Hochwasser in Unterwössen: Tiroler Ache wird zum reißenden Gebirgsstrom

  • vonLudwig Flug
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Wo am Samstag die weiten Kiesbänke in der Tiroler Ache im Sonnenschein eines heißen Sommertages lagen, war gestern früh dann endgültig Land unter. Ausgetrocknete Bachbette im oberen Achental waren reißende Gebirgsströme und selbst über den Asphalt floss das Regenwasser Zentimeter hoch.

Unterwössen - Vor allem Montag und sturzbachähnlich durch die Nacht auf Dienstag regnete es im oberen Achental. Die Gebirgsbäche waren ungeheuer angewachsen, die Tiroler Ache näherte sich den Kämmen der umgebenden Dämme. Kurz vor Dienstagmittag erreichte das Hochwasser seinen Höchststand flachte dann ab. Da floss der Fahrzeugverkehr von Schleching über Unterwössen nach Marquartstein, weil die B 307 dort unter Wasser stand. 

Hochwasser in Unterwössen

Für die Feuerwehren in Ober- und Unterwössen blieb es im Ort bei den Routineeinsätzen. Auf Kontrollfahrten in der Früh alarmierten die Wehren in Ober- und Unterwössen Einsatzkräfte. Sie richteten an den immer virulenten Stellen ihr Equipment her. 

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In Unterwössen ist das die Senke beim Holzwerk Ager, wo sich Wasser sammelt. Damit einige hundert Meter weiter das Wasser des Wössner Baches nicht in den Mühlbach drückt, wird dort das Wehr geschlossen und das Wasser des Mühlbaches zu dessen Entlastung über eine Schlauchleitung in den Wössner Bach gedrückt. Der Wasserstand des Wössner Baches am Fehlbachweg erreichte längst die Unterkante des Streichwehres am Ausleitungsbauwerk. 

Hochwasser in Unterwössen

Unter dem Streichwehr hindurch rauschte das Wasser beeindruckend in das Dorfzentrum. Doch die Wassermenge, die das Streichwehr durchlässt (25 Kubikmeter pro Sekunde), ist unschädlich für den Ort. Das vom Wehr zurückgehaltene Wasser staut sich hinter dem Wehr und erreicht den Süllbord des Ausleitungskanals.

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Den ganzen Morgen stürzten die Wassermassen (möglich sind dort 50 Kubikmeter pro Sekunde) über das Süllbord in den Ausleitungskanal und floss im Tosbecken beruhigt auf die Retentionsflächen am Flugplatz. Dort bildeten sich

große Seen

, über die das Wasser langsam in die Tiroler Ache abfloss.

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Große Seen auch auf den Wiesenflächen im Unterwössner Norden und zeitweilig auch am Moosbach in Oberwössen. Dort in Oberwössen hatte sich die Lage schnell wieder beruhigt. Der Wasserstand des Hammerergrabens sank. Oberwössner Einsatzkräfte beorderte die Leitstelle darauf in die aufkeimenden Brennpunkte nach Übersee. 

Hochwasser in Unterwössen

Nach vorläufigen Zahlen waren in Oberwössen 20 Kräfte im Einsatz, in Unterwössen zehn. Weniger glimpflich die Situation für die Landwirte mit Grund in den Überflutungsflächen. Ungeheure Mengen an Dreck, Gestein und Holz reißen die Gewässer mit sich und tragen sie in die Wiesen. 

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Bei den Unterwössnern überwiegt jetzt schon seit 2006 mit der Errichtung des Ausleitungsbauwerkes eine gewisse Gelassenheit. Viele von ihnen sind bei Hochwasser am Ausleitungsbauwerk, um das Wasserspektakel anzusehen. Hochwassertourismus auch bei den Feriengästen, die mit Regenjacke und Schirm entlang der wilden Gebirgsbäche unterwegs sind, das für sie ungewohnte Schauspiel fasziniert zu beobachten.

Hochwasser in Unterwössen

Andere fühlen sich bedrückt angesichts der Naturgewalten. Für eine Hannoveranerin mit Quartier am Bach ist die Situation völlig neu. Sie beschreibt: „Ich habe die ganze Nacht kein Auge zu gemacht. Ich dachte irgendwann muss es doch mal aufhören so stark zu regnen. Doch stattdessen wuchs der Bach und sein gewaltiges Rauschen weiter an.“

Umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller

In Grassau erreichte die Tiroler Ache Meldestufe 2 am Pegel Staudach. In diesem Bereich musste sich vor allem um Keller, die ausgepumpt werden mussten, gekümmert werden. Diese Arbeiten dauern noch an. Die Feuerwehren Palling und Tachtering kamen zur Hilfe. Am Rottauer Bach musste die Feuerwehr im oberen Bereich mit Unterstützung von Fremdfirmen Schwemmholz rausholen und sogar eine Brücke versorgen. Ortsstraßen wie  zum Beispiel die Geigelsteinstraße seien teilweise gesperrt gewesen, so die Info von Tobias Gasteiger, stellvertretende Geschäftsleiter und Kämmerer.

Rubriklistenbild: © Ludwig Flug

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