Weißwurstfrühstück im Clubraum der Kursana Residenz.
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So lässt es sich wunderbar feiern: Egon Zachert mit Ehefrau Waltraud an seinem 100. Geburtstag beim Weißwurstfrühstück im Clubraum der Kursana Residenz.

„Dass ich 100 Jahre alt werden würde, daran habe ich früher selbst nicht geglaubt“, schmunzelt Egon Zachert. Jetzt hat er es tatsächlich geschafft: In der Kursana Residenz Prien feierte er diesen runden Geburtstag.

Prien –In den USA galt die Prohibition, der Friedensvertrag von Versailles war gerade in Kraft getreten und der 1. FC Nürnberg war Deutscher Fußballmeister, als Egon Zachert 1920 als Sohn einer Hausfrau und eines Maschinenbauers in Bochum geboren wurde. Laut seiner Erzählung übersiedelten seine Eltern mit ihm im Februar 1924 nach Dnipropetrowsk in der Ukraine. Der Vater hatte dort einen Vertrag als Industrie- beziehungsweise Maschinenbaufachmann und sollte ein Fließband für die Schuhproduktion bauen. 1933 wurde er nach Sibirien verschleppt, die Mutter kam in eine deutsche Kolonie nach Fischerdorf und arbeitete dort als Hilfspflegerin in einer psychiatrischen Klinik. Egon Zachert, der seit seinem achten Lebensjahr die deutsche Arbeiterschule in Dnipropetrowsk besucht hatte, kam ins dortige Internat.

Abschluss im August 1946 in Rosenheim gemacht

Nachdem 1938 sämtliche deutsche Schulen in der Ukraine geschlossen wurden, konnte er am Holz-Technikum Poltawa eine Lehre zum Holztechniker absolvieren. Nach einem kurzen Dienst bei der Wehrmacht und einem Aufenthalt in Berlin wechselte er an die Hochschule für Holztechnik nach Rosenheim, wo er im August 1946 seinen Abschluss machte. In der Oberpfalz bekam er seine erste Anstellung als Ingenieur.

1947 heiratete Egon Zachert seine (1976 verstorbene) erste Frau und zog nach Kolbermoor. Noch im gleichen Jahr bekamen die beiden Zwillinge, ein Mädchen und einen Buben. Leider verstarb die Tochter kurz nach der Geburt.

Beruflich ging es weiter bergauf: Im Jahr 1950 pachtete Zachert ein Sägewerk in Krottenmühl am Simssee. Von 1953 bis 1975 arbeitete er auch als Privatdozent für angehende Sägewerkfacharbeiter und Werkmeister. Besonders stolz ist Zachert auf einen goldenen Ring: „Mit dem hat mich die Industrie- und Handelskammer München ausgezeichnet, für meine 20-jährige Mitarbeit im Prüfungsausschuss.“

Ein schwerer Unfall zwang Egon Zachert 1963 dazu, das Sägewerk aufzugeben. Das von ihm gegründete Unternehmen Zachert-Zäune leitete er bis zum Beginn des Pensionsalters im Jahr 1984. Kurz darauf verkaufte er Firma und Haus und zog 1986 ins Seniorenheim nach Marquartstein. Ein Jahr zuvor hatte er noch die Kreis- und Ortsgruppe Rosenheim der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland gegründet.

Romantische Begegnung bei einem Konzert im Jahr 2000

In die Priener Marktresidenz, die heutige Kursana Residenz, zog der Jubilar 1996 um. Zusammen mit Freunden widmete er sich hier besonders der Musik. Zachert: „In einem Quartett habe ich Mandoline gespielt, meine anderen Instrumente waren Akkordeon, Klavier und Gitarre.“ Regelmäßig hat die Gruppe an Samstagnachmittagen aufgespielt, „unser Publikum war von unserer Wiener Caféhaus-Musik begeistert“.Bei einem dieser Konzerte im Jahr 2000 kam es dann zu einer romantischen Begegnung: „Ich war damals 80 und habe Waltraud kennengelernt, sie ist 27 Jahre jünger“, erzählt der Jubilar und fügt verschmitzt im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung hinzu: „Ich wollte halt noch was Schönes vom Leben haben.“ . Noch im gleichen Jahr wurde geheiratet. „Das war eine gute Entscheidung – ich bin immer noch glücklich verheiratet“, sagt der 100-Jährige heute.

Nach der Eheschließung zog Zachert zu seiner Frau, , die aus Nürnberg stammt, aber schon seit 20 Jahren in Prien wohnt, bis er 2018 wieder zurück in die Kursana Residenz umsiedelte. Hier widmet er sich bis heute seiner musikalischen Leidenschaft und spielt immer noch täglich Klavier. Mindestens 100 Stücke kann er auswendig spielen

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